- 21.11.2006, 17:28:56
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Krünes: Offener Brief an Frau Bundesminister Elisabeth Gehrer
Wien (OTS) - Dipl. Ing. Dr. Helmut Krünes
Trazerberggasse 33/4/7
1130 Wien
Wien, 17.11.2006
Sehr geehrte Frau Bundesminister!
Medienberichten habe ich entnehmen müssen, daß Sie Herrn Professor
Dr. Gerhard Pendl aus dem Universitätsrat der Wiener
Medizinuniversität abberufen werden.
Da ich ebenfalls Mitglied eines Universitätsrates bin, betrifft mich
diese Ankündigung besonders.
Im Gesetz ist eine Abberufung für den Fall schwerer Pflichtverletzung
oder strafgerichtlicher Verurteilung vorgesehen. Weitere Gründe sind
mangelnde körperliche oder geistige Eignung.
Ich kenne Professor Dr. Pendl seit unserer gemeinsamen Studentenzeit.
Schon damals hat er sich eingehend mit Fragen der Verbesserung der
Österreichischen Universitäten befaßt und war Mitglied der
parlamentarischen Hochschulreformkommission in den Sechziger Jahren
unter Ihren Amtsvorgängern Piffl und Mock. Zeuge der Sachkenntnis und
des Einsatzes ist unser heutiger Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.
Die internationale Reputation des Neurochirurgen Professor Dr. Pendl
ist auch für einen Laien wie mich überzeugend, wenn man die Liste
prominenter Patienten kennt, die sich ihm anvertraut haben, ich nenne
nur den früheren Justizminister Dr. Broda.
Kenntnis des Universitätswesens, Interesse am Funktionieren unserer
Universitäten und wissenschaftliche Qualifikation dürften wohl außer
Zweifel stehen. Bleiben daher für eine Abberufung die
Pflichtverletzung oder eine strafrechtliche Verurteilung.
Ihre Aussage ist im Zusammenhang mit der Rede von Herrn Professor Dr.
Pendl am Grab eines Opfers des Zweiten Weltkriegs gebracht worden.
Das, was aus dieser Rede vom Rundfunk zitiert worden ist, kann
unmöglich als Grund für eine Abberufung reichen. Das bedeutet nicht,
daß jedermann oder Sie persönlich den Standpunkt von Professor Pendl
teilen müssen, wohl aber, daß auch Sie , wie jeder demokratisch
gesinnte Mensch in diesem Land, die Pflicht haben, für die Freiheit
der Meinungsäußerung einzutreten.
Erschwerend kommt für mich dazu, daß ein einseitiger Bericht sofort
zu einer öffentlichen Verurteilung durch Sie und viele Medien führt,
weil es längst nicht mehr für notwendig erachtet wird, jemandem die
Chance zu geben, sich zu einem Vorwurf zu äußern, bevor man urteilt.
Die Liberalen des neunzehnten Jahrhunderts haben das bleibende
Verdienst, unser Rechtswesen reformiert und alle Elemente der
Femegerichtsbarkeit beseitigt zu haben.
Nur autoritäre Regime haben danach in unserer Geschichte wieder zu
solch häßlichen, menschenverachtenden Mitteln der Verurteilung ohne
ordentliche Prüfung der Fakten und der strikten Beachtung des Rechtes
eines jeden Beschuldigten zur Verteidigung vor Schuldspruch
gegriffen.
Sie, Frau Bundesministerin, haben so wie auch ich persönlich in die
Hand des Bundespräsidenten die Einhaltung der Gesetze der Republik
Österreich, insbesondere aber der Verfassung unseres Staates gelobt.
Fühlen Sie sich wohl, wenn Sie öffentlich angesehene Bürger dieses
Landes verurteilen, die gegen kein Gesetz verstoßen haben, aber eine
Meinung geäußert haben, die Sie nicht teilen ?
Ihr
Helmut Krünes
Bundesminister a. D. und Mitglied des Universitätsrates der TU Wien
Rückfragehinweis:
FPÖ
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