"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Schreck-Tage" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 29.01.2007

Wien (OTS) - Eine Schrecksekunde kann man das nicht gerade nennen:
FPÖ-Chef Heinz Christian Strache braucht Tage, um sich eine Erklärung zum Nationalsozialismus abzuringen.
Die Schreck-Tage nach der Veröffentlichung zweideutiger Fotos sind verständlich. Strache sitzt zwischen zwei Sesseln.
Distanziert er sich von den Neonazis, so brüskiert er die Ewig-Gestrigen in seiner Partei. Die könnten sich gleich doppelt rächen: Erstens, indem sie ihn nicht mehr wählen. Und zweitens durch die Veröffentlichung von Fotos, die womöglich noch ganz andere Szenen zeigen als einen Gruß, wie er auch unter Neonazis üblich ist. Distanziert sich Strache aber nicht, so stellt er sich außerhalb des Verfassungsbogens, wie Andreas Khol einmal gesagt hat. Wolfgang Schüssel hat das bei Jörg Haider nicht weiter gestört. Ohne den Ex-Kanzler an der Spitze würde die ÖVP aber vermutlich - nein:
hoffentlich - genug Anstand haben, sich glaubwürdig von der Strache-FPÖ abzugrenzen.
Damit würde aber auch der anderswo übliche und wünschenswerte Wechsel zwischen konservativ-liberalen Rechts- und rot-grünen Links-Regierungen unmöglich. Parteiführer wie Heinz Christian Strache stehen damit leider nicht nur sich selbst, sondern auch einer lebendigen Demokratie im Wege.

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