Alt werden, gesund bleiben - Fachtagung des Fonds Gesundes Österreich

Wien (OTS) - In Österreich und anderen europäischen Ländern nimmt die Lebenserwartung erfreulicher Weise zu. 22 Prozent der ÖsterreicherInnen sind heute über 60 Jahre alt, 2030 sollen es bereits ein Drittel der Bevölkerung sein. Doch wie kann dafür gesorgt werden, dass die zusätzlichen Lebensjahre auch gesunde sind, die frei von Behinderungen verbracht werden können? Auf einer Tagung des Fonds Gesundes Österreich in Wien wird durch bereits erfolgreich durchgeführte Modellprojekte gezeigt, wie die Gesundheit älterer Menschen gezielt gefördert werden kann.

"Angesichts der in Österreich auch weiterhin zu erwartenden demographischen Entwicklung ist es wichtig, dazu beizutragen, dass Menschen in guter Gesundheit altern können", so Maria Rauch-Kallat, Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, bei der 8. Österreichischen Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich, eines Geschäftsbereiches der Gesundheit Österreich GmbH.

Um 40 Prozent mehr Über-60-Jährige

Die Zahlen sprechen für sich: Laut der "Statistik Austria" wird durch steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenzahlen der Anteil der Über-60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Österreich in den kommenden 25 Jahren um rund 40 Prozent zunehmen. Im Jahr 2005 waren rund 1,8 Millionen oder 22 Prozent der ÖsterreicherInnen über 60 Jahre alt. Für das Jahr 2030 wird damit gerechnet, dass bereits 30,6 Prozent der Bevölkerung dieser Altersklasse angehören werden, also rund 2,7 Millionen ÖsterreicherInnen.

Diese große Gruppe von Menschen ist allerdings keineswegs homogen, waren sich die ExpertInnen bei der Präventionstagung einig. "Das Alter ist längst nicht mehr grau, sondern bunt und schillernd. Und die Lebenslagen älterer Menschen sind so vielfältig und widersprüchlich wie die anderer Menschen auch", betonte Dr. Klaus Schroeter vom Institut für Soziologie an der Universität Kiel. "Das Bild des vereinsamten und von der Familie im Stich gelassenen und in ein Alten- und Pflegeheim abgeschobenen alten Menschen ist ebenso schief und verklärend wie die Vorstellung von ständig engagierten, reisefreudigen, kultur- und konsumfreudigen AktivseniorInnen."

Das Alter ist keine "Restzeit"

Die demographische Entwicklung bleibt jedenfalls nicht ohne Folgen auf die Rolle des Alters als Lebensabschnitt. "Durch die Zunahme der Lebenserwartung ist das höhere Lebensalter nicht mehr nur als ,Restzeit‘, sondern als eine eigenständige Altersphase von erheblicher Länge aufzufassen, die es zu gestalten gilt", betonte Univ.-Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck vom Institut für Medizin-Soziologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bei der Tagung in Wien.

"Das höhere Lebensalter ist nicht zwangsläufig mit Krankheit oder eingeschränkter Gesundheit verbunden. Vielmehr können die individuelle Lebensführung, Lebensbedingungen und Bewältigungspotenziale den Gesundheitszustand, die Lebensqualität und das Wohlbefinden im höheren Lebensalter erheblich beeinflussen", sagte Prof. von dem Knesebeck.

Erfolgreiche Modellprojekte

Wie erfolgreich durch Initiativen für Gesundheitsförderung der Lebensstil und die Lebensbedingungen älterer Menschen und somit auch deren Wohlbefinden gezielt verbessert werden können, wurde während der 8. Präventionstagung anhand von zwei Modellprojekten des Fonds Gesundes Österreich anschaulich gezeigt. "Den alten Mitgliedern der Gesellschaft fehlt es, ebenso wie den ganz jungen, oft an einer Lobby, die sich für ihre Belange einsetzt. Gesunde Lebenswelten und Lebensweisen für diese Zielgruppen zu schaffen ist deshalb ein für die Gesundheitsförderung wichtiges Anliegen", betonte bei der Tagung Mag. Christoph Hörhan, Bereichsleiter des Fonds Gesundes Österreich.

Das Potenzial von Gesundheitsförderung zeigt sich etwa beim von Projektleiterin Mag. (FH) Brigitte Papst vom Forschungsinstitut des Roten Kreuzes in Wien und dem Soziologen Mag. Michael Stadler-Vida präsentierten Projekt "Plan60 - Gesundheitsförderung für ältere Menschen im Setting Stadt". Zu den Zielen dieser Initiative zählte vor allem, die soziale Gesundheit älterer Menschen zu erhöhen, indem Möglichkeiten für mehr soziale Kontakte und sinnstiftende Tätigkeiten angeboten wurden. Konkret wurden dafür so genannte "Empowermentkurse" - oder auch "Anleitungen zum Unruhestand" - veranstaltet, in denen ältere Menschen zwischen 60 und 75 unterstützt wurden, eigene Ideen für gemeinsame Projekte von und für ältere Menschen zu konzipieren und umzusetzen.

