• 17.10.2006, 20:14:49
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die heimischen Autofahrer sind in die Dieselfalle getappt" (Von Peter Filzwieser)

Ausgabe vom 18.10.2006

Graz (OTS) - Österreich ist ein Land der Dieselfahrer. Das hat
historische Ursachen: Nicht zuletzt, weil Diesel bei uns immer
deutlich billiger war als Benzin, haben viele Autofahrer in den
sauren Apfel gebissen und sich die bei der Anschaffung teureren
Selbstentzünder zugelegt.

Begonnen hat die heimische Erfolgsgeschichte der Dieselfahrzeuge 1987
mit der Einführung des Katalysators. Heftig wurde auf die
Benzindreckschleudern geschimpft, auch deshalb fuhr der
umweltbewusste und sparsame Mann von Welt damals Diesel.

Dieses Selbstverständnis wurde in den letzten Jahren allerdings
nachhaltig erschüttert. Viele trauten ihren Augen nicht, als durch
die Entdeckung des Feinstaubs die vormals blütenweiße Diesel-Weste
mit immer mehr schwarzen Flecken beschmutzt wurde.

Doch der Österreicher ist in seiner Mehrzahl ein Gewohnheitstier.
Einmal Dieselfahrer, immer Dieselfahrer. Also schluckten die Verdruss
gewohnten Pendler auch noch diesen Anschlag auf ihre Brieftaschen. Um
nicht die Bürde kranker Kinder mitzutragen und weil Fahrverbote
drohten, wurde wieder aufgerüstet. Teure Partikelfilter mussten in
die Karossen eingebaut werden.

Doch das Verhängnis war nicht aufzuhalten: Sukzessive wurde in den
letzten Jahren der Abstand zwischen Benzin- und Dieselpreis
eingedampft. Im Jahr 2001 klagten die Autofahrerklubs, dass der
Preisvorteil bereits auf historische 7,2 Cent ("Nur noch ein
Schilling!") zusammengeschmolzen war.

Dabei wurde bei den Dieselfahrern zuletzt ohnehin über Gebühr
abkassiert. Ob bei der Erhöhung der Mineralölsteuer (2004) oder der
Strafsteuer für neue Kfz ohne Filter. Die Beimischung von Biodiesel
führte wieder zu einem Preisschub.

Und nun kostet Diesel bei heimischen Zapfsäulen erstmals mehr als
Benzin.

Damit werden jene bestraft, die auf eine Technologie gesetzt haben,
die ihnen jahrelang als sparsam und umweltfreundlich verkauft worden
war. Dabei ist ein modernes Dieselfahrzeug samt Partikelfilter in
puncto Umweltverträglichkeit einem Benziner ebenbürtig. Beim
CO2-Ausstoß ist der Diesel auf die Fahrleistung gerechnet sogar um 20
Prozent im Vorteil. Dazu enthält diese Technologie ein verlockendes
Versprechen für die Zukunft: Biodiesel, in großem Maßstab eingesetzt,
wäre ein Umweltknüller und brächte Unabhängigkeit vom Erdöl.

Grund genug für den Staat, so sollte man meinen, seine Dieselfahrer
weiter zu belohnen, anstatt sein Sprit-Vieh nun, da die Herde groß
genug geworden ist, ordentlich zu melken. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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