• 08.02.2007, 10:30:41
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Johanniter gegen weitere Zivildienstverkürzung

Wien (OTS) - Die Befürworter einer neuerlichen Verkürzung des
Zivildienstes haben aus den Anfang 2005 vorgelegten Ergebnissen der
Zivildienstreformdiskussion offenbar nichts mitgenommen:

"Zivis" werden in Österreich meist bei der Arbeit für
hilfsbedürftige Menschen eingesetzt. Die soziale Arbeit für Menschen
ist mit Verantwortung verbunden und bedarf im Interesse der Betreuten
und der Zivildiener selbst je nach Einrichtung einer längeren
Schulung und Vorbereitung. So dauert die Ausbildung von Zivildienern
im Rettungsdienst 2,5 Monate. Der Präsident der
Johanniter-Unfall-Hilfe, DI. Johannes Bucher, stellt besorgt fest:
"Bei einer weiteren Verkürzung des Zivildienstes unter 9 Monate ist
die Verwendung von Zivildienern nicht mehr sinnvoll möglich, da die
lange Ausbildung in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zur
Einsatzdauer steht." Viele Zivildienstträger müssten bei einer
weiteren Verkürzung des Zivildienstes auf den Einsatz von
Zivildienern gänzlich verzichten. De facto bedeutet eine weitere
Reduktion der Zivildienstdauer also die weitgehende Abschaffung des
Zivildienstes in Österreich, was nicht Ziel des
Regierungsübereinkommens ist.

Man tut damit auch Zivildienern selbst nicht Gutes: Zivis würden
in der kurzen Einsatzzeit nur mehr mit unqualifizierten Tätigkeiten
befasst. Sie würden keine Ausbildungen mehr absolvieren können, die
für das spätere Leben und den Beruf von Interesse sind und müssten
mangels geeigneter Zivildienstplätze auch lange auf die Ableistung
warten. Während Zivildienst und Zivildiener heute in der Gesellschaft
gut anerkannt sind, würde sich die Einstellung junger Menschen und
der Gesellschaft rasch ändern. Die Leistung nur mehr einfachster
Hilfsarbeiten und die nicht ausreichende Auslastung im Vergleich zum
Wehrdienst würden bald zur Ablehnung des Zivildienstes führen. Ob
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Kalina auch künftig über Zivildiener
feststellen können wird, "dass es sich dabei nicht um Drückeberger
handelt, sondern dass das Leute sind, die eine ganz, ganz wesentliche
gesellschaftliche Aufgabe übernehmen", ist zu bezweifeln.

Auch fehlt die Antwort, wie die zusätzlichen Lohnkosten finanziert
werden sollen, wenn Zivildiener durch bezahlte Kräfte ersetzt werden
müssen. Bund, Länder und Sozialversicherungen lehnten bisher schon
die durch die 2006 erfolgte Zivildienstverkürzung entstandenen
Mehrkosten an Ausbildung und durch Reduktion von Personalressourcen
kategorisch ab. Auch wenn sich derzeit mehr junge Männer zum
Zivildienst melden, wird sich der ab 2006 eingetretene Mangel an
Zivildienerressourcen 2007 noch verstärken. Ohne zusätzliche
Finanzmittel für Zivildienstträger zur Bezahlung von Personalkosten
werden Leistungskürzungen unvermeidbar sein, so
Johanniter-Geschäftsführer Dr. Robert Brandstetter.

Rückfragehinweis:

Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich
   Dr. Robert Brandstetter
   1180 Wien, Herbeckstraße 39
   Tel.: 01/470 70 30/3910  
   Mobil: 0676/83 112 810
   mailto:[email protected]
   www. johanniter.at

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