Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Zurück zur Vergangenheit

Wien (OTS) - Es wäre eine sensationelle Herkules-Leistung, könnte Österreich 60 Jahre Aufschwung weiter fortsetzen. Denn in keinem einzigen Land der Welt wiesen ja alle wichtigen Parameter so lang so kontinuierlich nach oben wie in Österreich. Zuletzt tun sie das sogar wieder besonders deutlich.

Dieser lange Zeitraum lässt viele glauben, dass das automatisch und ohne besondere Anstrengung so weitergehen wird. Bei uns erregen sich deshalb die meisten Kommentatoren über Studiengebühren (die gleichzeitig weltweit zur Norm werden) und andere Leistungszwänge statt etwa über die unrealistischen rotgrünen Wahlkampf-Versprechungen.

Die drei Kleinparteien kann man nach den letzten Tagen vergessen:
Sie haben sich als weder zukunftsweisend noch politisch konsistent erwiesen.

In der SPÖ wagt es Alfred Gusenbauer zumindest, das Wort Leistung in den Mund zu nehmen und nicht jeden linken Personaltraum zu erfüllen. Er wird deswegen prompt von radikal-populistischen Retro-Ideologen attackiert, die mit kommunistischen Sprüchen demonstrieren ("Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten"). Gusenbauer ist aber offenbar ein Einzelkämpfer. Selbst von seinem Klubobmann wird er nicht voll unterstützt.

Von Deutschland bis Großbritannien hat in der Sozialdemokratie in den letzten Jahren ein Richtungskampf getobt, der an die hundert Jahre alte Trennung von den Kommunisten erinnert. Dort hat nun mit Blair/Brown und dem späten Schröder die Zukunft gewonnen, also eine Sozialdemokratie mit Leistung, Wettbewerb, Sparsamkeit; in Österreich gibt hingegen vorerst noch die Sozialdemokratie des leistungsfreien Grundeinkommens den Ton an.

Genauso historisch ist die Auseinandersetzung in der ÖVP. Dort haben jetzt Steinzeit-Truppen um ÖAAB und Andreas Khol einen absolut selbstbeschädigenden Sieg errungen. Denn wer mit dem noch dazu populären Karl-Heinz Grasser die neben Wolfgang Schüssel zweite entscheidende Reformfigur bewusst hinausbeißt, der will wohl die ÖVP in eine dumpfe Beamten-Bauern-Retro-Mannschaft verwandeln.
Damit verlässt wieder einer der besten Köpfe des Landes die Politik und kehrt nicht mehr zurück. So wenig wie eine Brigitte Ederer, ein Wolfgang Ruttenstorfer oder ein Claus Raidl.

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