34. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft "Diabetes interdisziplinär": Moderne Therapie ist fachübergreifend

Wien (OTS) - Es gab Zeiten, da existierten klare Grenzen zwischen den medizinischen Disziplinen. Heute rücken die einzelnen Fachrichtungen spürbar zusammen. "Diabetes interdisziplinär" war daher auch Thema der 34. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). Vom 16. bis 18. November 2006 diskutierten hunderte TeilnehmerInnen in Innsbruck über die vielen Gesichter des Diabetes und über Erfolg versprechende Therapie- und Präventionsmöglichkeiten. "Im Grunde gibt es kaum eine Disziplin, ohne die eine wirksame Prävention und Therapie des Diabetes möglich wäre. Daher bin ich überzeugt, dass die Anregungen dieser Jahrestagung die Diabetestherapie entscheidend verbessern werden", sagte Prim. Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner, Präsidentin der ÖDG und Internistin am Landeskrankenhaus Hochzirl.

Rauchen kann Diabetes verursachen

Einen wesentlichen Beitrag zur Prävention und zur verbesserten Therapie könne etwa das Wissen über die Wirkungen des Zigarettenrauchens leisten, sagte Dr. Helmut Brath, Leiter des Gesundheitszentrums Wien Süd: "Zigarettenrauchen erhöht das ohnehin schon bedenklich hohe kardiovaskuläre Risiko eines Diabetikers dramatisch." Neu und besorgniserregend sei zudem, dass Rauchen Diabetes verursachen kann: "Schon bei Jugendlichen erhöht Passivrauchen die Häufigkeit des metabolischen Syndroms um das Vierfache, Aktivrauchen um das Sechsfache."

Antipsychotika erhöhen Diabetesrisiko

Auch die Einnahme von Antipsychotika kann Diabetes auslösen. "Patienten mit chronischen psychiatrischen Erkrankungen haben medikamentenbedingt ein deutlich höheres Risiko für Diabetes mellitus und das metabolische Syndrom als nicht Betroffene," sagte Ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Ebenbichler, Klinische Abteilung für Allgemeine Innere Medizin an der Medizinischen Universität Innsbruck. Hilfreich ist eine bekannte Kombination: "Mit Ernährungsberatung und Bewegung nehmen die Patienten ab und halten ihr Zielgewicht auch über einen längeren Zeitraum", so Ebenbichler.

Erhöhter Zucker nach dem Essen: Risikofaktor für Herzerkrankungen

Ausgewogene Ernährung ist für jeden Diabetiker eine unersetzliche Maßnahme gegen die gefürchteten kardiovaskulären Komplikationen. Dabei liegt die Aufmerksamkeit der Forscher seit kurzem beim erhöhten Blutzucker nach dem Essen. "Die postprandiale Hyperglykämie ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Komplikationen", so Prof. Dr. Antonio Ceriello, Clinical Sciences Research Institute an der Warwick Medical School in Coventry/UK. "Die Behandlung der postprandialen Hyperglykämie ist daher eine Schlüsselstrategie der Prävention diabetischer Komplikationen."

Gentech-Insulin als Alternative

Dieses Ziel soll unter anderem mit Hilfe moderner Insulinpräparate erreicht werden. Bei manchen Patienten seien gentechnologisch hergestellte Insulinanaloga das Mittel der Wahl, sagte Prof. Dr. Helmut Schatz, Universitätsklinikum Bergmannsheil an der Ruhr-Universität Bochum. "Heute stehen kurz- und langwirksame Insulinpräparate zur Verfügung. Sie haben gegenüber Humaninsulinpräparaten gewisse Vorteile: Es kommt zum Beispiel seltener zu Unterzuckerung und sie sind für die Patienten leichter handhabbar."

Zahl der Dialysepatienten wächst

Von einer idealen Blutzuckereinstellung sind viele Diabetiker dennoch entfernt. Häufige Folge: diabetische Nephropathie. "Österreichweit steigt die Zahl der Diabetiker, die eine Nierenersatztherapie und/oder -transplantation benötigen", sagt OA Dr. Martin Auinger, 3. Medizinische Abteilung Nephropathie und Dialyse bei Diabetes am Krankenhaus Hietzing in Wien. 2004 wurden laut österreichischem Dialyseregister 3.576 Patienten behandelt, 2005 waren es 3.742. Die Zahl der Nierentransplantationen stieg von 3.350 auf 3.500. Auinger fordert daher dringend "interdisziplinäre Kooperationen und Präventionsprogramme".

