- 07.11.2006, 17:56:38
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WirtschaftsBaltt Kommentar vom 8. 11. 2006: Toni Mörwalds Geheimrezept - von Angelika Kramer
Die staatliche Garantiezusage hat einen bitteren Beigeschmack
Wien (OTS) - Was in Niederösterreich nicht gelungen ist, hat nun
also fast ein Jahr später auf Bundesebene geklappt: Österreichs etwas
unglücklich agierendem "Starkoch" Toni Mörwald wird von öffentlicher
Stelle kräftig unter die Arme gegriffen. Mittels Bundesgarantie für
70 Prozent seines 1,4 Millionen Euro grossen Schuldenbergs soll
Mörwald weiterkochen dürfen.
Was wie eine Jubelmeldung für jeden Gourmet klingt, hat einen
äusserst bitteren Beigeschmack: Wie kann es sein, dass jemand, dem
die Banken offenbar keinen Kredit mehr gewähren wollen, den Sanktus
des zuständigen Wirtschaftsministeriums bekommt? Noch dazu, wo im
Land Niederösterreich bereits ein Sturm der Empörung eine Förderung
für Mörwald zunichte gemacht hat? Als Tüpfelchen auf dem I sprechen
Rechtsexperten bei dieser Garantiezusage sogar von einer
"Beihilfenproblematik", bei der die EU-Wettbewerbshüter - ähnlich wie
bei der Staatshaftung für die Bawag - wachsam werden könnten.
Die offizielle Version für das überbordende Vertrauen des
Wirtschaftsministeriums in Mörwald lautet so: Der Starkoch habe ein
überzeugendes Fortführungskonzept vorgelegt. Wenn das Konzept
wirklich so überzeugend war, warum hat dann nicht jede Bank dem
Kunden Mörwald mit Handkuss einen Kredit gewährt? Und warum ist nur
kurz zuvor ein wirtschaftlich denkender Eigenkapitalgeber - trotz so
überzeugendem Konzept - wieder abgesprungen?
Jeder Gastronom, der schon einmal in finanziellen Schwierigkeiten
war, wird sich wohl angesichts dessen fragen, was hat Mörwald, was
ich nicht habe? Was macht sein Konzept so viel überzeugender als
meines? Sicher, Toni Mörwald ist ein brillanter Koch und er scheint
auch nur so zu sprühen vor Ideen - aber das, was er bis jetzt
aufgetischt hat, deutet darauf hin, dass seine Kenntnisse als
Geschäftsmann zu wünschen übrig lassen. Besser hingegen scheinen
Mörwalds Fähigkeiten als Netzwerker zu sein: So hat er es immerhin
geschafft, das Finanzministerium mit Essen zu versorgen. Und ihm
werden exzellente Kontakte zu Niederösterreichs Landesregierung und
in die heimische Bankenszene nachgesagt.
Was also können gescheiterte Gastwirte aus dem Fall Mörwald lernen?
Wer rechtzeitig daran denkt, die Entscheidungsträger in diesem Land
einzukochen, dem können nicht einmal Schulden in Millionenhöhe etwas
anhaben.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
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