• 08.01.2007, 20:43:44
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Die Wende der Wende bleibt aus

OÖN-Leitartikel von Gerald Mandlbauer

Linz (OTS) - Als jener Supermann, der Wolfgang Schüssel das Amt
des Kanzlers entrissen hat, als derjenige, der den fälligen
Politikwechsel einläuten wird, der Korrekturen an der Gräuelpolitik
der letzten sechs Jahre vornehmen wird, der Armen gibt und Reichen
nimmt, der dazu die Steuerpolitik ändert, der Studiengebühren
abschafft und den Eurofighter-Kauf stoppt, als ein richtiger Hero der
Sozialdemokratie also, hätte Alfred Gusenbauer am Donnerstag angelobt
werden sollen. Doch schon vor der Amtseinführung ist der Rausch
vorbei: Der Preis für das Kanzleramt ist aus Sicht vieler
Sozialdemokraten zu hoch, die Volkspartei hat die Wahlen verloren und
die darauf folgenden Verhandlungen gewonnen.
Statt uns darüber zu unterhalten, ob die neue Koalition ambitioniert
genug antritt, ob sie große Würfe plant, (auf beide Fragen ein
klares "Nein") hat gestern eine Debatte darüber eingesetzt, ob Alfred
Gusenbauer für das Amt seine Partei verkauft hat. In den
Sekretariaten der SPÖ zogen es die Funktionäre vor, zu schweigen.
Kanzler-Jubel hört sich anders an.
Die Volkspartei besetzt die vier Schlüsselministerien Finanzen,
Äußeres, Inneres, Arbeit und Wirtschaft, niemand wird bestreiten
können, dass sie in den Verhandlungen des Maximum herausgeholt hat.
Von Gusenbauers Ankündigung einer Wende der Wende wird nichts
vollzogen. Die SPÖ zahlt den Preis für eine übertriebene
Wahlkampf-Rhetorik, ihre Wähler werden Opfer überzogener Erwartungen.
Für Schüssel hingegen muss es gestern eine tiefe Befriedigung gewesen
sein, vom nächsten Kanzler praktisch die grundsätzliche Richtigkeit
des Kurses der letzten Jahre bestätigt zu erhalten.
Gusenbauer startet als Kanzler bei Gegenwind aus den eigenen Reihen.
Das war bei seinem Antritt als Parteivorsitzender auch so gewesen, er
hat sich durchgebissen. Und dass der neue Kanzler offenbar darauf aus
ist, pragmatisch zu agieren und nicht ideologisch, muss für das Land
nichts Schlechtes bedeuten. Uns bleiben große Experimente erspart.

Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401 od. 434

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