20 bis 30 Prozent entwickeln Nervenschäden

Sie könnten auch die Zahl jener Patienten senken, die an diabetischer Neuropathie erkranken: Stets überhöhter Blutzucker beeinträchtigt die Durchblutung, Nervenschäden entstehen. "Betroffen sind 20 bis 30 Prozent aller Diabetiker", sagt Dr. Claudia Francesconi, Diabetes- und Stoffwechselambulanz am Gesundheitszentrum Wien Mitte. "Rund 20 bis 40 Prozent erkennen diese Entwicklung nicht, weil sie keine Symptome spüren. Daher müssen wir Mediziner aktiv nach der Neuropathie suchen."

Diabetische Netzhauterkrankung: zweithäufigste Erblindungsursache

Gleich hohe Aufmerksamkeit bräuchten die Augen der Patienten, so Univ.-Prof. Dr. Gerhard Kiesselbach, Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie an der Medizinischen Universität Innsbruck: "Die diabetische Netzhauterkrankung, die Retinopathie, ist die zweithäufigste Erblindungsursache in Europa und USA." Zwar gebe es heute gute Therapien, dennoch sei es die vordringlichste Aufgabe aller Mediziner, Diabetes früh zu erkennen und zu behandeln.

Aufenthalt in Rehabilitationszentren sinnvoll

Hilfreich dabei sei "eine Langzeitbehandlung, die teilweise in Rehabilitationszentren stattfinden sollte", sagte Prim. Prof. Dr. Mario Francesconi vom Rehabilitationszentrum Alland. Die Teams der Zentren könnten präventive, kurative und rehabilitative Medizin verknüpfen und die Patienten in unterschiedlichen Lebenssituationen beraten.

Spezielle Betreuung für Kinder

Auch die Behandlung von Kindern sollte in speziellen Abteilungen erfolgen, empfahl Ao. Univ.-Prof. Dr. Birgit Rami, Universitätsklinik für Kinderheilkunde an der Medizinischen Universität Wien. "Kinder erkranken fast nur an Diabetes Typ 1 und sind ab dem Beginn der Krankheit auf Insulin angewiesen. Wichtig ist, sie in einem speziellen Zentrum mit Erfahrung in pädiatrischer Diabetologie zu behandeln und sie - wie auch ihre Eltern - genau zu schulen. Gelingt das, lassen sich Akut- und Spätkomplikationen vermeiden."

Frühe Diagnose und Behandlung verhindern Komplikationen

Was für Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene: Je früher Diabetes behandelt wird, umso eher lässt sich Diabetes Typ 2 schon im Frühstadium aufhalten - während der so genannten Insulinresistenz:
Sie führt dazu, dass die Zellen nicht mehr auf das Hormon Insulin reagieren. Genau an diesem Punkt müsse angesetzt werden, forderte Prim. Prof. Dr. Michael Roden, 1. Medizinische Abteilung am Hanusch-Krankenhaus in Wien. Einmal aufgetreten sei die Resistenz allerdings nur schlecht behandelbar: "Diätformen mit niedrigem Kohlenhydratgehalt führen nur kurzfristig zu Gewichtsabnahme. Auch was Insulinresistenz und Blutzuckereinstellung angeht, sind derartige Diäten nicht von Vorteil." Mögliche Alternativen seien PPARgamma-Agonisten. "Die neueste Studie mit Rosiglitazon zur Behandlung des erhöhten Diabetesrisikos ergab zwar eine Reduktion der Entstehung von Diabetes, aber unter anderem auch ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz. Eine breite Anwendung in der Diabetesprävention ist daher ausgeschlossen". Es bleibt also bei der bekannten Empfehlung: Regelmäßig bewegen und ausgewogen essen.

Wer ist die ÖDG?

Unter dem Motto "helfen - heilen - forschen" engagiert sich die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) für die Verbesserung der Lebensqualität der DiabetikerInnen. Die Menschen in Österreich sollen objektiv über Diabetes und Diabetesvorsorge informiert werden. Als medizinische Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-ExpertInnen bemüht sich die ÖDG um eine Diabetesbehandlung nach dem neuesten Stand der Forschung. Weitere Informationen über die Österreichische Diabetesgesellschaft finden Sie unter www.oedg.org.

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