"trend": Waldreserven falsch berechnet

Holzexperten stellen Biomassepläne in Frage

Wien (OTS) - Der deutsche Holzwissenschaftler Udo Mantau,
Professor der Universität Hamburg, warnt in der kommenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend" vor einer Übernutzung der Waldreserven im Zuge des anhaltenden Biomassebooms: "Eines der Hauptprobleme besteht darin, dass Vorratsmeter mit dem registrierten Einschlag verglichen werden. Das europäische Umweltamt (EEA) hat kürzlich einen Bericht vorgelegt, der aufgrund dieses Irrtums das noch nutzbare Potenzial völlig überschätzt. Das ist katastrophal für die Industrie und den Wald - so viel Holz haben wir einfach nicht". In den offiziellen Statistiken zur Waldnutzung fehlten europaweit vor allem die Nutzung durch Kleinwaldbesitzer. "Wir hatten nach eigenen Verbrauchsuntersuchungen festgestellt, dass in Deutschland 2005 über zwanzig Prozent mehr eingeschlagen wurde, als offiziell erfasst. In Österreich dürfte der Effekt ähnlich sein, da der ländliche Raum hier noch einen höheren Anteil hat," sagt Mantau.
Das korreliert mit einer Studie des österreichischen WWF, der erst im Oktober 2006 in einer Studie aufdeckte, "dass ein Biomassepotential von über 4 Millionen Festmeter bereits genutzt wird, ohne dass seine Herkunft erfasst wird". Geringere Reserven im Wald bringen allerdings auch die Pläne der Bundesregierung in Gefahr, die Biomassenutzung bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Mantau: "Klar ist nun auch ein hohes politisches Interesse im Spiel, die Zahlen hoch zu jubeln. Das ist gefährlich für Wald, Waldbesitzer und Holzindustrie. Auch fehlen klare Aussagen darüber wie viel des heute verbleibenden Holzes dem Wald entnommen werden kann, zumal die Nährstoffe überwiegend in Ästen und Nadeln gespeichert sind". Mehr als fraglich ist es daher, so der "trend", ob die eben angelaufene Mobilisierungsaktion der Forstindustrie für Kleinwaldbesitzer tatsächlich etwas bringen kann. Bestenfalls, so zeigt eine weitere Studie des Grazer Universitätsprofessors Josef Scheff, ließen sich zusätzlich noch 1,3 Millionen Festmeter aus den heimischen Wäldern bringen, ohne die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung zu gefährden - wenn überhaupt. Scheff: "Die derzeit zu Verfügung gestellten Ressourcen lassen eine Umsetzung der Mobilisierungsprojekte in großem Stil nicht zu, und das, obwohl die Akteure genügend motiviert wären." Tatsächlich allerdings sieht der Dachverband Forst-Holz-Papier alleine für die energetische Nutzung von Holz einen Bedarf von zusätzlich fünf Millionen Festmetern bis zum Jahr 2010.
Dass - wegen der energetischen Nutzung und wegen eingebrochener Importe - die Versorgungsbilanz mit dem Öko-Rohstoff Holz vor allem für die Papier- und Zellstoffindustrie tatsächlich am Kippen ist, beweisen jedenfalls die anhaltend steigenden Preise am Holzmarkt, schreibt der "trend" und zitiert den Chef der Zellstoffwerke Pöls, Alfred Heinzel: "Es ist bis jetzt einfach nicht genug Holz für uns am Markt aufzutreiben - wir importieren Holz aus Schweden, nur damit unser Werkl nicht steht". Die Papierindustrie klagt, dass vor allem die hohe Ökostromförderung für Biomassekraftwerksbesitzer denn Marktpreis verzerre und hat in der "Pölser Resolution" eine Gleichbehandlung der energetischen und stofflichen Verwertung des Holzes im Hinblick auf Förderungen gefordert.

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