• 21.02.2007, 12:11:19
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Sima: Feinstaubmaßnahmen sparen 100te Mio. Euro Gesundheitskosten

Studie der Ärzte für eine Gesunde Umwelt: vorzeitige Todesfälle und Schadenskosten reduziert

Wien (OTS) - Mehrere Hundert Millionen Euro an Gesundheitskosten
spart die Stadt Wien durch die gesetzten Anti-Feinstaubmaßnahmen, es
kommt bei vollständiger Umsetzung aller beschlossenen Maßnahmen
allein in den Sektoren Verkehr und Industrie zur Verhinderung von
zumindest 40 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr. Bei der Reduktion des
Reizgases und Feinstaub-Vorläufersubstanz NO2 liegen die
Gesundheitskosteneinsparungen und Vermeidung von vorzeitigen
Todesfällen noch wesentlich höher. Zu diesem Ergebnis kommt eine
aktuelle Studie der Organisation "Ärzte für eine gesunde Umwelt"
unter der Leitung von Dipl.-Ing. Dr. med. Hans Peter Hutter, die
Umweltstadträtin Maga Ulli Sima heute gemeinsam mit Studienautor
Hutter präsentiert hat. "Laut Weltgesundheitsorganisation stellt
Luftverschmutzung ein beträchtliches Gesundheitsrisiko dar, Feinstaub
und NO2 gehören dabei zu den zentralen Schadstoffen. Daher setzten
wir als Stadt Wien seit Jahren entsprechende Maßnahmen zur Reduktion
des Feinstaubs und seiner Vorläufersubstanzen", so Sima. "Aus
ärztlicher Sicht stellen die von der Stadt Wien getroffenen
Anti-Feinstaub-Maßnahmen einen wichtigen vorsorgemedizinischen
Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit der Wiener Bevölkerung dar.
Dabei ist zu bedenken, dass bei unserer Studie etliche zusätzlich
positive Auswirkungen der gesetzten Maßnahmen wie etwa die Reduktion
von Lärm, Erhöhung der Verkehrssicherheit sowie Auswirkungen auf die
Lebensqualität und das Wohlbefinden noch nicht berücksichtigt bzw.
quantifiziert wurden", betonte Dr. Hutter.

Internationale epidemiologische Studien als Grundlage

Der Studie sind Daten der Magistratsabteilung 22 zu den
jährlichen Emissions-Reduktionen und daraus abgeleiteten Reduktionen
der Immissionen von Schwebestaub (PM10), Stickstoffdioxid (NO2),
Schwefeldioxid (SO2) und Flüchtigen Kohlenwasserstoffen (VOC)
zugrunde gelegt. Zur Abschätzung der gesundheitlichen Effekte wurden
Daten zu Expositions-Wirkungsbeziehungen von PM10 (Feinstaub) und NO2
(Feinstaub-Vorläufersubstanz) für die Allgemeinbevölkerung aus
internationalen und nationalen epidemiologischen Studien
herangezogen. Berechnet wurden laut Hutter die Effekte auf die
Gesamtsterblichkeit. "Es wurde eine konservative Abschätzung der
verhüteten Schadenskosten pro Jahr zugrunde gelegt", erläutert
Hutter.

o Tabelle 1: Zusammenfassende Darstellung der vermiedenen          
  vorzeitigen Todesfälle aufgrund der abgeschätzten Reduktionen von
  PM10- und NO2-Immissionen sowie der vermiedenen Schadenskosten.
Maßnahme  Vermiedene     eingesparte     Vermiedene   Eingesparte  
            Todesfälle     Kosten in       Todesfälle   Kosten in  
            pro Jahr(PM10)  Euro pro Jahr   pro Jahr     Euro pro  
                                           (NO2)         Jahr      
Partikelfilter                                                     
offroad      12 - 26        8,2 - 18,3 Mio. -            -         
Verbot Heizöl                                                      
Leicht       0,15           105.000         0,67         500.000   
Mobilitäts-                                                        
management   33             23 Mio.         71           50 Mio.   
Summe                                                              
Anlagen*     40             28,0 Mio.       330          231,0 Mio.
Summe                                                              
Verkehr      38             26,6 Mio.       113          79,2 Mio. 
* inklusive Raffinerie

