EU-Verhandlungen für Masthühner-Richtlinie gescheitert

Wien (OTS) - Die Tierschutzorganisation ANIMAL SPIRIT ist -gemeinsam mit der britischen Tierschutzgesellschaft CIWF - sehr bestürzt darüber, daß die Gespräche zur Durchsetzung einer EU-Richtlinie zum Schutz der Masthühner ("broiler") gestern gescheitert sind. Der Abbruch dieser Verhandlungen ist v.a. auf die Weigerung von Frankreich, Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei zurückzuführen, zumindest dem kleinsten gemeinsamen Nenner von Tierschutzstandards zuzustimmen.

Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann von ANIMAL SPIRIT, dazu:
"Der Abbruch dieser Verhandlungen bedeutet, daß mehr als 5 Milliarden Hühner, die jedes Jahr in der EU gemästet werden - 64 Millionen davon werden allein in Österreich jährlich "produziert" und geschlachtet -auch weiterhin ohne jeglichen gesetzlichen Schutz in den Mastfabriken dahinvegetieren müssen. Es ist ein Skandal, daß Masthühner, Europas zahlenmäßig größte "Nutztier"-Art, auch in Zukunft der Willkür der Agrolobby und Geschäftemacher in der Fleischindustrie ausgeliefert sein werden. Es wäre dringend notwendig, daß diese Tierschutz-Verhandlungen für Mastgeflügel schnellstmöglich wieder aufgenommen werden, um endlich die massiven gesundheitlichen sowie tierschutzrelevanten Probleme zu regeln."

Praktisch das gesamte Mastgeflügel wird in industriellen Tierfabriken gehalten. Die Tiere sind in riesige fensterlose Hallen gepfercht, die zumeist derart überbelegt sind, daß man vor lauter Hühnern den Boden nicht mehr sehen kann. Bis zu 50.000 broiler werden in solche Hallen gestopft und in der EU gibt es momentan keinerlei gesetzliche Grenzwerte. Lediglich das österreichische Tierschutzgesetz schreibt einen maximalen Besatz von 30
kg/m2 vor, der aber auch keinesfalls den Mindestbedürfnissen der Tiere entspricht. Zudem sind weder erhöhte Sitzstangen, noch Rückzugsmöglichkeiten, noch Tageslicht vorgeschrieben.

Das Haupt-Tierschutzproblem der Masthühner ist jedoch, daß sie durch jahrzehntelange Überzüchtung auf höchste Fleischleistung ihr Schlachtgewicht in max. 41 Tagen erreichen müssen, das ist ca. doppelt so schnell wie noch vor 35 Jahren! Die gravierenden Folgen sind, daß die Beine nicht mit dem schnell wachsenden Körper mithalten können, und entweder brechen oder die Sehne abgleitet. Daher leiden in der EU jedes Jahr Zig Millionen von Masthähnchen an schmerzhaften und sehr oft tödlichen Lähmungen. Eine neue britische Studie belegt, daß über 27 % der broiler unter schmerzhaften Beinschwächen leiden, die ihre Bewegung mehr oder weniger stark beeinträchtigen. Auf Österreich übertragen, wo dieselben Rassen verwendet werden, würde das eine Zahl von 17,5 Millionen kranker Tiere pro Jahr bedeuten!

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ANIMAL SPIRIT - Zentrum für Tiere in Not
Dr. Franz-Joseph Plank, ANIMAL SPIRIT, (+43) 0676/7082434,
Peter Stevenson, CIWF, +44-1750-82321, Mobil: +44-7765-844623
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