- 13.11.2006, 10:16:23
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Lehrer an Wiener Pflichtschulen erwarten rasche Entlastung statt Jubelmeldungen
Forderungen von Walter Strobl, Vizepräsident des Wiener Stadtschulrates zur Integration verhaltensauffälliger Kinder
Wien (OTS) - "Die Integration verhaltensauffälliger Kinder an den
Wiener Pflichtschulen ist in Wahrheit nur ein Modellfall für wenige
Schulen geblieben", betonte der VP-Vizepräsident des Wiener
Stadtschulrates, Walter Strobl, in Reaktion auf die Jubelmeldung von
Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl zur gelungene Integration
´schwieriger´ Kinder in Wiener Pflichtschulen. "Wenn die Form der
ambulanten bzw. integrativen Betreuung flächendeckend funktionieren
soll, dann bräuchten wir mindestens doppelt so viele Speziallehrer
(Anm.: Psychagogen und Beratungslehrer), wie derzeit im Einsatz
sind."
Strobl kritisierte den Stadtschulrat, keine Ahnung von der
Schulwirklichkeit zu haben und nicht mit den LehrerInnen an den
Schulen zu reden, sondern Glorienscheindiskussionen zu führen.
Faktisch in jeder Schule gäbe es verhaltensauffällige Kinder, deren
Zahl leider steigend sei, wie die Probleme rund um die
Gewaltbereitschaft zeigten. Für eine integrative oder ambulante
Betreuung gäbe es allerdings nicht ausreichend Zusatzlehrer. Das sei
die Wirklichkeit, so Strobl. Wenn an einzelnen Standorten Abhilfe
geboten werden kann, dann sei das erfreulich aber noch keine Antwort
auf ein generelles Problem in ganz Wien.
Scharf kritisierte Strobl die geläufige Praxis, wonach für klassische
Sozialarbeit im Bereich der Wiener Jugendwohlfahrt, Lehrer mit
Spezialausbildung eingesetzt würden. "Psychagogen und Beratungslehrer
haben eine hervorragende Ausbildung, die sie sich teilweise selbst
bezahlt haben. Sie müssen und sollen aber weiter als LehrerInnen
eingesetzt werden. In einem hohen Ausmaß arbeiten sie aber bereits im
Bereich der klassischen Sozialarbeit der Jugendwohlfahrt. Damit
erspart sich die Stadt Wien eine Stange Geld, weil die Lehrer vom
Bund bezahlt werden. Sozialarbeit ist allerdings Aufgabe der Kommune
und muss von dieser bezahlt werden."
Ausländische Beispiele zeigen, dass Schulsozialarbeit eine adäquate
und damit hilfreiche Antwort auf die steigende Zahl
verhaltensauffälliger Kinder ist.Darüber hinaus hätte Wien schon seit
13 Jahren die ganztägigen Schulformen ausbauen können, weil seit 1993
die Einrichtung von ganztägigen Schulformen ausschließlich
Landessache ist. Derzeit gibt es in Wien von insgesamt 448
Pflichtschulen nur 134 Standorte mit ganztägiger schulischer
Betreuung. Leichtere Formen sozialer und/oder emotionaler
Auffälligkeiten können an ganztägigen Schulformen im nachmittägigen
Bereich besser betreut bzw. unterstützt werden. Für schwierige Fälle
bleibt, so wie heute bereits üblich, dann sowieso nur eine
Spezialklasse (Anm.: Mosaikklassen und Förderklassen) mit
SpeziallehrerInnen.
Strobl forderte die Stadt auf, durch folgende Maßnahmen rasche
Abhilfe für alle betroffenen LehrerInnen in ganz Wien zu schaffen:
- Es muss eine rasche Entlastung der zahlreichen KlassenlehrerInnen
geben, die derzeit alle Probleme alleine lösen müssen.
- Jeder Wiener Schulstandort soll eine/einen fixen SozialarbeiterIn
der MA 11 zugeteilt erhalten, der jederzeit abrufbar ist und mit der
Schule eng zusammen arbeitet. Damit ist auch der absolut vernünftige
"niederschwellige Zugang" zum betroffenen Schüler sicher gestellt.
- Rascher Ausbau der ganztägigen Schulformen, um vor allem sozial
schwachen Gruppen mehr und gesicherte Unterstützung bereits am
Schulstandort geben zu können.
- Überarbeitung des Konzepts der vielen Sonderverwendungen von
PflichtschullehrerInnen in Wien, da mit mehr KlassenlehrerInnen die
Klassenschülerzahl deutlich gesenkt werden könnte.
- Generelle Senkung der Klassenschülerzahl auf maximal 25. So wie in
Niederösterreich, sollte auch das Land Wien ab dem kommenden
Schuljahr für die zusätzlichen LehrerInnen die Kosten übernehmen.
- Präventive Maßnahmen durch verstärkte Elternberatung durch die
Stadt. Bereits im Kindergarten sollen für Eltern von emotional oder
sozial auffälligen Kindern entsprechende Beratungen und Gespräche und
unterstützende Maßnahmen angeboten werden.
Rückfragehinweis:
ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien
Tel.: (++43-1) 4000 / 81 913
Fax: (++43-1) 4000 / 99 819 60
mailto:[email protected]
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