WirtschaftsBlatt Kommentar vom 16. 11. 2006: Wie geizig darf eigentlich eine AG sein? - von Peter Muzik

Jeder Dritte im Prime Market zahlt keine Dividende

Wien (OTS) - Österreichs Kleinanleger zeigen wieder einmal die Muskeln: Ihre Lobby, der Interessenverband für Anleger (IVA), hat gestern eine Untersuchung vorgelegt, der zufolge die börsenotierten Aktiengesellschaften bei der Ausschüttung von Dividenden recht knausrig sind. Kernaussage: Trotz stark gestiegener Gewinne im vergangenen Jahr sank die Ausschüttungsquote auf eher bescheidene 31,8 Prozent. Im Jahr 2004 hatten die 66 untersuchten Unternehmen ihre Aktionäre noch mit 36,9 Prozent erfreut.

Im internationalen Vergleich schneidet Wiens Börse ziemlich schlecht ab: Die deutschen Aktiengesellschaften schaffen immerhin eine Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent, und im europäischen Durchschnitt werden laut IVA sogar 40 bis 45 Prozent des Nettogewinns an die Anleger überwiesen. IVA-Präsident Wilhelm Rasinger folgert aus der Tatsache, dass sich die Kurse von Unternehmen mit hohen Ausschüttungen - international betrachtet - deutlich besser entwickeln als der Gesamtmarkt, dass die heimischen Gesellschaften unter Druck geraten, höhere Dividenden auszuschütten.

In der Tat haben wir es - auch wenn die Dividendenpolitik nicht das einzig Wahre ist -, mit Fakten zu tun, die insbesonders Kleinanleger besonders wurmen: Von den 41 erfassten AG im Prime Market liefern 14 - also fast jede dritte - überhaupt keine Dividende ab.

In etlichen Fällen - etwa bei Bwin, JoWooD, Sky Europe oder Wolford -überrascht das nicht, weil diese Unternehmen rote Zahlen schrieben. Bei einigen anderen jedoch, die kräftig investieren - Pankl, RHI, S & T oder Zumtobel -, haben viele Anleger schon weniger Verständnis für die Zurückhaltung. Erstaunlich sei weiters, dass Nulldividenden auch bei allen fünf untersuchten Immobiliengesellschaften, die an der Börse notieren, offenbar Teil der Unternehmenspolitik sei, kritisiert Rasinger - gemeint sind zum Beispiel Immofinanz oder Conwert.

Es ist ein relativ schwacher Trost, dass die momentanen Muster-AG ATB sowie Kapital & Wert im Vorjahr mit Ausschüttungsquoten von 277 bzw. 100 Prozent brillieren konnten. Und sieben Unternehmen, die Aktionäre im Jahr 2005 gleich mit einer um mehr als 50 Prozent gestiegenen Dividende erfreut haben - darunter die Telekom, OMV, der Verbund oder Böhler Uddeholm.

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