- 21.11.2006, 18:08:32
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Das Gute und das Nötige
Wien (OTS) - "Zu einem leistungsfähigen Finanzstandort gehört eine
aktive Private-Equity-Branche." Dieser Ausdruck heißt aus dem
Börsianer-Kauderwelsch übersetzt: "Heuschrecken" - zumindest für die
deutschen Sozialdemokraten, die im Wahlkampf darin ihr Feindbild
gefunden haben. Das lobende Zitat aber über eben diese Heuschrecken
findet sich diese Woche in einem Papier der - deutschen
Sozialdemokraten.
Offenbar begreifen nun auch sie, dass man gerade dann die bösen
Kapitalisten dringend braucht, wenn man sozial sein und Arbeitsplätze
schaffen will. Und dass man gerade jene braucht, die offen zugeben,
mit ihrer Investition nur eines im Sinn zu haben: nämlich Geld zu
verdienen. Mit all dem Gerede vom "humanitären Investment" kommt man
hingegen nicht sehr weit. Überdies will ja auch jeder von uns
möglichst viel legalen Ertrag von dem Geld sehen, das er für sein
Alter anlegt. Und mag nicht, dass irgendein Manager auf seine Kosten
den Gutmenschen spielt. Wer gut sein will, der will das schon selber
sein.
Wenige Tage davor wurde von eben diesen Sozialdemokraten der
Ladenschluss (außer an Sonn- und Feiertagen) völlig freigegeben; was
sich sehr rasch sehr positiv auf die Umsätze ausgewirkt hat. Und zwar
waren das die Sozialdemokraten der Stadt Berlin; sie koalieren jedoch
nicht mit einer Kapitalisten-Partei, sondern ausgerechnet mit der
gutmenschlichen Linkspartei. Wenn Rot-Rot das Wasser bis zum Hals
steht (wie in der Schuldenmetropole Berlin), dann weiß man also
offensichtlich sehr genau, welche Politik die richtige ist: Genau die
gegenteilige von der, die man im Wahlkampf verkündet hat.
Das Gleiche hat man in den letzten Monaten in Ungarn beobachten
können. Dort haben die Sozialisten sogar offen zugegeben, dass sie
die Menschen die ganze Zeit brutal angelogen haben.
In Ländern, denen es noch besser geht als Deutschland oder Ungarn,
mögen manche weiterhin vom Grundeinkommen oder von angeblichen
Vorteilen einer Verstaatlichung träumen. Aber auch sie sollten
langsam beispielsweise lernen, was Private equity wirklich heißt. Und
über die Konsequenzen nachdenken, wenn eine linkspopulistische
Parteien-Mehrheit den Banken des eigenen Landes öffentlich und
pauschal "fragwürdige Kundenbeziehungen" und "groß angelegte
Geldwäsche" vorwirft. Was nur in einem einzigen Parlament der Welt
geschehen ist.
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