Großes Einsparungspotenzial bei Verkehr und Industrie

Bei den Emissionen des gesamten Sektors Verkehr können durch die
beschlossenen Maßnahmen der Stadt Wien 33,6 t PM10 (Feinstaub) und
242,2 t NO2 jährlich vermieden werden. Dies entspricht einer
Vermeidung von 17 bis 38 vorzeitigen Todesfällen durch
Feinstaub(PM10) und 41 bis 113 durch NO2. Zur Berechnung der
vermiedenen Schadenskosten werden die Immissionsreduktionen im
Nahbereich der Emittenten herangezogen. Für den gesamten
Verkehrssektor errechnen sich vermiedene Schadenskosten von rund 26,6
Mio. Euro durch Feinstaub (PM10) und 79,2 Mio. Euro durch NO2 pro
Jahr, die durch die Umsetzung des Maßnahmenbündels eingespart werden
können.

Im Bereich des Sektors Industrie hat der zwischen der Stadt Wien
und der OMV vereinbarte Einbau modernster Filteranlagen in der
Raffinerie Schwechat erheblichen Anteil an der Reduktion der
Luftschadstoffe. Die Einsparungen werden inklusive Filtereinbau bei
Feinstaub auf 79,3 t und bei NO2 auf 1.965 t gerechnet. Es ergibt
sich eine Vermeidung von etwa 40 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr
durch Feinstaub (PM10) und 330 durch NO2.

Für den gesamten Industriesektor ergeben sich vermiedene
Schadenskosten von rund 28 Mio. Euro für Feinstaub (PM10) und 231
Mio. Euro für die Feinstaub-Vorläufersubstanz NO2 pro Jahr.
Weitere große Einsparungsbereiche wie der Winterdienst, der um 8 Mio.
Euro modernisiert wurde und durch die Umstellung auf Salzsohle eine
enorme Einsparung von Splitt brachte, wurde in der Studie nicht
mitgerechnet.

Positive Auswirkungen weiterer Anti-Feinstaubmaßnahmen auf die
Gesundheit

Darüber hinaus wurden von Hutter weitere beschlossene
Einzelmaßnahmen der Stadt Wien (wie die Partikelfilterpflicht für
Offroad-Geräte, das Verbot von Heizöl leicht und das moderne
Mobilitätsmanagement) getrennt analysiert. Damit soll die Bedeutung
von bestimmten Einzelmaßnahmen hervorgehoben und weitere
Grundlagen-Maßnahmen geschaffen werden.

Seit September 2006 gilt für Offroad-Geräte (Baumaschinen, etc.)
über 37 kW Partikelfilterpflicht. Das errechnete Einsparungspotenzial
bei Feinstaub durch diese Maßnahme liegt bei rund 23 t PM10/Jahr.
Diese Reduktion verhindert jährlich 12 bis 26 Todesfälle, woraus sich
verhütete Schadenskosten in der Höhe von 8,2 bis 18,3 Mio. Euro
ergeben.

Im IG-L (Immissionsschutzgesetz-Luft) wurde festgeschrieben,
dass ortsfeste Einrichtungen im Sanierungsgebiet, die mit "Heizöl
leicht" betrieben werden, anstelle dieses Brennstoffes mit "Heizöl
extra leicht" betrieben werden müssen. Laut
Bundesländer-Energiebilanz 2001 wurden in Wien jährlich noch immer
ca. 1.500 t Heizöl leicht eingesetzt. Durch das Verbot von Heizöl
leicht reduzieren sich die Emissionen im Bereich nichtgewerblicher
Heizungsanlagen in Wien um folgende Beträge: 0,3 t PM10 und 4 t NO2
pro Jahr. Diese Reduktion resultiert in einer Vermeidung von 0,15
Todesfällen pro Jahr aufgrund der Schwebestaubbelastung bzw. von 0,67
Todesfällen pro Jahr aufgrund der verringerten Belastung mit NO2.
Allein aufgrund der Reduktion der Partikelkonzentration und der
Stickstoffoxidkonzentration NO2 errechnen sich vermiedene
Schadenskosten in der Höhe von etwa 105.000 Euro für Feinstaub (PM10)
bzw. 500.000 Euro für NO2 pro Jahr.

