- 16.02.2007, 18:40:41
- /
- OTS0248 OTW0248
"Oberösterreichische Nachrichten"-Kommentar: "Gerechtigkeit für Herrn Elsner" von Gerald Mandlbauer
Linz (OTS) - Schon in seiner aktiven Zeit war Helmut Elsner nicht
wirklich das, was man gemeinhin einen Sympathieträger nennt (das aus
der Erfahrung von Treffen mit ihm geschrieben): ein Gockel, auf das
Zurschaustellen des Gewichts seiner Funktion bedacht, präpotent,
nicht kritikfähig. 1,5 verlorene Bawag-Milliarden später ist er vom
Unsympathler zur Hassfigur für Millionen Österreicher geworden. Was,
angesichts eines bevorstehenden Gerichtsverfahrens gegen ihn, nicht
unkritisch zu sehen ist.
Kann es überhaupt noch Gerechtigkeit für Elsner geben? Unbeeinflusst
davon, dass er unermesslich viel Geld vernichtet haben soll
(mutmaßlich, wie es in solchen vorerst unbewiesenen Fällen heißt),
bleibt der Rechtsstaat nicht der Verantwortung enthoben, ihm ein
faires Verfahren zu ermöglichen. Erst das macht einen Staat zum
zivilisierten Rechtsstaat, wenn er die schlimmsten Gauner vor
Vorverurteilung schützt. Momentan ist das schwer vorstellbar. Ganz
Österreich hält Elsner für den Bawag-Haupttäter und einen
Schwerstverbrecher. Das ist verständlich angesichts seiner
Verhaltensweise.
Doch ist es auch gerecht? Denn Elsner allein kann es nicht gewesen
sein.
Hinter den Bawag-Spekulationen muss ein ganzes System gestanden haben
- und dieses hat schon vor Elsners Wirken an der Bawag-Spitze
bestanden. Dazu waren Unfähigkeit im Spiel, wirtschaftliche Naivität,
politische Schützenhilfe, also auch Tatbestände, die gerichtlich gar
nicht verfolgt werden können.
Im Kriminalstück Bawag agieren neben den an einer Hand abzuzählenden
Hauptpersonen unzählige Randfiguren, darunter ehemalige
Bundeskanzler, Parteiobleute, auch der Volkspartei (Taus), ein
SPÖ-Flügel in der Notenbank (der 1994 erste Ermittlungen unterbunden
hat), eine Bankengouverneurin, Arbeiterkämmerer, unfähige
Bankenaufseher.
Sie alle eint der Wunsch, dass Elsner Schmalz abbekommt und dazu die
ganze Aufmerksamkeit gleich mit. Je mehr Licht auf ihn als möglichen
Haupttäter fällt, umso größer wird der Schatten, in dem sie sich
verkriechen können.
Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401 od. 434
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PON






