• 23.01.2007, 10:09:43
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Gusenbauer: Aktives intellektuelles Leben ist Grundlage für funktionierende Demokratie

Kreisky-Preis an Corinna Milborn, Raimund Löw, Marta S. Halpert und Margit Reiter

Wien (SK) - "Der Bruno-Kreisky-Preis ist ein Markstein für die
intellektuelle Arbeit, die in Österreich geleistet wird", betonte
SPÖ-Vorsitzender, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Montag im Rahmen
seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen Vergabe der Anerkennungspreise
des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch 2006. Die
Auszeichnungen erhielten heuer Marta S. Halpert für das Buch
"Gegangen und geblieben. Ungarn 1956. Lebensläufe nach dem
ungarischen Volksaufstand", Raimund Löw für das Buch "Die Fantasie
und die Macht. 1968 und danach", Corinna Milborn für "Gestürmte
Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das
Schwarzbuch" und Margit Reiter für "Die Generation danach. Der
Nationalsozialismus im Familiengedächtnis". "Ein aktives
intellektuelles Leben stellt die Grundlage für eine funktionierende
Demokratie dar", so Gusenbauer weiter. Er sei deshalb der Meinung, es
tue auch politischen Entscheidungsträgern gut, sich in ihrer Lektüre
nicht nur auf das Aktenstudium zu beschränken. ****

Welchen Stellenwert der Bruno-Kreisky-Preis für das politische
Buch mittlerweile habe, zeige sich auch darin, dass renommierte
Verlage wie beispielsweise der Suhrkamp-Verlag in Anzeigen darauf
hinweise, wenn ein Werk diese Auszeichnung erhalten habe. Für die
Jury bringe dieser Bedeutungszuwachs eine entsprechende Verantwortung
mit sich, "weil wir das Niveau halten wollen und müssen". Dies sei
nicht leicht, jedes Jahr gebe es zahlreiche Bücher, die eine
Auszeichnung verdient hätten. Er selbst genieße es, so der
Bundeskanzler, innerhalb der hochkarätig besetzten Jury jedes Jahr
Leseerfahrungen auszutauschen und sich davon beeindrucken zu lassen,
wie viel Ausgezeichnetes publiziert werde. Der Begriff des
politischen Buches sei im Rahmen des Bruno-Kreisky-Preises kein
strikter. Man habe bisher nicht nur Sachbücher ausgezeichnet sondern
auch literarische Werke. Heuer jedoch habe man sich auf vier
Sachbücher mit historisch-politischem Schwerpunkt geeinigt, die für
das heutige gesellschaftliche Bewusstsein von großer Bedeutung sind.

Swoboda unterstreicht aktuellen Bezug der ausgezeichneten
Bücher

SPÖ-Europaabgeordneter Hannes Swoboda beschäftigte sich in seiner
Rede mit den Inhalten der ausgezeichneten Werke und deren aktuellen
Bezügen. Zu Milborns Buch sei anzumerken, dass sie sich mit einem der
"traurigsten Themen Europas beschäftigt". Er selbst teile ihre Kritik
an der mangelnden Integrationspolitik und an der Verschärfung der
Einwanderungsgesetze. Dieses Thema betreffe auch Österreich, so
Swoboda, und deshalb werde er alles tun, um die neue Justizministerin
Berger zu unterstützen, diese zu verbessern. Die EU könne nur
erfolgreich sein, wenn sie dafür Sorge trage, dass sich die
Lebensbedingungen in den Herkunftsländern der Einwanderer verbessern,
denn "mit so einer Politik werden Mauern und Stacheldraht
überflüssig, ohne diese werden Mauern und Stacheldraht nichts
helfen".

Marta Halpert sei es gelungen, in ihrem Buch das Schicksal von
Menschen aufzuzeigen, die sich in einer kritischen Phase, nicht nur
ihres Lebens sondern auch der Geschichte, entscheiden mussten. Der
Ungarn-Aufstand habe auf der einen Seite die Unfähigkeit des
Kommunismus gezeigt, mit Freiheit umzugehen, und andererseits auch
die Schwächen des Westens offenbart, angemessen mit solchen
Ereignissen umzugehen. Er selbst sei froh, dass heute zahlreiche
ehemalige kommunistische Staaten Mitglied der EU sind, "auch wenn das
viele Menschen noch immer nicht wahr haben wollen".

"Diese individuellen Familiengeschichten sind sehr aufschlussreich
für die Entwicklung Österreichs nach 1945", so der SPÖ-Politiker zum
Werk von Margit Reiter. Oftmals sei das Faktum der Mittäterschaft in
Österreich vom Opfermythos verdrängt worden. Reiter habe als
Ausgangspunkt das Gedächtnis von Familien gewählt und so sei es ihr
gelungen, den unterschiedlichen Umgang mit Vergangenheit
darzustellen.

Zu Raimund Löws Buch bemerkte Swoboda, dass 1968 für Österreich
von großer Bedeutung gewesen sei, auch wenn es hier "gemütlicher" als
anderswo zugegangen sei. Damals habe die Jugend rebelliert, und auch
heute protestiere sie und es gebe Spannungen zwischen den
Jugendorganisationen und der so genannten "Mutterpartei". Die SPÖ
müsse sich bemühen, dass, trotz aller Konflikte, die Kontakte
zwischen Jugend und Partei erhalten bleiben und überdies verstärkt
werden, denn "wir können auf die Jugend und ihre Meinungen für die
Zukunft nicht verzichten", so Swoboda abschließend. (Schluss) sw

Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

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