ÖAMTC: Schaulustige bei Unfällen - Psychologische Hintergründe, rechtliche Konsequenzen

Tipps der Verkehrspsychologin des Clubs

Wien (OTS) - Einmal mehr konnte der ÖAMTC heute, Montag, nach
einem Unfall auf der A10 ein häufig auftretendes Phänomen beobachten:
Obwohl nach einem Unfall - ein Lkw war im Straßengraben gelandet -alle Spuren ungehindert befahrbar blieben, kam es zu weitläufigem Stauaufkommen durch Neugierige. "Aus psychologischer Sicht ist Schaulust zwar durchaus erklärbar", meint dazu ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa, "Allerdings kann falsches Verhalten gefährliche Folgen und auch rechtliche Konsequenzen haben." Donosa hat typische Szenarien zusammengestellt.

Gesteigerte Aufmerksamkeit der Autofahrer beim Passieren einer Unfallstelle stellt zwar prinzipiell eine natürliche Reaktion dar, wird aber auf Autobahnen bei Unfällen auf der Gegenfahrbahn zur Ablenkung. Das Fahrverhalten ändert sich, Staus und gefährliche Situationen bis hin zum Folgeunfall können entstehen. Radiostationen in Deutschland versuchen Schaulustige mit Durchsagen wie: "Stau durch Unfallgaffer" zu stigmatisieren und so das Stauaufkommen einzudämmen. Die Verkehrspsychologin empfiehlt den Autofahrern, sich nicht ablenken zu lassen und die Konzentration auf die eigene Fahrtrichtung zu fokussieren.

Ein weiteres Problem stellt die Behinderung von Hilfskräften dar. Dabei geht es nicht nur um Erschwernisse beim Transport von Verletzten. "Schaulustige werden sowohl von Unfallopfern, als auch von Helfern als störend empfunden. Der Stresspegel wird in einer ohnehin angespannten Situation für Ersthelfer und Einsatzkräfte noch zusätzlich erhöht", erklärt Donosa. Kann man keinen Beitrag zur Hilfeleistung beisteuern, sollte man die Unfallstelle unverzüglich verlassen.

Eine weitere Verschärfung erfahren Unfallsituationen durch ein paradoxes Phänomen: Je mehr Schaulustige anwesend, desto geringer der Wille zur wirklichen Hilfeleistung. "Die Verantwortlichkeit kann bei vielen Personen leichter von sich weg geschoben werden", so Donosa. Als absolute Respektlosigkeit sind in diesen Situationen "Schnappschüsse" mit dem Handy zu werten.

"Schnappschüsse" von Unfallsituationen beschäftigen auch die ÖAMTC-Rechtsabteilung. Insbesondere Fotoaufnahmen sogenannter Leserredakteure werden zunehmend in Zeitungen und Magazinen publiziert. "Das Fotografieren von Unfällen sowie die Weitergabe solcher Fotos kann einen unzulässigen Eingriff in das gesetzlich geschützte Persönlichkeitsrecht sowie die Privatssphäre von Verunfallten darstellen und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen", warnt die Rechtsabteilung des Clubs.

(Schluss)
Alfred Obermayr

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