• 15.01.2007, 19:48:29
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Hunde sind natürlich leichter zu pflegen als eine Kinderschar" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 16.01.2007

Graz (OTS) - Einen schlechteren Start hätte sich Andrea Kdolsky
als Familienministerin nicht vorstellen können. Zweifelsohne hat sie
Recht, wenn sie erklärt, dass Scheidungen bei Kinderlosigkeit
leichter sind als mit Kindern. Und es ist nicht nur für Kinderlose,
sondern auch für Frauen mit Kindern nachvollziehbar, dass ihr ein
schreiendes Kind das Essen in einem Nobellokal vermiesen kann.
Ebenso, dass Hunde pflegeleichter als eine Kinderschar sind.

Der Umstand, Kinder zu haben, kann keine Qualifikation für ein Amt
sein. Ebenso wie Kinderlosigkeit noch nicht qualifiziert, für Singles
oder kinderlose Paare zu sprechen oder selbst siebenfache
Mutterschaft kein Garant für eine kompetente Familienministerin ist.
Wesentlich sind Kompetenz, aber auch Verständnis für das Lebensgefühl
der Familien.

Bezeichnend ist die Bestellung der neuen Ministerin dennoch. Vor
allem aber ist die Koppelung des Familienministeriums mit dem
Gesundheitsministerium demaskierend für die ÖVP. Deutlicher hätte sie
nicht ausdrücken können, welcher Wert den Familien beigemessen wird.
Wer die Milliarden-Baustelle des Gesundheitsministeriums kennt, weiß,
wie viel Zeit die Ministerin für die Familien haben wird. Die
logische Ressortverteilung wäre die Koppelung mit dem
Frauenministerium gewesen. Was an der Farbenlehre - rotes
Frauenministerium - scheiterte.

Österreichs Familien hätten sich ein starkes Familienministerium
verdient. Die Aufgabe von Kdolsky müsste nun sein, folgendes
klarzumachen: Dass sich Familien mit Kindern zu Recht als
Modernisierungsverlierer fühlen, dass die Benachteiligung der Eltern
in den sozialen Sicherungssystemen beendet werden muss. Dass wir
davon ausgehen können, einmal nicht von Aktiendepots gepflegt zu
werden. Dass wir Kinder brauchen und dass es ein Fehler gewesen ist,
mit scheinliberaler Attitüde eine zunehmend kindervergessene Welt als
unabwendbar hinzunehmen. Kinder mögen eine private Entscheidung sein.
Das Private ist aber beeinflussbar -durch eine exzellente
Infrastruktur für Kinder. Auch davon, welches Sozialprestige Familien
haben.

Es sind aber nicht nur die Familien, es ist die Gesellschaft, die
schon aus Eigeninteresse eine kämpferische Politik für Kinder &
Eltern bräuchte, eine Politik, die ohne Mutterkreuzdenken Mut zu
Kindern macht.

Die Familie dem Gesundheitsministerium anzuhängen ist ein Skandal.
Der noch größere ist, dass dieser Skandal nicht einmal wahrgenommen
wird. Andrea Kdolsky hat viel zu tun. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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