• 21.11.2006, 10:50:48
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34. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft "Diabetes interdisziplinär": Moderne Therapie ist fachübergreifend

Wien (OTS) - Es gab Zeiten, da existierten klare Grenzen zwischen
den medizinischen Disziplinen. Heute rücken die einzelnen
Fachrichtungen spürbar zusammen. "Diabetes interdisziplinär" war
daher auch Thema der 34. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes
Gesellschaft (ÖDG). Vom 16. bis 18. November 2006 diskutierten
hunderte TeilnehmerInnen in Innsbruck über die vielen Gesichter des
Diabetes und über Erfolg versprechende Therapie- und
Präventionsmöglichkeiten. "Im Grunde gibt es kaum eine Disziplin,
ohne die eine wirksame Prävention und Therapie des Diabetes möglich
wäre. Daher bin ich überzeugt, dass die Anregungen dieser
Jahrestagung die Diabetestherapie entscheidend verbessern werden",
sagte Prim. Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner, Präsidentin der
ÖDG und Internistin am Landeskrankenhaus Hochzirl.

Rauchen kann Diabetes verursachen

Einen wesentlichen Beitrag zur Prävention und zur verbesserten
Therapie könne etwa das Wissen über die Wirkungen des
Zigarettenrauchens leisten, sagte Dr. Helmut Brath, Leiter des
Gesundheitszentrums Wien Süd: "Zigarettenrauchen erhöht das ohnehin
schon bedenklich hohe kardiovaskuläre Risiko eines Diabetikers
dramatisch." Neu und besorgniserregend sei zudem, dass Rauchen
Diabetes verursachen kann: "Schon bei Jugendlichen erhöht
Passivrauchen die Häufigkeit des metabolischen Syndroms um das
Vierfache, Aktivrauchen um das Sechsfache."

Antipsychotika erhöhen Diabetesrisiko

Auch die Einnahme von Antipsychotika kann Diabetes auslösen.
"Patienten mit chronischen psychiatrischen Erkrankungen haben
medikamentenbedingt ein deutlich höheres Risiko für Diabetes mellitus
und das metabolische Syndrom als nicht Betroffene," sagte Ao.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Ebenbichler, Klinische Abteilung für
Allgemeine Innere Medizin an der Medizinischen Universität Innsbruck.
Hilfreich ist eine bekannte Kombination: "Mit Ernährungsberatung und
Bewegung nehmen die Patienten ab und halten ihr Zielgewicht auch über
einen längeren Zeitraum", so Ebenbichler.

Erhöhter Zucker nach dem Essen: Risikofaktor für Herzerkrankungen

Ausgewogene Ernährung ist für jeden Diabetiker eine unersetzliche
Maßnahme gegen die gefürchteten kardiovaskulären Komplikationen.
Dabei liegt die Aufmerksamkeit der Forscher seit kurzem beim erhöhten
Blutzucker nach dem Essen. "Die postprandiale Hyperglykämie ist ein
unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer
Komplikationen", so Prof. Dr. Antonio Ceriello, Clinical Sciences
Research Institute an der Warwick Medical School in Coventry/UK. "Die
Behandlung der postprandialen Hyperglykämie ist daher eine
Schlüsselstrategie der Prävention diabetischer Komplikationen."

Gentech-Insulin als Alternative

Dieses Ziel soll unter anderem mit Hilfe moderner Insulinpräparate
erreicht werden. Bei manchen Patienten seien gentechnologisch
hergestellte Insulinanaloga das Mittel der Wahl, sagte Prof. Dr.
Helmut Schatz, Universitätsklinikum Bergmannsheil an der
Ruhr-Universität Bochum. "Heute stehen kurz- und langwirksame
Insulinpräparate zur Verfügung. Sie haben gegenüber
Humaninsulinpräparaten gewisse Vorteile: Es kommt zum Beispiel
seltener zu Unterzuckerung und sie sind für die Patienten leichter
handhabbar."

Zahl der Dialysepatienten wächst

Von einer idealen Blutzuckereinstellung sind viele Diabetiker
dennoch entfernt. Häufige Folge: diabetische Nephropathie.
"Österreichweit steigt die Zahl der Diabetiker, die eine
Nierenersatztherapie und/oder -transplantation benötigen", sagt OA
Dr. Martin Auinger, 3. Medizinische Abteilung Nephropathie und
Dialyse bei Diabetes am Krankenhaus Hietzing in Wien. 2004 wurden
laut österreichischem Dialyseregister 3.576 Patienten behandelt, 2005
waren es 3.742. Die Zahl der Nierentransplantationen stieg von 3.350
auf 3.500. Auinger fordert daher dringend "interdisziplinäre
Kooperationen und Präventionsprogramme".

