- 07.11.2006, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Tiefer Hass" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 08.11.2006
Wien (OTS) - Wie schnell das gehen kann: Im Frühherbst hatte
Österreich noch eine halbwegs funktionierende ÖVP-Alleinregierung
(mit orange-bunter Duldung). Heute, knapp sechs Wochen und eine
Nationalratswahl später, gibt es keine Aussicht, die von
Bundespräsident Fischer gewünschte "Regierung mit stabiler Mehrheit"
zustande zu bringen.
Keine Sorge: Österreich versinkt deshalb noch lange nicht im Chaos.
Erschreckender als die Aussicht auf eine sozialdemokratisch geführte
Minderheitsregierung ist der abgrundtiefe Hass zwischen den
Großparteien: Die "Vollkoffer" (so Wiens SP-Bürgermeister Häupl vor
wenigen Jahren über die ÖVP) und die "roten Gfrieser"
(VP-Parlamentspräsident Khol über den Klassenfeind) sind mehr als
spinnefeind: Sie hassen einander.
Bei der ÖVP wirkt offenbar noch der überfallsartige Verkauf der
Creditanstalt an die "rote" BankAustria nach; die SPÖ ist
traumatisiert, seit sich die ÖVP 1999 hinter ihrem Rücken (und
während laufender Koalitionsverhandlungen) mit der FPÖ über eine
schwarz-blaue Regierung geeinigt hat.
Der gegenseitige Hass ist also erklärbar. Dem Land tut er ebenso
wenig gut wie die Packeleien der rot-schwarzen Koalitionen. Man kann
nur hoffen, dass mit dem Verschwinden der alten Politikergeneration
in SPÖ und ÖVP auch wieder zivilisierte Umgangsformen einkehren. Das
wäre wichtiger als die Neuauflage einer Großen Koalition.
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