Fachverband Steine-Keramik und Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) präsentieren aktuelle Studie zu Schneedruckschäden: Beton bei Tragkonstruktionen am sichersten

Wien (OTS) -

  • VÖB und Fachverband warnen vor falscher Dimensionierung von Holz-und Stahlkonstruktionen
  • 86 Schneeschäden an Hallen aus dem Winter 2005/06: 14 Holz-, neun Stahl- und eine Betonhalle in Österreich eingestürzt
  • Fortschritt bei Harmonisierung der Bauvorschriften - Clearingstelle
  • Ganzheitliche Nachhaltigkeitsdebatte gefordert

"Ein Überdenken der Dimensionierung von Tragkonstruktionen bei Hallen ist dringend notwendig, um tragische Halleneinstürze in Zukunft zu vermeiden!", lautet die zentrale Forderung von DI Dr. Bernd Wolschner, Vorsitzender des Verbands Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke. Im Winter 2005/06 häuften sich durch massive Schneefälle die Einstürze von Hallenkonstruktionen. Die Eishalle in Bad Reichenhall und die Messehalle im polnischen Kattowitz waren die tragischsten Fälle. Auch in Österreich stürzten Hallen ein oder mussten gesichert werden. Wie kann das Einsturzrisiko minimiert werden und was ist die Schadensursache? Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, gaben der Verband der Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) und der Fachverband Steine-Keramik beim Österreichischen Institut für Bauschadensforschung (ofi) eine Studie zum Thema "Schneedruckschäden an Hallenkonstruktionen in Österreich im Winter 2005/2006" in Auftrag. Wichtigste Erkenntnis: Von allen Tragkonstruktionen erweist sich Beton als besonders stabil. Betonfertigteile: stabil, robust und langlebig Untersucht wurden 86 Schadensfälle von Hallen in Österreich. Während bei 39 der beschädigten Hallen die Haupttragkonstruktion aus Holz, bei 15 aus Stahl und bei 23 aus Beton war, befand sich unter den "Totaleinstürzen" 14 eingestürzte Hallen aus Holz, neun Stahlhallen, aber nur eine Betonhalle. "Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass der anhaltende Trend zur 'Unterdimensionierung' bei Holz- und Stahltragwerken fatale Folgen haben kann. Ich sehe einen dringenden Handlungsbedarf die Dimensionierungsvorschriften dieser beiden Materialgruppen zu überdenken. Die gesamte Baustoff-Industrie muss hier in die Pflicht genommen werden. Es kann nicht sein, dass die Verantwortung auf Bauherrn, Architekten, Statiker oder gar den Hausmeister abgeschoben wird. Die Betonindustrie hat diese Hausaufgaben schon gemacht: Die Regelwerke für Beton sind durchwegs strenger als bei anderen Baustoffen", so Bernd Wolschner. Betonfertigteile sind werksseitig bestens kontrolliert. Durch die Vorfertigung wird das Risiko von Ausführungsfehlern auf der Baustelle verringert. Durch die durchgängige werksinterne Produktionskontrolle sind sie weniger anfällig gegen Materialfehler und verdeckte Mängel und damit robuster. Dazu kommt, dass Hallen aus Beton eine lange Lebensdauer haben und gerade deshalb besonders nachhaltig sind. Bei Hallen spielt die Belastung durch die Witterung eine wichtige Rolle - die negativen Einflüsse von Wind, Regen, Frost und Schnee wirken sich aufgrund der großen Angriffsfläche besonders stark aus. Unter den untersuchten Schadensfällen befanden sich einige Konstruktionen, die schon bei geringeren Schneelasten als den zulässigen einstürzten. "Diese Hallen waren ganz eindeutig zu gering dimensioniert und damit anfällig für Verschleiß. Bei zu geringer Dimensionierung ist ein höherer Wartungsaufwand unerlässlich. Dies ist natürlich mit höheren Kosten bei der Wahl der Werkstoffe Holz oder Stahl für Hallenkonstruktionen verbunden", so Wolschner. Regelmäßige Kontrollen und Bauschadensdatenbank gefordert "Eine regelmäßige Überprüfung der tatsächlichen vorhandenen Tragreserven ist notwendig, um Schäden und Risiken zu vermeiden", erklärt DI Dr. Michael Balak, Studienautor und Leiter des ofi - Institut für Bauschadensforschung. Das ofi diskutiert auch die Installierung einer unabhängigen Bauschadensdatenbank. Verhandlungserfolg in Richtung einheitliche Bauvorschriften "Um die Vergleichbarkeit der Baudaten langfristig zu gewährleisten, ist eine Harmonisierung der Bauvorschriften in unserem Land dringend notwendig", formuliert Dr. Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes Steine-Keramik, ein weiteres Anliegen der beiden Interessensvertretungen. Im September 2006 ist man dabei einen großen Schritt vorangekommen: Alle neun Bundesländer haben sich geeinigt, die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB) mit einem einheitlichen Text in ihre Baugesetze zu übernehmen. Damit gilt ein harmonisierter Stand der Technik für ganz Österreich. "Den Ländern steht es zwar auch in Zukunft frei, Änderungen oder Ergänzungen der Bauvorschriften autonom vorzunehmen. Es wurde jedoch beschlossen, beabsichtigte Änderungen oder Ergänzungen beim OIB anzuzeigen. Dem OIB kommt damit die Rolle einer Clearing-Stelle zu," so Hennrich. Nachhaltigkeitspotenzial von Beton VÖB und Fachverband engagieren sich zudem für eine gerechte und ausgewogene Nachhaltigkeitsdebatte von Baustoffen. Zur Zeit werden die massiven Baustoffe stark benachteiligt. Einer der Gründe dafür liegt im Ökoindex 3 (OI3), der die ökologische Qualität der Gebäudehülle und Zwischendecken bewertet. "Der OI3-Index berücksichtigt ausschließlich die Herstellungsphase von Bauprodukten, aber nicht den gesamten Lebenszyklus beziehungsweise vor- und nachgelagerte Prozesse", so Hennrich weiter. Gerade in diesen Prozessen - etwa kürzere Transportwege für Rohstoffe, regionale Verarbeitung, vor allem aber wesentlich längere Nutzungsphasen, Wiederverwertung und Entsorgung - zeigt sich das hohe Nachhaltigkeitspotenzial der massiven Baustoffe besonders deutlich. Im Sinne einer gerechten Beurteilung sollten aus Sicht des VÖB und des Fachverbandes in Zukunft folgende ökonomische und soziale Kriterien in Bewertungssysteme der Nachhaltigkeit einfließen:

