• 17.12.2006, 19:43:11
  • /
  • OTS0044 OTW0044

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zu Weihnachten: Bruderkrieg statt Frieden im Heiligen Land" (Von Nina Koren)

Ausgabe vom 18.12.2006

Graz (OTS) - Weihnachten steht vor der Tür, doch der Nahe Osten
ist von Frieden auch in diesem Jahr weit entfernt. Der Irak versinkt
im Terror, im Libanon werden politische Gegner abgeknallt und
zwischen den Palästinensern bricht jetzt der Bruderkrieg aus. Vor
wenigen Tagen wurde der Premier beschossen, gestern das Amtsgebäude
des Präsidenten, auf den Straßen liefern sich Anhänger der
regierenden radikal-islamischen Hamas und der bei den letzten Wahlen
im Jänner unterlegenen Fatah offene Kämpfe. Für Außenstehende ist
kaum zu fassen, dass ein Volk, das ohnehin im Konflikt mit Israel
schon so viel Leid zu tragen hat, sich nun auch noch selbst zu
bekriegen beginnt.

Die Hitzköpfe sind offenbar nicht mehr zu stoppen. Monatelang hat
Palästinenser-Präsident Mamoud Abbas mit der Hamas über eine
Einheitsregierung verhandelt ohne Erfolg. Nun wählte er einen
gefährlichen Weg und versucht Neuwahlen durchzusetzen. Die Hamas
sagt Nein dazu: Sie hat keine Lust, sich nach nur einem Jahr die
Macht wieder aus der Hand nehmen zu lassen. Und auch die Fatah unter
Abbas hat weiterhin nicht vor, sich mit ihrer Wahlniederlage und dem
Machtverlust abzufinden.

Mit automatischen Waffen gerüstet und voller Wut und Zorn stehen sich
die Milizen nun gegenüber. Was die Rivalität zwischen den beiden
großen Palästinenser-Gruppen nährt, sind nicht nur unterschiedliche
Vorstellungen über das Existenzrecht Israels das die Hamas leugnet.
Angeheizt wird der interne Streit durch den täglichen Konflikt um die
knappen finanziellen Ressourcen. Seit dem Finanzstopp, mit dem EU und
USA auf den Wahlsieg der Hamas reagierten, haben die ohnehin schon
furchtbaren Lebensverhältnisse in den Palästinenser-Gebieten
katastrophale Ausmaße angenommen. Der beginnende
Bruderkrieg gleicht einem Amoklauf, der sich aus Armut und
Frustration nährt. Die westlichen Demokratien versagten; ratlos und
gleichgültig ließen sie die palästinensische Krise vor sich
hindümpeln.

Was klar ist: Ein stabiler Friede mit Israel rückt in unerreichbare
Ferne, wenn im Gaza-Streifen und im Westjordanland Krieg herrscht.
Das würde zwar einigen Radikalen in Israel gefallen, die einen
Palästinenserstaat ohnehin verhindern wollen. Längerfristig würde und
wird sich die Verzweiflung der Palästinenser aber wieder gegen Israel
entladen und die Spannungen in der Region weiter zunehmen.

Der Weihnachtsfriede wird sich nicht mehr ausgehen. Bleibt zu
hoffen, dass 2007 weniger geschossen und mehr geredet wird.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel