"trend": Vranitzky rät Gusenbauer zu Thema Integration

Altkanzler Franz Vranitzky rät dem SPÖ-Parteivorsitzenden, als Bundeskanzler ein "großes politisches Kunstwerk" zu starten

Wien (OTS) - "Alfred Gusenbauer soll sich nicht nur mit den täglichen Fährnissen der Politik beschäftigen, sondern offensiv mit einer progressiven, sozialdemokratischen Politik in Erscheinung treten". Dies ist einer der Ratschläge, die Franz Vranitzky, von 1987 bis 1997 Bundeskanzler, im kommenden Dienstag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend" dem SPÖ-Parteivorsitzenden mit auf den Weg gibt.
Die Partei - und mit ihr Gusenbauer - solle über die soziale und Arbeitsmarktfragen hinausgehende Themen in Angriff nehmen, wie etwa die Bildungsfrage, "vor allem aber die Integrationsfrage". Konkret meint Vranitzky damit, " nicht nur die Europäische Integration, sondern die heimische Ausprägung, die Multikulturalität. Man muss die große geistige und intellektuelle Vielfalt, die es bei uns gibt, in die eigenen Segel bringen", formuliert der Alt-Kanzler, denn "das Thema spricht die Jüngeren an und kann so formuliert werden, dass es die Älteren beruhigt". Vranitzky will "ein großes politisches Kunstwerk starten" und fordert Gusenbauer auf, "Intellektuelle, Künstler, Journalisten wieder mehr mit einzubinden", aber auch Lehrer, denn "für die ist es besonders wichtig, dass die Unterstützung kriegen."
Vranitzky erzählt im Gespräch mit dem "trend" einiges über sein früheres "spannungsgeladenes Verhältnis" zum ehemaligen Chef der Jungsozialisten und charakterisiert Gusenbauer als "jahrelang geschmähten Politiker", der allerdings "große Standfestigkeit" bewiesen habe. Vranitzky: "Je mehr er geschmäht wurde, desto mehr habe ich zu ihm gehalten. Ich habe ja die Hochloberei von Doktor Schüssel nie geteilt."
Er, Vranitzky, habe Gusenbauer nach dessen Antritt als Parteiobmann eingeladen, mit ihm in die USA zu reisen. "Ich habe ihm meine Kontakte geöffnet. Dabei hat er sich als sehr versiert, eloquent und belesen gezeigt. Er hat sehr viel an sich gearbeitet." Gusenbauer habe vom Abstürz Schüssels profitiert, "wurde dabei aber nicht übermütig" und sei "sehr gewachsen". Freilich habe er auch jetzt noch eine "lange, schwierige Strecke vor sich".

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