WirtschaftsBlatt Kommentar vom 18. 01. 2007: Nationalrat: Die Wirtschaft kommt zu kurz - von Peter Muzik

Im Hohen Haus sitzen 34 Berufspolitiker, aber nur 17 Wirtschaftsexperten

Wien (OTS) - Wenn man die erlernten Berufe unserer Abgeordneten analysiert, könnte man zur Schlussfolgerung gelangen, dass Österreich ein Land der Beamten, Bauern, Lehrer und Juristen ist. Im Hohen Haus sitzen derzeit nämlich nicht weniger als 15 Bundes-, Landes-, Magistrats- oder Polizeibeamte, 15 Landwirte, 14 Pädagogen aller Art und 12 Volksvertreter, die Anwälte oder gelernte Rechtsexperten sind.

Die allergrösste Gruppe sind freilich die 34 Abgeordneten, die den Titel Berufspolitiker verdienen, also in ihrem ganzen Leben - so wie Ex-Kanzler Schüssel oder SP-Klubobmann Josef Cap - kaum etwas anderes gemacht haben als Politik. Das ist schlimm genug, es kommt aber noch schlimmer: Österreichs Arbeitnehmer sollten im Grunde genommen durch die lediglich 27 Nationalräte vertreten werden, deren Berufsbezeichnung Angestellter lautet. Allerdings sind nur die wenigsten von ihnen in "normalen" Arbeitsverhältnissen tätig - das Gros besteht traditioneller Weise aus ÖGB-Granden wie Wilhelm Haberzettl und Fritz Neugebauer, diversen Arbeiterkammer-Lakaien, zumeist freigestellten Betriebsräten und etlichen Partei-Angestellten. Sie alle verleihen dem Hohen Haus jenes Flair, das sich zuletzt noch etwas verstärkt hat: als Treffpunkt von hoch bezahlten, von den Parteien offenbar relativ wahllos ausgesuchten Funktionären und Apparatschiks.

Die Annahme, dass die Volksvertreter auch nur halbwegs repräsentativ für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes stehen, gilt weniger denn je: Es ist zwar durchaus erfreulich, dass auch sechs Professoren, fünf Journalisten, vier Studenten, zwei Hausfrauen, zwei Pensionisten, eine Kindergärtnerin, eine ausgebildete Psychotherapeutin oder ein Schauspieler (nämlich Franz Morak) mit von der Partie sind - etliche Bevölkerungsgruppen werden aber nur unzureichend bis gar nicht vertreten.

Zu kurz kommen etwa die Unternehmer im Parlament: Mit Nachsicht aller Taxen haben wir derzeit 17 Abgeordnete, die von Wirtschaft halbwegs einen Tau haben - darunter leider keinen einzigen prominenten Unternehmer. Abgesehen von den Chef-Lobbyisten Karlheinz Kopf (Wirtschaftsbund) und Reinhold Mitterlehner (WKÖ) finden sich diesmal im Haus am Ring erneut zu wenige Profis vom Schlage eines Ferry Maier (Raiffeisen) oder Michael Ikrath (Sparkassen). Die beiden Unternehmerinnen Adelheid Fürntrath und Herta Mikesch werden es daher verdammt schwer haben.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001