• 13.10.2006, 11:14:04
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Körtner begrüßt österreichisches Patientenverfügungsgesetz

"Keine Pflicht zum Leben um jeden Preis"

Wien (epdÖ) - "Eine Gestaltung der gesellschaftlichen
Verhältnisse, aber auch der Medizin und der Pflege in
Krankenanstalten und Pflegeheimen, welche die Würde des Menschen im
Leben wie im Sterben achtet", forderte der Professor für
Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät und
Institutsvorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an
der Universität Wien, Dr. Ulrich Körtner. In einem Vortrag zum Thema
"Die Patientenverfügungen in der theologischen Diskussion", den er am
12. Oktober bei der Jahrestagung des Instituts in Wien hielt,
begrüßte der Theologe das mit 1. Juni in Kraft getretene
österreichische Patientenverfügungsgesetz und betonte: "Die
Reichweite von Patientenverfügungen ist, was ich ausdrücklich
gutheiße, in diesem Gesetz nicht auf die Sterbephase bei einem
irreversibel zum Tode führenden Grundleiden beschränkt." Körtner
hielt auch fest, Gegenstand einer Patientenverfügung könne nur die
Ablehnung von bestimmten Behandlungen sein, nicht jedoch die positive
Forderung nach einer bestimmten Behandlung.

Ethische Probleme am Ende des Lebens

Zur Frage der Sterbehilfe erklärte Körtner: "Das Recht auf Leben
bedeutet keine Pflicht zum Leben um jeden Preis. Der Grundsatz des
Lebensschutzes legitimiert weder ethisch noch rechtlich die
Bevormundung und Entmündigung von Patienten." Rechtlich und moralisch
bleibe es ein Unterschied, "ob jemand verfügt, dass man ihn sterben
lässt, oder aber, dass man ihn tötet". Dennoch könnten "die
ausgefeiltesten Gesetze" nicht verhindern, "dass wir an den Grenzen
des Lebens in ethische Dilemmata geraten, in denen das Urteil, ob es
sich um ein Sterbenlassen oder eine aktive Herbeiführung des Todes
handelt, eine Frage des Blickwinkels ist".

Die Jahrestagung des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, an
der zahlreiche WissenschaftlerInnen aus Deutschland und Österreich
teilnahmen, wurde vom 12. bis 13. Oktober in Kooperation mit dem
Zentrum für Medizinrecht auf dem Campus der Universität Wien
veranstaltet. Sie hatte das Gesamtthema "Das neue
Patientenverfügungsgesetz 2006 - rechtliche und ethische Aspekte".

Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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