PhysiotherapeutInnen warnen: Pflegebedürftige dürfen nicht "ins Bett gepflegt" werden

Wien (OTS) - Pflegebedürftige können oft durch therapeutische Maßnahmen eine deutlich höhere Selbstständigkeit und damit Lebensqualität erlangen. Physio Austria-Präsidentin Silvia Mériaux-Kratochvila fordert daher einen "physiotherapeutischen Basisbefund" für jährlich rund 50.000 neue Pflegefälle.

Es ist eine typische Alltagssituation im Leben Pflegebedürftiger:
Sie wollen es (wieder einmal) versuchen, selbst aufs Klo zu gehen oder selbst die Tasse in die Hand zu nehmen, um zu trinken. Aber der/die BetreuerIn sagt: "Nein, das geht nicht, das ist zu gefährlich".

Irgendwann ist dann die Ambition auf einen Rest Intimsphäre und Selbstständigkeit so zermürbt, sind die Muskeln so sehr abgebaut, dass es wirklich nicht mehr geht.

Das muss nicht sein. Mit gezielten physiotherapeutischen Maßnahmen lassen sich Bewegungsfähigkeit und Aktivität von Pflegebedürftigen meist entscheidend verbessern. Der Erfolg hängt dabei wesentlich von einem frühzeitigen Einsatz der Therapie ab. Physio Austria-Präsidentin Silvia Mériaux-Kratochvila fordert daher, dass alle neuen PflegegeldbezieherInnen einen Anspruch auf einen physiotherapeutischen Basisbefund haben sollen.

In drei bis fünf Therapieeinheiten könnte - vorausgesetzt die PatientInnen sind damit einverstanden - festgestellt werden, ob und wie weit die Mobilität der PatientInnen verbessert werden kann. Gleichzeitig könnten BetreuerInnen und Angehörige in einigen Grundregeln der Pflegebetreuung eingeschult werden.

Viele nicht ausgebildete BetreuerInnen meinen es zwar gut mit ihren Pfleglingen, machen dabei aber grundlegende, mitunter folgenschwere Fehler. Pflegebedürftige werden beim Essen nicht aufgesetzt (Erstickungsgefahr), oder einfach an den Armen hochgezogen (Verletzungsgefahr). Oder sie achten nicht darauf, dass sie sich beim Aufstehen nach vorne beugen (Sturzgefahr). Die Folgen können langwierige Spitalsaufenthalte und/oder ein noch höherer Pflegebedarf sein.

Vorsorge, die sich rechnet

Werden solche Fehler vermieden und die Mobilität (sprich:
Selbstständigkeit) von Pflegebedürftigen verbessert, steigert das nicht nur das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität der Betroffenen, sondern es macht sich auch wirtschaftlich bezahlt. Denn der jeweilige Pflegebedarf steht in direktem Zusammenhang mit der Mobilität der PatientInnen. Höhere Selbstständigkeit bedeutet auch weniger Betreuungsbedarf.

Bei durchschnittlich 55.000 "neuen" Pflegebedürftigen pro Jahr (lt. Sozialministerium wurden im Jahr 2005 55.357 Erstanträge auf Pflegegeld gestellt, von Jänner bis November 2006 waren es 50.960) würden sich die Kosten für eine flächendeckende physiotherapeutische Basis-Befunderhebung auf rund drei Mio. Euro belaufen.

Wenn in jedem vierten Pflegefall, unabhängig von jedweder medizinisch-pflegerischen Versorgung, auch ein paar Stunden Betreuung pro Woche erübrigt werden können, ist der physiotherapeutische Basisbefund schon rentabel. Einsparungen durch weniger Spitalsaufenthalte oder geringere Steigerungen bei den Pflegegeldstufen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Positive Signale in diese Richtung setzt zum Beispiel die Wiener Gebietskrankenkassa, die seit rund einem Jahr Hausbesuche durch PhysiotherapeutInnen fördert.

Der Anspruch auf soziale Gesundheit

Unabhängig von allen ökonomischen Überlegungen entspricht die Forderung nach einem generellen physiotherapeutischen Basisbefund für Pflegebedürftige auch den Richtlinien der WHO. Laut ICF-Richtlinie ("Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit") ist die "aktive Teilnahme am Sozialleben" ein deklariertes Behandlungsziel.

"Dazu ist ein Mindestmaß an Selbstständigkeit notwendig. Und dieses ist durch gezielte Physiotherapie zu erreichen", so Physio Austria-Präsidentin Silvia Mériaux-Kratochvila.

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