"Kleine Zeitung" Kommentar: "Hunde sind natürlich leichter zu pflegen als eine Kinderschar" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 16.01.2007

Graz (OTS) - Einen schlechteren Start hätte sich Andrea Kdolsky
als Familienministerin nicht vorstellen können. Zweifelsohne hat sie Recht, wenn sie erklärt, dass Scheidungen bei Kinderlosigkeit leichter sind als mit Kindern. Und es ist nicht nur für Kinderlose, sondern auch für Frauen mit Kindern nachvollziehbar, dass ihr ein schreiendes Kind das Essen in einem Nobellokal vermiesen kann. Ebenso, dass Hunde pflegeleichter als eine Kinderschar sind.

Der Umstand, Kinder zu haben, kann keine Qualifikation für ein Amt sein. Ebenso wie Kinderlosigkeit noch nicht qualifiziert, für Singles oder kinderlose Paare zu sprechen oder selbst siebenfache Mutterschaft kein Garant für eine kompetente Familienministerin ist. Wesentlich sind Kompetenz, aber auch Verständnis für das Lebensgefühl der Familien.

Bezeichnend ist die Bestellung der neuen Ministerin dennoch. Vor allem aber ist die Koppelung des Familienministeriums mit dem Gesundheitsministerium demaskierend für die ÖVP. Deutlicher hätte sie nicht ausdrücken können, welcher Wert den Familien beigemessen wird. Wer die Milliarden-Baustelle des Gesundheitsministeriums kennt, weiß, wie viel Zeit die Ministerin für die Familien haben wird. Die logische Ressortverteilung wäre die Koppelung mit dem Frauenministerium gewesen. Was an der Farbenlehre - rotes Frauenministerium - scheiterte.

Österreichs Familien hätten sich ein starkes Familienministerium verdient. Die Aufgabe von Kdolsky müsste nun sein, folgendes klarzumachen: Dass sich Familien mit Kindern zu Recht als Modernisierungsverlierer fühlen, dass die Benachteiligung der Eltern in den sozialen Sicherungssystemen beendet werden muss. Dass wir davon ausgehen können, einmal nicht von Aktiendepots gepflegt zu werden. Dass wir Kinder brauchen und dass es ein Fehler gewesen ist, mit scheinliberaler Attitüde eine zunehmend kindervergessene Welt als unabwendbar hinzunehmen. Kinder mögen eine private Entscheidung sein. Das Private ist aber beeinflussbar -durch eine exzellente Infrastruktur für Kinder. Auch davon, welches Sozialprestige Familien haben.

Es sind aber nicht nur die Familien, es ist die Gesellschaft, die schon aus Eigeninteresse eine kämpferische Politik für Kinder & Eltern bräuchte, eine Politik, die ohne Mutterkreuzdenken Mut zu Kindern macht.

Die Familie dem Gesundheitsministerium anzuhängen ist ein Skandal. Der noch größere ist, dass dieser Skandal nicht einmal wahrgenommen wird. Andrea Kdolsky hat viel zu tun. ****

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