Bildungsplan für den Kindergarten: Wien übernimmt Vorreiterrolle

Bildungsexperten Haider und Fthenakis loben Wiens Bildungsplan, Laska kündigt Ausweitung für 0 bis 3Jährige an

Wien (OTS) - Eine intensive Bildungsdiskussion wurde am Freitag anlässlich der Präsentation des Wiener Bildungsplanes im Tech Gate Vienna geführt. Vor allem im Bereich der frühkindlichen Bildung hat Österreich großen Nachholbedarf. Die OECD vermisst eine länderübergreifende Tendenz und kritisiert auch das niedrige Ausbildungsniveau und die niedrige Entlohnung der KindergartenpädagogInnen, die mit einer der wichtigsten Bildungsaufgaben betraut sind.

"Bildung muss wieder das Top-Thema werden", betonte Bildungsstadträtin Grete Laska in ihrer Eröffnungsrede. "Der Bildungsplan ist eine politische Botschaft. Wir möchten allen kommunizieren, dass der Kindergarten keine Aufbewahrungsstätte, sondern eine Bildungsstätte ist." "Was an diesem Bildungsplan besonders gewürdigt werden muss, ist die Tatsache, dass er alle Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung umfasst, aber alles ausgelassen hat was als Rezeptbuch verstanden werden kann" konkretisiert Laska und nennt abschließend als nächsten wichtigen Schritt die Ausweitung des Bildungsplanes auf die Altersgruppe der 0 bis 3 jährigen Kinder.

Pisa-Haider fordert verpflichtendes Vorschuljahr und Lehrstuhl für frühkindliche Entwicklung

Als "sehr innovativ" würdigte "Pisa-Koordinator" DDr. Günther Haider den Wiener Bildungsplan. "Der Bildungsplan erstellt Inhalte und Ziele für alle wichtigen Kompetenzbereiche, lässt aber trotzdem genügend Freiraum für Kreativität", freut sich Haider. Der Pisabeauftragte fordert als nächsten Schritt ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder ab dem fünften Lebensjahr und wünscht sich zukünftig einen Lehrstuhl für frühkindliche Entwicklung an den fünf großen Universitäten des Landes.

Kindergarten leistet Beitrag zum Chancenausgleich

Maga Simone Breit (Projektzentrum für Vergleichende Bildungsforschung/Universität Salzburg), enge Mitarbeiterin von Haider, erläuterte in weiterer Folge die Möglichkeit des Kindergartens, einen wesentlichen Beitrag zum Chancenausgleich und zur Verbesserung des Entwicklungsstandes der Kinder zu leisten. Unter Berücksichtigung des sozioökonomischen Status und des möglichen Migrationshintergrundes wirkt sich ein kontinuierlicher und langfristiger Besuch des Kindergartens eindeutig positiv auf das Leistungsniveau aus. Bekräftigt wurden die Aussagen durch Auszüge aus der Pisa Studie, mit Ergebnisse der Lesekompetenzmessung bei 15jährigen Schülern. Hohe pädagogische Qualität bedingt einen hohen Sprachentwicklungsstand, eine höhere soziale Kompetenz und eine bessere Bewältigung von Alltagssituationen. Dieser Effekt lässt sich noch nach dem 8. Lebensjahr feststellen.

OECD vermisst länderübergreifende Kompetenz

"Mr. Bildungsplan" DDDr. Wassilios Fthenakis präsentierte die Ergebnisse der "Starting Strong" Studie. Lobend strich er hervor, dass mit dem Bildungsplan nun erstmals ein verbindlicher Rahmenplan für frühkindliche Förderung vorliegt. Der Bildungsplan präsentiere einen Paradigmenwechsel im Bildungsbereich. Er beinhaltet ein breites integratives Konzept, das nicht selektiert. Im Gegenteil, die Differenzen werden bejaht und auf dem Weg zu mehr Individualität begrüßt. "Meine Bildungsvision sind starke, kommunikationsfreudige, aktiv lernende und gesunde Kinder", so der Bildungsforscher. Kritisch betrachtet hat Fthenakis die Gruppengröße in österreichischen Kindergärten, die europaweit die höchste ist. "Die Professionalisierung der Fachkräfte ist eine nicht mehr aufschiebbare Aufgabe" so Fthenakis und forderte die Anhebung der Ausbildung auf universitäres Niveau, und ortete dringenden Handlungsbedarf bei den Aufstiegsmöglichkeiten und Verdienstaussichten von KindergartenpädagogInnen. Abschließend konkretisierte er das unveränderliche Recht der Kinder auf Bildung.

Maga Sylvia Minich, pädagogische Leiterin der Wiener Kindergärten, erläuterte im Anschluss die Inhalte des Bildungsplanes und die dahinter stehenden Überlegungen der Arbeitsgruppe. Der Tag fand in der abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden unter dem Vorsitz der Vizebürgermeisterin einen weiteren Höhepunkt. (Schluss) ct/spe

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