"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bürgerliche Härte" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 18. November 2006

Innsbruck (OTS) - Das Land Tirol hat sich im Streit um die Höhe
des Pachtzinses für die Jagd auf der Kemater Alm auf die Seite von Alois Partl geschlagen. Das Gutachten, das den Standpunkt des Alt-Landeshauptmanns unterstützt, ist mit Sicherheit sachlich begründet. Kurios ist die Sache trotzdem. In einen Privatstreit zwischen Pächter und Verpächter mischt sich das Land normalerweise nicht ein. Es sei denn, einer der Beteiligten ist der Alt-Landeshauptmann.

Diese Lobby fehlt der Gegenseite vollständig. Mehr noch: Dem jungen Obmann der Agrargemeinschaft, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten hat, bläst jetzt ein scharfer Wind ins Gesicht. Im Ort, wo die Kritik an der bürgerlichen Ikone Alois Partl als Hochverrat gilt, und in der Partei, der er seit Jahren angehört.

Martin Schaffenrath ist ÖAAB-Obmann in Kematen und sollte bei den vergangenen Nationalratswahlen am 16. Platz der Landesliste kandidieren. In der entscheidenden Sitzung wurde er von der Liste gestrichen. Kommentarlos. Offiziell fiel der unbequeme Kemater übrigens der angeblich nicht ausreichenden Frauenquote zum Opfer. Tatsächlich stolperte er, weil er es gewagt hatte, Partl anzupatzen.

Die ÖVP ist bekannt für diese politische Unkultur im Umgang mit Kritikern. Für jene, die mit dem Strom mitschwimmen, die nicht auffallen, werden Versorgungsjobs gesucht und auch immer gefunden. Beste Beispiele sind Konrad Streiters Beraterjob bei der Tiwag oder Michael Bielowskis Ernennung zum Olympiaworld-Chef.

Die Unbequemen hingegen trifft der bürgerliche Bannstrahl mit aller Härte. "Hände falten, Goschen halten" - so hat der ehemalige VP-Generalsekretär und nunmehrige Nationalratsabgeordnete Ferdinand Maier diese Mentalität umschrieben. Wen wundert es da, dass der VP die Wähler davonlaufen?

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