Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Das Gute und das Nötige

Wien (OTS) - "Zu einem leistungsfähigen Finanzstandort gehört eine aktive Private-Equity-Branche." Dieser Ausdruck heißt aus dem Börsianer-Kauderwelsch übersetzt: "Heuschrecken" - zumindest für die deutschen Sozialdemokraten, die im Wahlkampf darin ihr Feindbild gefunden haben. Das lobende Zitat aber über eben diese Heuschrecken findet sich diese Woche in einem Papier der - deutschen Sozialdemokraten.
Offenbar begreifen nun auch sie, dass man gerade dann die bösen Kapitalisten dringend braucht, wenn man sozial sein und Arbeitsplätze schaffen will. Und dass man gerade jene braucht, die offen zugeben, mit ihrer Investition nur eines im Sinn zu haben: nämlich Geld zu verdienen. Mit all dem Gerede vom "humanitären Investment" kommt man hingegen nicht sehr weit. Überdies will ja auch jeder von uns möglichst viel legalen Ertrag von dem Geld sehen, das er für sein Alter anlegt. Und mag nicht, dass irgendein Manager auf seine Kosten den Gutmenschen spielt. Wer gut sein will, der will das schon selber sein.
Wenige Tage davor wurde von eben diesen Sozialdemokraten der Ladenschluss (außer an Sonn- und Feiertagen) völlig freigegeben; was sich sehr rasch sehr positiv auf die Umsätze ausgewirkt hat. Und zwar waren das die Sozialdemokraten der Stadt Berlin; sie koalieren jedoch nicht mit einer Kapitalisten-Partei, sondern ausgerechnet mit der gutmenschlichen Linkspartei. Wenn Rot-Rot das Wasser bis zum Hals steht (wie in der Schuldenmetropole Berlin), dann weiß man also offensichtlich sehr genau, welche Politik die richtige ist: Genau die gegenteilige von der, die man im Wahlkampf verkündet hat.
Das Gleiche hat man in den letzten Monaten in Ungarn beobachten können. Dort haben die Sozialisten sogar offen zugegeben, dass sie die Menschen die ganze Zeit brutal angelogen haben.
In Ländern, denen es noch besser geht als Deutschland oder Ungarn, mögen manche weiterhin vom Grundeinkommen oder von angeblichen Vorteilen einer Verstaatlichung träumen. Aber auch sie sollten langsam beispielsweise lernen, was Private equity wirklich heißt. Und über die Konsequenzen nachdenken, wenn eine linkspopulistische Parteien-Mehrheit den Banken des eigenen Landes öffentlich und pauschal "fragwürdige Kundenbeziehungen" und "groß angelegte Geldwäsche" vorwirft. Was nur in einem einzigen Parlament der Welt geschehen ist.

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001