SeniorInnen entwickeln eigene Projekte

Im Rahmen von Plan60 wurden interessierte SeniorInnen und Organisationen gesucht, um gemeinsame Projekte zu verwirklichen. So wurde etwa von zwei SeniorInnen das Plan60-Projekt "SeniorInnenfreundliche Hauptbibliothek" initiiert, das vom Leiter der Hauptbücherei unterstützt und bereits von zahlreichen älteren Menschen genutzt wurde. Zielsetzung war es, das umfangreiche Angebot der Hauptbibliothek an neuen Medien, wie etwa die Internetgalerie oder die Computerterminals für das selbständige Entlehnen von Büchern, vermehrt auch für SeniorInnen zugänglich zu machen. Aktuell ist ein Team von elf älteren Menschen bei diesen Plan60-Projekt aktiv, das jeden Montag zwischen 11:00 und 14:00 Uhr für andere SeniorInnen Einschulungen in das High-Tech-Bibliotheksangebot abhält.

Museumsagentur und Kurrentübersetzungen

Die Plan60-Initiative "Museumsagentur" ist ursprünglich aus der Idee einer Seniorin entstanden, Übersetzungen aus der Kurrentschrift zu erstellen. Durch eine Kooperation mit dem Wien Museum, bei dem Museumsagentur jetzt beheimatet ist, ist daraus ein Angebot geworden, über das rund 100 SeniorInnen den Wiener Museen ehrenamtliche Mitarbeit anbieten. So übernehmen sie etwa fallweise die Kinderbetreuung in Museen, erledigen kleinere Reparaturen oder erklären MuseumsbesucherInnen die Funktionsweise von Audiosets, auf denen die Inhalte einer Ausstellung erläutert werden. Das "Plan60 Projekt Kurrent" wird als eigenständige Inititative im Wiener Naturhistorischen Museum weitergeführt, wo sich jetzt einmal wöchentlich SeniorInnen treffen, die Kurrentdokumente in lateinische Schrift übersetzen.

Lebenswerte Lebenswelten

Die operative Projektleiterin Mag. Karin Reis-Klingspiegl, Geschäftsführerin von Styria vitalis, der steirischen Gesellschaft für Gesundheitsschutz, und Univ.-Prof. Dr. Richard Noack, der emeritierte Vorstand des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin an der Medizinischen Universität Graz als wissenschaftlicher Projektleiter präsentierten die Initiative "Lebenswerte Lebenswelten für ältere Menschen". Bei diesem Modellprojekt des Fonds Gesundes Österreich für die 60- bis 75-jährigen Bewohner von 13 Gemeinden in den steirischen Bezirken Voitsberg und Graz-Umgebung wurde darauf abgezielt, auf bereits bestehende Angebote von Organisationen und Vereinen aufzubauen,diese zu vernetzen und mit den Interessen und Bedürfnissen von Senior/innen zu verknüpfen. So konnte mit verhältnismäßig geringen finanziellen Mitteln ein hoher Wirkungsgrad erzielt werden. Im Rahmen von "Lebenswerte Lebenswelten für ältere Menschen wurden innerhalb von drei Jahren insgesamt 279 Einzelveranstaltungen, Kurse, Workshops und andere Aktivitäten angeboten, von Bastel- und Kochrunden bis hin zu Computerkursen und Gedächtnistrainings für ältere Menschen. Sehr beliebt waren bei den SeniorInnen Tanzkurse, Wanderungen und andere Bewegungsinitiativen,

Soziale Netze bilden

"Insgesamt ging es bei dem Projekt ,Lebenswerte Lebenswelten’ darum, in den beteiligten Gemeinden eine andere Kultur des Alterns zu entwickeln und soziale Netze zu bilden", erklärte Mag. Reis-Klingspiegl. Die Geschäftsführerin von Styria vitalis verwies bei der Tagung in Wien auch darauf, dass gesundheitsförderliche Initiativen für ältere Menschen generell zunehmend wichtig sind:
"Aktives, erfolgreiches und gesundes Altern sind Konzepte, die mit der demografischen Alterung sowohl an individueller als auch an volkswirtschaftlicher Bedeutung gewinnen."

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Dr. Birgit Kofler
B&K Bettschart & Kofler Medien- und
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Mag. Markus Mikl
Fonds Gesundes Österreich, ein Geschäftsbereich
der Gesundheit Österreich GmbH
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