20 bis 30 Prozent entwickeln Nervenschäden

Sie könnten auch die Zahl jener Patienten senken, die an
diabetischer Neuropathie erkranken: Stets überhöhter Blutzucker
beeinträchtigt die Durchblutung, Nervenschäden entstehen. "Betroffen
sind 20 bis 30 Prozent aller Diabetiker", sagt Dr. Claudia
Francesconi, Diabetes- und Stoffwechselambulanz am Gesundheitszentrum
Wien Mitte. "Rund 20 bis 40 Prozent erkennen diese Entwicklung nicht,
weil sie keine Symptome spüren. Daher müssen wir Mediziner aktiv nach
der Neuropathie suchen."

Diabetische Netzhauterkrankung: zweithäufigste Erblindungsursache

Gleich hohe Aufmerksamkeit bräuchten die Augen der Patienten, so
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Kiesselbach, Universitätsklinik für
Augenheilkunde und Optometrie an der Medizinischen Universität
Innsbruck: "Die diabetische Netzhauterkrankung, die Retinopathie, ist
die zweithäufigste Erblindungsursache in Europa und USA." Zwar gebe
es heute gute Therapien, dennoch sei es die vordringlichste Aufgabe
aller Mediziner, Diabetes früh zu erkennen und zu behandeln.

Aufenthalt in Rehabilitationszentren sinnvoll

Hilfreich dabei sei "eine Langzeitbehandlung, die teilweise in
Rehabilitationszentren stattfinden sollte", sagte Prim. Prof. Dr.
Mario Francesconi vom Rehabilitationszentrum Alland. Die Teams der
Zentren könnten präventive, kurative und rehabilitative Medizin
verknüpfen und die Patienten in unterschiedlichen Lebenssituationen
beraten.

Spezielle Betreuung für Kinder

Auch die Behandlung von Kindern sollte in speziellen Abteilungen
erfolgen, empfahl Ao. Univ.-Prof. Dr. Birgit Rami, Universitätsklinik
für Kinderheilkunde an der Medizinischen Universität Wien. "Kinder
erkranken fast nur an Diabetes Typ 1 und sind ab dem Beginn der
Krankheit auf Insulin angewiesen. Wichtig ist, sie in einem
speziellen Zentrum mit Erfahrung in pädiatrischer Diabetologie zu
behandeln und sie - wie auch ihre Eltern - genau zu schulen. Gelingt
das, lassen sich Akut- und Spätkomplikationen vermeiden."

Frühe Diagnose und Behandlung verhindern Komplikationen

Was für Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene: Je früher Diabetes
behandelt wird, umso eher lässt sich Diabetes Typ 2 schon im
Frühstadium aufhalten - während der so genannten Insulinresistenz:
Sie führt dazu, dass die Zellen nicht mehr auf das Hormon Insulin
reagieren. Genau an diesem Punkt müsse angesetzt werden, forderte
Prim. Prof. Dr. Michael Roden, 1. Medizinische Abteilung am
Hanusch-Krankenhaus in Wien. Einmal aufgetreten sei die Resistenz
allerdings nur schlecht behandelbar: "Diätformen mit niedrigem
Kohlenhydratgehalt führen nur kurzfristig zu Gewichtsabnahme. Auch
was Insulinresistenz und Blutzuckereinstellung angeht, sind derartige
Diäten nicht von Vorteil." Mögliche Alternativen seien
PPARgamma-Agonisten. "Die neueste Studie mit Rosiglitazon zur
Behandlung des erhöhten Diabetesrisikos ergab zwar eine Reduktion der
Entstehung von Diabetes, aber unter anderem auch ein erhöhtes Risiko
für Herzinsuffizienz. Eine breite Anwendung in der Diabetesprävention
ist daher ausgeschlossen". Es bleibt also bei der bekannten
Empfehlung: Regelmäßig bewegen und ausgewogen essen.

Wer ist die ÖDG?

Unter dem Motto "helfen - heilen - forschen" engagiert sich die
Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) für die Verbesserung der
Lebensqualität der DiabetikerInnen. Die Menschen in Österreich sollen
objektiv über Diabetes und Diabetesvorsorge informiert werden. Als
medizinische Fachgesellschaft der österreichischen
Diabetes-ExpertInnen bemüht sich die ÖDG um eine Diabetesbehandlung
nach dem neuesten Stand der Forschung. Weitere Informationen über die
Österreichische Diabetesgesellschaft finden Sie unter www.oedg.org.

Rückfragehinweis:
Trimedia Communications Austria
Michael Leitner
Tel: 01/524 43 00
Fax: 01/524 43 00/20
E-Mail: [email protected]

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