Modernes Verkehrsmanagement zur weiteren Reduktion von
Feinstaub und damit verbundenen Gesundheitskosten

2002 startete in Wien im Zuge des Masterplans Verkehr das
Projekt "VEMA - Verkehrsmanagement". Darauf aufbauend wurde 2006 von
den Ländern Wien, Niederösterreich und Burgenland das Projekt "ITS
Vienna Region" (ITS: Intelligent Transport Systems) gegründet. ITS
umfasst das weite Feld der Verkehrstelematik und -information.
Dadurch soll das Verkehrsgeschehen effizienter, sicherer und
umweltfreundlicher gemacht werden. Vorhandene Infrastruktur kann
wesentlich besser genutzt werden (z. B. Umsteigen vom Auto auf
Öffentliche Verkehrsmittel wird einfacher und komfortabler).

Ziele von ITS Vienna Region sind u.a. Verbesserungen des Modal
Split zugunsten des Umweltverbundes, eine Optimierung der
Verkehrssteuerung durch die einzelnen Verkehrsträger und eine
verbesserte Koordinierung der Strategien der einzelnen
Verkehrsträger. Durch dieses Maßnahmenbündel können 29 t PM10 und 151
t NO2 pro Jahr eingespart werden. Damit können durch die
PM10-Reduktion rund 15 bis 33 bzw. durch NO2-Reduktionen rund 25 bis
71 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindert werden. Zur Berechnung
der vermiedenen Schadenskosten werden jeweils die Schätzungen -
basierend auf Immissionsreduktionen im Nahbereich - der Emittenten
herangezogen. Daraus errechnen sich vermiedene Schadenskosten von
zumindest 23 Mio. Euro bei Feinstaub (PM10) und rund 50 Mio. Euro bei
NO2 pro Jahr.

Feinstaub als überregionales Problem lösen - jeder
verpflichtet mitzumachen: Feinstaub ist Deinstaub!

"Die Studie der Ärzte für eine gesunde Umwelt spricht eine
deutliche Sprache - die von uns gesetzten Maßnahmen leisten
nachweislich einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheit der
Wienerinnen und Wiener. Wir werden den bisher eingeschlagenen Weg
konsequent weiter verfolgen, denn das Problem Feinstaub wird nicht
von heute auf morgen gelöst sein", so Sima. Es handelt sich um ein
überregionales Problem, zu dessen Lösung es Ansätze auch auf
überregionaler Ebene braucht. So muss laut Sima die Auslandsförderung
des Bundes für einen Anti-Feinstaub-Schwerpunkt in den Nachbarländern
verwendet werden. "Wir bekämpfen den von uns selbst produzierten
Feinstaub auf allen Ebenen, doch laut Studien der TU Wien sind 3/4
des Wiener Feinstaubs nicht hausgemacht", so Sima. Daneben ersucht
die Umweltstadträtin auch die Bevölkerung um Mithilfe beim Kampf
gegen den Feinstaub: "Beim Feinstaub sind wir nämlich alle
Verursacher und Opfer zugleich. Jeder von uns kann Feinstaub
reduzieren, unsere aktuelle Kampagne, Feinstaub ist Deinstaub, gibt
dazu wertvolle Tipps und zeigt, dass auch Einzelmaßnahmen beachtliche
Reduktionen erzielen lassen", so Sima abschließend.

o Info:                                                       
  2 Maßnahmenpakete der Stadt Wien und Infos zur aktuellen    
  Feinstaubkampagne der Stadt Wien auf www.natuerlich.wien.at/

(Schluss) vor

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Anita Voraberger
Mediensprecherin StR. Mag. Ulli Sima
Tel.: 4000/81 353
Handy: 0664/16 58 655
E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK

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