"Kleine Zeitung" Kommentar: "Strache hat überall angestreift und war jetzt nirgends dabei?" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 30.01.2007

Graz (OTS) - So viel Eifer ist verräterisch. Eine geschlagene Stunde lang hat sich Heinz-Christian Strache, der davor wochenlang beim Thema nur herumgeeiert und im Kern skandalös geschwiegen hat, gestern zu seiner auf Fotos zweideutig erkennbaren Vergangenheit erklärt. Passagen wie "Ich war nie ein Neonazi" oder "Ich bin zu erfolgreich, man will mich wegputschen" hat er so oft wiederholt, dass auch hartgesottene Zuhörer beim streckenweise direkt hysterisch, mit schriller Stimme vorgetragenen Monolog ihre Augen verdreht haben.

Zusammengefasst: Er sei der Liebhaber der Tochter des Altnazis Norbert Burger gewesen und deshalb mit Burgers nicht minder fragwürdigen Gesellen in Kontakt gekommen. Strache entschuldigt sich heute, er sei "jung und suchend" gewesen, schmückt sich im selben Atemzug mit der Vokabel, "vielleicht auch ein wilder Hund" gewesen zu sein, der "von soldatischen Tugenden fasziniert", gelegentlich auch "im Wald gespielt" habe - was Fotos belegen, die ihn in fragwürdiger, militärisch anmutender Kluft und zweideutigen Posen zeigen.

Mit dieser Vergangenheit will Strache freilich längst gebrochen haben. Auch zu inzwischen amtsbekannt mit NS-Wiederbetätigung und Verbotsgesetz in Konflikt geratenen "Jugendbekanntschaften" habe er längst einen klaren Trennungsstrich gezogen.

Lacht da jemand? Straches Reaktion und Erklärung, dass er ein lupenreiner Demokrat sei, ist doch kein Wunder. Damit will der Rechtspopulist, der zuletzt mit fremdenfeindlichen Slogans wie "Daham statt Islam" auf Wählerfang war, politisch überleben und eventuell aufmerksam gewordene Staatsanwälte besänftigen. Zwischen den Zeilen und vielen Worten, die Strache sorgsam abgewogen hatte, klingen für potenzielle Wähler aus dem rechtsextremen Eck genug Signale an: Etwa, wenn Strache seine Teilnahme an ewiggestrigen Sonnwendfeiern verteidigt. Oder wenn er seine "Pflicht" betont, "allen Opfern" der Kriege auch in Zukunft durch Teilnahme an noch so anrüchigen Veranstaltungen gedenken zu wollen.

Wer Strache gestern zugehört hat, kommt zu einer schlichten wie tristen Erkenntnis. Obwohl der FPÖ-Chef, freilich in seinen jungen Jahren und nur als "wilder Hund", an vielen Ewig-Gestrigen, extremistischen Alt- und Neonazis mehr als nur angestreift ist, will er deren üblen Geruch nie bemerkt haben. So verhalten sich alle waschechten Opportunisten: Wenn es nicht mehr vorteilhaft ist, passen sie sich der neuen Lage an, will dieser Typ "Wendehals" nirgends dabei gewesen sein.****

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