• 29.01.2007, 14:06:26
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"trend": Waldreserven falsch berechnet

Holzexperten stellen Biomassepläne in Frage

Wien (OTS) - Der deutsche Holzwissenschaftler Udo Mantau,
Professor der Universität Hamburg, warnt in der kommenden Ausgabe des
Wirtschaftsmagazins "trend" vor einer Übernutzung der Waldreserven im
Zuge des anhaltenden Biomassebooms: "Eines der Hauptprobleme besteht
darin, dass Vorratsmeter mit dem registrierten Einschlag verglichen
werden. Das europäische Umweltamt (EEA) hat kürzlich einen Bericht
vorgelegt, der aufgrund dieses Irrtums das noch nutzbare Potenzial
völlig überschätzt. Das ist katastrophal für die Industrie und den
Wald - so viel Holz haben wir einfach nicht". In den offiziellen
Statistiken zur Waldnutzung fehlten europaweit vor allem die Nutzung
durch Kleinwaldbesitzer. "Wir hatten nach eigenen
Verbrauchsuntersuchungen festgestellt, dass in Deutschland 2005 über
zwanzig Prozent mehr eingeschlagen wurde, als offiziell erfasst. In
Österreich dürfte der Effekt ähnlich sein, da der ländliche Raum hier
noch einen höheren Anteil hat," sagt Mantau.
Das korreliert mit einer Studie des österreichischen WWF, der erst
im Oktober 2006 in einer Studie aufdeckte, "dass ein
Biomassepotential von über 4 Millionen Festmeter bereits genutzt
wird, ohne dass seine Herkunft erfasst wird". Geringere Reserven im
Wald bringen allerdings auch die Pläne der Bundesregierung in Gefahr,
die Biomassenutzung bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Mantau: "Klar
ist nun auch ein hohes politisches Interesse im Spiel, die Zahlen
hoch zu jubeln. Das ist gefährlich für Wald, Waldbesitzer und
Holzindustrie. Auch fehlen klare Aussagen darüber wie viel des heute
verbleibenden Holzes dem Wald entnommen werden kann, zumal die
Nährstoffe überwiegend in Ästen und Nadeln gespeichert sind".
Mehr als fraglich ist es daher, so der "trend", ob die eben
angelaufene Mobilisierungsaktion der Forstindustrie für
Kleinwaldbesitzer tatsächlich etwas bringen kann. Bestenfalls, so
zeigt eine weitere Studie des Grazer Universitätsprofessors Josef
Scheff, ließen sich zusätzlich noch 1,3 Millionen Festmeter aus den
heimischen Wäldern bringen, ohne die Nachhaltigkeit der
Bewirtschaftung zu gefährden - wenn überhaupt. Scheff: "Die derzeit
zu Verfügung gestellten Ressourcen lassen eine Umsetzung der
Mobilisierungsprojekte in großem Stil nicht zu, und das, obwohl die
Akteure genügend motiviert wären." Tatsächlich allerdings sieht der
Dachverband Forst-Holz-Papier alleine für die energetische Nutzung
von Holz einen Bedarf von zusätzlich fünf Millionen Festmetern bis
zum Jahr 2010.
Dass - wegen der energetischen Nutzung und wegen eingebrochener
Importe - die Versorgungsbilanz mit dem Öko-Rohstoff Holz vor allem
für die Papier- und Zellstoffindustrie tatsächlich am Kippen ist,
beweisen jedenfalls die anhaltend steigenden Preise am Holzmarkt,
schreibt der "trend" und zitiert den Chef der Zellstoffwerke Pöls,
Alfred Heinzel: "Es ist bis jetzt einfach nicht genug Holz für uns am
Markt aufzutreiben - wir importieren Holz aus Schweden, nur damit
unser Werkl nicht steht". Die Papierindustrie klagt, dass vor allem
die hohe Ökostromförderung für Biomassekraftwerksbesitzer denn
Marktpreis verzerre und hat in der "Pölser Resolution" eine
Gleichbehandlung der energetischen und stofflichen Verwertung des
Holzes im Hinblick auf Förderungen gefordert.

Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402

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