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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Süden muss sich wehren" (Von Hubert Patterer)
Ausgabe vom 3.12.2006
Graz (OTS) - Die politischen Winde haben gedreht. Wien stoppt die
Koralmbahn: Ein Aufruf zum Nein.
Von Josef Krainer senior, dem legendären steirischen Patriarchen, ist
eine schöne Schnurre überliefert. In den frühen Sechzigern, als die
Elektrifizierung der Südbahn anstand und das Vorhaben zurückgereiht
wurde, sei der Landeshauptmann ins Auto gestiegen und habe seinen
Parteichef Gorbach in Wien mit folgender Nettigkeit begrüßt: "Alfons,
entweder ihr bringt das rasch wieder in Ordnung oder du wirst nicht
mehr lange Kanzler sein."
Ob es sich hier um Heldenepik handelt oder um ein authentisches
Fallbeispiel regionaler Renitenz, bleibt ungeklärt. Tatsache ist,
dass sich die Anekdote vorzüglich als Handlungsanleitung für die
Landespolitiker der Steiermark und Kärntens eignet. An ihnen ist es
jetzt zu zeigen, wie entschlossen sie den Zumutungen Wiens Widerstand
leisten können.
Bekanntlich möchte die hochverschuldete, in zwielichtige
Auslandsgeschäfte verstrickte Staatsbahn den Bau der Koralmbahn
stoppen und auf das Abstellgleis umleiten. Das Projekt, in das
bereits Millionen für Sondierstollen geflossen sind, sei "nutzlos".
Abgesehen davon, dass das Vorhaben zwischen Republik und den beiden
Bundesländern, die ja kräftig mitzahlen, schriftlich paktiert ist: Es
ist immer wieder verblüffend, wie von außen mit autoritärer
Fürsorglichkeit dekretiert wird, was für einen gut und nützlich sei.
Das Bahnprojekt, von Spöttern als Heimfahrtsoption für die Kärntner
Studenten in Graz denunziert, ist in Koppelung mit dem
Semmering-Tunnel für den infrastrukturell vernachlässigten Süden eine
wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Bund hat hier eine Bringschuld.
Noch immer gibt es keine über den urbanen Großraum Graz führende
direkte Verbindung von Wien in den Süden. Das ist verkehrspolitisches
Hinterwäldlertum, von der Fahrzeit zwischen den beiden
Landeshauptstädten ganz zu schweigen.
Hier geht es nicht um regionalen Egoismus, Lego für Jörg Haider oder
Kraftmaierei. Das Bahnprojekt hat eine von der Politik viel zu
lustlos argumentierte europäische, also absolut förderungswürdige
Dimension. Die Koralmbahn soll Teil der Pontebba-Achse werden,die die
großen Wirtschaftsräume im Norden und Süden der EU miteinander
verbindet.
Führt diese Schlagader zu den Adriahäfen an Österreich vorbei, etwa
entlang des Korridors über Ungarn und Slowenien, wäre Österreich ab
genabelt. Dann nützen dem Michael Häupl auch die neuen Bahnhöfe
nichts, die er mit dem Koralm-Geld bauen lassen will.
Franz Voves und Jörg Haider können ganz gut. Sie sollten sich rasch
ins Auto setzen und das steirische Sagenbuch nicht vergessen. Der
alte Krainer war allein. Sie sind zu zweit.****
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