- 13.10.2006, 09:39:52
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Information und Nachhaltigkeit prägen Öffentlichen Verkehr
Ergebnisse der umfassenden Erhebung über den ÖPNV in der Ostregion
Wien (OTS) - Vor Jahresfrist wurde zum Themenkomplex "Mobilität
und Potentiale für den öffentlichen Verkehr im Verkehrsverbund
Ost-Region (VOR)" gemeinsam vom VOR und den Wiener Linien eine
umfassende Erhebung initiiert (Abwicklung Socialdata W. Brög), deren
Ergebnisse präsentiert wurden. Erfasst wurden Verkehrsabläufe nicht
nur im Binnenverkehr von Wien, sondern auch in den Stadtverkehren von
20 Städten im VOR-Bereich, von Baden bei Wien über St.Pölten und
Schwechat bis Wolkersdorf und dem Umland. Die statistischen
Kenndaten sind signifikant und zum Teil mit überraschenden
Ergebnissen: Erfolg und Entwicklung des Öffentlichen Personen Nah-
und Regionalverkehrs (ÖPNRV) der Zukunft werden wesentlich von der
Güte und Dichte der Information und von der Nachhaltigkeit geprägt
sein. Sie sollen auch die Grundlage für die weiteren Aktivitäten des
"VOR neu" bilden.
Dazu führt, übereinstimmend mit den Wiener Linien, seitens der
VOR-Geschäftsführung Direktor Manfred Novy einleitend unter anderem
aus: "Um den Kundenanforderungen, auf die wir in laufend steigendem
Maß zu reagieren haben, nachzukommen, ist die Intensivierung der
Information, sowohl was die Dichte als auch deren Wahrnehmbarkeit
betrifft, unerlässlich. Die Information über Alternativen zum eigenen
Fahrzeug ist ein entscheidender Faktor bei der Verkehrsmittelwahl.
Hier bestehen etwa noch Defizite hinsichtlich der Einschätzung der
zeitlichen Dauer von Verkehrswegen". Das individuelle Marketing kann
zwar aus Kostengründen nicht flächendeckend erbracht werden, die
Akzeptanz der öffentlichen Verkehrsmittel hat aber dort deutlich
zugenommen, wo geworben wurde, so der seit drei Jahrzehnten im VOR
leitend tätige Verkehrsexperte. Auch dem Umweltverbund komme immer
mehr Bedeutung zu.
Was die schon angesprochene Einschätzung des Zeitaufwandes für
Verkehrswege betrifft, zeigt sich, dass die (präsumtiven) Benutzer
den Zeitaufwand für eine bestimmte Strecke beim ÖPNRV fast doppelt so
hoch schätzen, als er tatsächlich beträgt, die Fahrzeit mit dem Auto
(ohne Parkplatzsuche) aber um ein gutes Drittel unterschätzen.
International beispielgebend ist der Wiener Modal split, der seit
1993 um 17 Prozent zugenommen hat, und nun 34 Prozent beträgt.
Angestrebt werden, wie der Verkehrssprecher Landtagsabgeordneter und
Gemeinderat Erich Valentin darlegt, zumindest 38 Prozent. Aufgrund
der letzten Erhebung (alle Zahlen im weiteren gerundet) sind 52
Prozent der möglichen Nutzer über den ÖPNVR als Alternative soweit
informiert, 48 Prozent nicht. Im "VOR neu" werden in Wien und dem
Umland 9 Prozent der Wege mittels ÖPNRV zurückgelegt, 91 Prozent
nicht. Hier muss allerdings angemerkt werden, dass 40 Prozent der
Wege so verlaufen, dass der Öffentliche Verkehr (ÖV) keine
Alternative anbietet. Größte Benutzergruppen sind im VOR-Bereich in
Prozenten PKW 37, ÖV 21, Fußgänger 23. Der Binnenverkehr in Wien ist
deutlich vom ÖV geprägt, ein gutes Drittel der Menschen benützt ihn,
ein weiteres Drittel geht zu Fuß, weniger als ein Viertel (23
Prozent) fährt mit dem PKW. Bei den in Wien zurückgelegten Kilometern
werden 96 Prozent von den Wienern selbst geleistet, 3 Prozent von
Bewohnern des Umlandes.
Bei den von/nach Wien zurückgelegten Wegen (Quell-/Zielverkehr)
werden 23 Prozent mittels ÖV bestritten, vergleichsweise beträgt der
Spitzenwert in der BRD mit München 25 Prozent. Zurück zu Wien: 75
Prozent mittels Auto, davon die Hälfte per PKW. Was den
Fahrradverkehr betrifft, legen im Umland 7 Prozent dergestalt ihre
Wege zurück, mit (leider) sinkender Tendenz; atypisch hier Wien, wo
der Fahrradanteil deutlich im Steigen begriffen ist (derzeit 6
Prozent). Im Wiener Umland sind - Fahrt von/zu der Arbeit - 20
Prozent aller zurückgelegten Distanzen Arbeitwege, davon werden in
Prozenten zurückgelegt per: PKW 70, ÖV 12, zu Fuß 8. Beim ÖV-Anteil
an den Wegen generell, ist dieser beim Einkaufen und in der Freizeit
derzeit rückläufig. Die Änderungen in der Arbeitswelt finden auch
ihren Niederschlag, es zeigen sich keine signifikanten Unterschiede
zwischen Arbeitstagen und Wochenenden mehr. Die Statistik kann
nicht mehr den "durchschnittlichen Wochentag" ausweisen, es zeichnet
sich ein relativ hoher Anteil an Arbeitswegen auch an den Wochenenden
ab.
Erklärtes Ziel ist es, den Umweltverbund zu stärken, also die
Benützung von ÖV, Fahrrad und das Zufußgehen. Hier ist auch die
Distanz bei den zurückgelegten Wegen ein Kriterium, denn es liegen
jeweils unter Kilometern: 1 ein Viertel, 3 die Hälfte, 5 zwei
Drittel, 10 drei Viertel; also Fernfahrten sind nur ein Viertel.
Benützt wird bei allen zu 73 Prozent das Auto, zum Vergleich im
Münchner Bereich 52 Prozent, wobei in beiden Fällen 70 Prozent
Alleinfahrer registriert werden. Hier setzt Novy auf verstärkte
Information, auch gilt es, vor allem schon die Jugend anzusprechen
und damit auch im Sinne der Nachhaltigkeit bereits hier anzusetzen.
Einmal mehr ist Wien auch bei der Nachhaltigkeit beispielgebend,
denn - anlässlich des jüngsten Expertenforums 2006 der Wiener
Stadtwerke dargelegt - wird bereits an einem eigenen
"Nachhaltigkeitsplan" für alle Bereiche der Wiener Stadtwerke
gearbeitet, der 2008 präsentiert werden soll. Die Wiener
Umweltanwältin Dr. Andrea Schnattinger verweist in diesem
Zusammenhang auf die zahlreichen Aktivitäten der Stadt, in vielen
Fällen im Zusammenwirken mit den Wiener Stadtwerken bzw. den Wiener
Linien. Denn trotz des dichten Netzes der Wiener Linen werden in Wien
bei der Parkplatzsuche pro Jahr rund 4 Millionen Kilometer verfahren.
Im Gegensatz zu Wien zeigen sich etwa bei den deutschen Städten erst
eher zaghafte Ansätze, denn eigene "Nachhaltigkeitsbeauftragte"
weisen derzeit Düsseldorf und Hannover auf, in Mannheim und in Berlin
zumindest Ansätze in den Verkehrsbereichen. (Schluss) red
Rückfragehinweis:
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