  • Lebensdauer der Bauwerke
  • Gesamter Lebenszyklus des Bauwerkes und der Baustoffe
  • Bautechnische Anforderungen an Gebäude (z.B. Tragfähigkeit, Brand- und Schallschutzkriterien, ...)
  • Funktionalität des Bauwerkes
  • Lokale Verfügbarkeit von Rohstoffen
  • Ausführungssicherheit, Wertbeständigkeit und Instandhaltung
  • Heiz- und Kühlaufwand und Möglichkeit zur Nutzung natürlicher Energiequellen
  • Soziale Kriterien wie leistbare Kosten des Wohnraumes

Auf EU Ebene gibt es eine ähnliche Entwicklung: Im Rahmen des Europäischen Normungskomitees CEN/TC 350 "Sustainability of Construction Works" wird die Grundlage für das Design aller Hochbauten der Zukunft gelegt: Auch hier werden Bewertungskriterien wie Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit, Energieeffizienz, Recyclierbarkeit, Anpassungsfähigkeit an geänderte Benutzeranforderungen aber auch die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit, Feuerschutz und Schallschutz ausgeklammert. "Wir müssen auch auf EU-Ebene unseren Einsatz und unsere Präsenz verstärken, um Beton und den massiven Baustoffen insgesamt in der Nachhaltigkeitsdebatte den Status zu geben, den sie verdienen", sagt Hennrich. Über die Beton- und Betonfertigteilindustrie Die Beton- und Betonfertigteilindustrie hat 2005 einen Gesamtumsatz von rund 575 Millionen Euro erwirtschaftet und ist damit die umsatzstärkste Berufsgruppe des Fachverbandes Steine-Keramik. Über 3.300 Beschäftigte in 75 Mitgliedsbetrieben in ganz Österreich stellen Produkte für die Bereiche Hoch- und Tiefbau her. Die Beton- und Betonfertigteilindustrie ist einerseits als Berufsgruppe im Fachverband Steine-Keramik der WKÖ organisiert und wird andererseits vom Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) vertreten. Die Arbeitsteilung bei der Branchenvertretung erfolgt in enger Abstimmung: Während der Fachverband als gesetzliche Interessenvertretung mit Schwerpunkt Verwaltungs- und Verfahrensangelegenheiten, EU-Bereich und Kollektivvertrag fungiert und ausschließlich Mitglieder aus der Industrie vereint, übernimmt der VÖB die technische und produktbezogene Betreuung auf nationaler und internationaler Ebene und bietet Marketingunterstützung für seine Mitglieder aus Industrie und Gewerbe. Rückfragehinweis:

Mag. Günter Schiester, MAS
Trimedia Communications Austria
A-1070 Wien, Siebensterngasse 31
T 01 524 43 00-37
E guenter.schiester@trimedia.at

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