- 19.11.2006, 09:00:00
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"trend": Vranitzky rät Gusenbauer zu Thema Integration
Altkanzler Franz Vranitzky rät dem SPÖ-Parteivorsitzenden, als Bundeskanzler ein "großes politisches Kunstwerk" zu starten
Wien (OTS) - "Alfred Gusenbauer soll sich nicht nur mit den
täglichen Fährnissen der Politik beschäftigen, sondern offensiv mit
einer progressiven, sozialdemokratischen Politik in Erscheinung
treten". Dies ist einer der Ratschläge, die Franz Vranitzky, von 1987
bis 1997 Bundeskanzler, im kommenden Dienstag erscheinenden
Wirtschaftsmagazin "trend" dem SPÖ-Parteivorsitzenden mit auf den Weg
gibt.
Die Partei - und mit ihr Gusenbauer - solle über die soziale und
Arbeitsmarktfragen hinausgehende Themen in Angriff nehmen, wie etwa
die Bildungsfrage, "vor allem aber die Integrationsfrage". Konkret
meint Vranitzky damit, " nicht nur die Europäische Integration,
sondern die heimische Ausprägung, die Multikulturalität. Man muss die
große geistige und intellektuelle Vielfalt, die es bei uns gibt, in
die eigenen Segel bringen", formuliert der Alt-Kanzler, denn "das
Thema spricht die Jüngeren an und kann so formuliert werden, dass es
die Älteren beruhigt". Vranitzky will "ein großes politisches
Kunstwerk starten" und fordert Gusenbauer auf, "Intellektuelle,
Künstler, Journalisten wieder mehr mit einzubinden", aber auch
Lehrer, denn "für die ist es besonders wichtig, dass die
Unterstützung kriegen."
Vranitzky erzählt im Gespräch mit dem "trend" einiges über sein
früheres "spannungsgeladenes Verhältnis" zum ehemaligen Chef der
Jungsozialisten und charakterisiert Gusenbauer als "jahrelang
geschmähten Politiker", der allerdings "große Standfestigkeit"
bewiesen habe. Vranitzky: "Je mehr er geschmäht wurde, desto mehr
habe ich zu ihm gehalten. Ich habe ja die Hochloberei von Doktor
Schüssel nie geteilt."
Er, Vranitzky, habe Gusenbauer nach dessen Antritt als
Parteiobmann eingeladen, mit ihm in die USA zu reisen. "Ich habe ihm
meine Kontakte geöffnet. Dabei hat er sich als sehr versiert,
eloquent und belesen gezeigt. Er hat sehr viel an sich gearbeitet."
Gusenbauer habe vom Abstürz Schüssels profitiert, "wurde dabei
aber nicht übermütig" und sei "sehr gewachsen". Freilich habe er auch
jetzt noch eine "lange, schwierige Strecke vor sich".
Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402
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