• 17.01.2007, 17:31:54
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 18. 01. 2007: Nationalrat: Die Wirtschaft kommt zu kurz - von Peter Muzik

Im Hohen Haus sitzen 34 Berufspolitiker, aber nur 17 Wirtschaftsexperten

Wien (OTS) - Wenn man die erlernten Berufe unserer Abgeordneten
analysiert, könnte man zur Schlussfolgerung gelangen, dass Österreich
ein Land der Beamten, Bauern, Lehrer und Juristen ist. Im Hohen Haus
sitzen derzeit nämlich nicht weniger als 15 Bundes-, Landes-,
Magistrats- oder Polizeibeamte, 15 Landwirte, 14 Pädagogen aller Art
und 12 Volksvertreter, die Anwälte oder gelernte Rechtsexperten sind.

Die allergrösste Gruppe sind freilich die 34 Abgeordneten, die den
Titel Berufspolitiker verdienen, also in ihrem ganzen Leben - so wie
Ex-Kanzler Schüssel oder SP-Klubobmann Josef Cap - kaum etwas anderes
gemacht haben als Politik. Das ist schlimm genug, es kommt aber noch
schlimmer: Österreichs Arbeitnehmer sollten im Grunde genommen durch
die lediglich 27 Nationalräte vertreten werden, deren
Berufsbezeichnung Angestellter lautet. Allerdings sind nur die
wenigsten von ihnen in "normalen" Arbeitsverhältnissen tätig - das
Gros besteht traditioneller Weise aus ÖGB-Granden wie Wilhelm
Haberzettl und Fritz Neugebauer, diversen Arbeiterkammer-Lakaien,
zumeist freigestellten Betriebsräten und etlichen
Partei-Angestellten. Sie alle verleihen dem Hohen Haus jenes Flair,
das sich zuletzt noch etwas verstärkt hat: als Treffpunkt von hoch
bezahlten, von den Parteien offenbar relativ wahllos ausgesuchten
Funktionären und Apparatschiks.

Die Annahme, dass die Volksvertreter auch nur halbwegs repräsentativ
für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes stehen, gilt weniger
denn je: Es ist zwar durchaus erfreulich, dass auch sechs
Professoren, fünf Journalisten, vier Studenten, zwei Hausfrauen, zwei
Pensionisten, eine Kindergärtnerin, eine ausgebildete
Psychotherapeutin oder ein Schauspieler (nämlich Franz Morak) mit von
der Partie sind - etliche Bevölkerungsgruppen werden aber nur
unzureichend bis gar nicht vertreten.

Zu kurz kommen etwa die Unternehmer im Parlament: Mit Nachsicht aller
Taxen haben wir derzeit 17 Abgeordnete, die von Wirtschaft halbwegs
einen Tau haben - darunter leider keinen einzigen prominenten
Unternehmer. Abgesehen von den Chef-Lobbyisten Karlheinz Kopf
(Wirtschaftsbund) und Reinhold Mitterlehner (WKÖ) finden sich diesmal
im Haus am Ring erneut zu wenige Profis vom Schlage eines Ferry Maier
(Raiffeisen) oder Michael Ikrath (Sparkassen). Die beiden
Unternehmerinnen Adelheid Fürntrath und Herta Mikesch werden es daher
verdammt schwer haben.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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