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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Romano Prodis kurzes Glück und der Abschied von den Alten" (Von Oliver Meiler)
Ausgabe vom 22.02.2007
Graz (OTS) - Es hatte ja so kommen müssen. Romano Prodi, Italiens
linker Ministerpräsident mit der knappsten und heterogensten
Parlamentsmehrheit in der Geschichte der Republik, stolpert und
stürzt nach nur neun Monaten im Amt.
Es ist ein Sturz mit Vorankündigung. Und doch erwartete ihn niemand
zu diesem Zeitpunkt. Kein Einziger unter den großen politischen
Analytikern im Land erwartete ihn gestern, nach einer "einfachen"
Senatsabstimmung über die Außenpolitik der Regierung. Es war nicht
einmal eine Vertrauensabstimmung, die Prodi da verloren hatte. Er
wäre formal also gar nicht gezwungen gewesen, seinen Rücktritt
einzureichen.
Dass er es trotzdem tat, gereicht ihm zur Ehre. Es zeigt aber auch,
wie aussichtslos ihmseine eigene Lage erscheinen musste. Die
Außenpolitik ist nun einmal keine Bagatelle. Italien ist zwar keine
Weltmacht, keiner der Granden der Weltpolitik. Doch hat das Land
Truppen in Afghanistan und im Libanon stehen. Im Libanon stellen die
Italiener gar das Kommando jener internationalen Friedensmission, die
dafür sorgen soll, dass das Waffenstillstandsabkommen mit Israel
nicht gebrochen wird.
Wenn die italienische Regierung also über keine solide
Parlamentsmehrheit mehr verfügt, wenn sich die christlichsozialen
Gemüter partout nicht vertragen wollen mit den neokommunistischen
Pazifisten, ist das mehr als nur ein inneritalienisches Problem.
Spätestens bei der Abstimmung über die weitere Finanzierung der
Mission in Afghanistan wäre der Zwist erneut aufgeflammt.
Und nun? Die Italiener haben eine gewisse Erfahrung mit
Regierungskrisen. Es gab Zeiten, zwischen 1948 und 1996, da
wechselten die Kabinette alle paar Monate. Fast schon lustvoll.
Nun schlägt die Stunde der Taktiker und Ränkeschmiede. Es wird
Versuche geben, den Riss im Koalitionsgefüge zu kitten. Viel Erfolg
wird ihnen aber wohl nicht beschieden sein. Und es wird unanständige
Angebote früherer Gegner geben für einen Zusammenschluss in der
christdemokratischen Mitte. Neue Protagonisten werden auf die Bühne
drängen. Solche, die die beiden dominierenden Persönlichkeiten der
jüngeren Geschichte Italiens, Prodi und Berlusconi, beerben wollen.
Beide gelten sie als politisch verbraucht, als Hemmnis für eine
Entkrustung der italienischen Politik.
Es liegt also ein Hauch von Fin de règne in der Luft. Vielleicht ist
es nur ein schwacher Hauch, der da durch Italien weht, aber er ist
nicht mehr zu leugnen.****
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