Information und Nachhaltigkeit prägen Öffentlichen Verkehr

Ergebnisse der umfassenden Erhebung über den ÖPNV in der Ostregion

Wien (OTS) - Vor Jahresfrist wurde zum Themenkomplex "Mobilität
und Potentiale für den öffentlichen Verkehr im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR)" gemeinsam vom VOR und den Wiener Linien eine umfassende Erhebung initiiert (Abwicklung Socialdata W. Brög), deren Ergebnisse präsentiert wurden. Erfasst wurden Verkehrsabläufe nicht nur im Binnenverkehr von Wien, sondern auch in den Stadtverkehren von 20 Städten im VOR-Bereich, von Baden bei Wien über St.Pölten und Schwechat bis Wolkersdorf und dem Umland. Die statistischen Kenndaten sind signifikant und zum Teil mit überraschenden Ergebnissen: Erfolg und Entwicklung des Öffentlichen Personen Nah-und Regionalverkehrs (ÖPNRV) der Zukunft werden wesentlich von der Güte und Dichte der Information und von der Nachhaltigkeit geprägt sein. Sie sollen auch die Grundlage für die weiteren Aktivitäten des "VOR neu" bilden.

Dazu führt, übereinstimmend mit den Wiener Linien, seitens der VOR-Geschäftsführung Direktor Manfred Novy einleitend unter anderem aus: "Um den Kundenanforderungen, auf die wir in laufend steigendem Maß zu reagieren haben, nachzukommen, ist die Intensivierung der Information, sowohl was die Dichte als auch deren Wahrnehmbarkeit betrifft, unerlässlich. Die Information über Alternativen zum eigenen Fahrzeug ist ein entscheidender Faktor bei der Verkehrsmittelwahl. Hier bestehen etwa noch Defizite hinsichtlich der Einschätzung der zeitlichen Dauer von Verkehrswegen". Das individuelle Marketing kann zwar aus Kostengründen nicht flächendeckend erbracht werden, die Akzeptanz der öffentlichen Verkehrsmittel hat aber dort deutlich zugenommen, wo geworben wurde, so der seit drei Jahrzehnten im VOR leitend tätige Verkehrsexperte. Auch dem Umweltverbund komme immer mehr Bedeutung zu.

Was die schon angesprochene Einschätzung des Zeitaufwandes für Verkehrswege betrifft, zeigt sich, dass die (präsumtiven) Benutzer den Zeitaufwand für eine bestimmte Strecke beim ÖPNRV fast doppelt so hoch schätzen, als er tatsächlich beträgt, die Fahrzeit mit dem Auto (ohne Parkplatzsuche) aber um ein gutes Drittel unterschätzen. International beispielgebend ist der Wiener Modal split, der seit 1993 um 17 Prozent zugenommen hat, und nun 34 Prozent beträgt. Angestrebt werden, wie der Verkehrssprecher Landtagsabgeordneter und Gemeinderat Erich Valentin darlegt, zumindest 38 Prozent. Aufgrund der letzten Erhebung (alle Zahlen im weiteren gerundet) sind 52 Prozent der möglichen Nutzer über den ÖPNVR als Alternative soweit informiert, 48 Prozent nicht. Im "VOR neu" werden in Wien und dem Umland 9 Prozent der Wege mittels ÖPNRV zurückgelegt, 91 Prozent nicht. Hier muss allerdings angemerkt werden, dass 40 Prozent der Wege so verlaufen, dass der Öffentliche Verkehr (ÖV) keine Alternative anbietet. Größte Benutzergruppen sind im VOR-Bereich in Prozenten PKW 37, ÖV 21, Fußgänger 23. Der Binnenverkehr in Wien ist deutlich vom ÖV geprägt, ein gutes Drittel der Menschen benützt ihn, ein weiteres Drittel geht zu Fuß, weniger als ein Viertel (23 Prozent) fährt mit dem PKW. Bei den in Wien zurückgelegten Kilometern werden 96 Prozent von den Wienern selbst geleistet, 3 Prozent von Bewohnern des Umlandes.

Bei den von/nach Wien zurückgelegten Wegen (Quell-/Zielverkehr) werden 23 Prozent mittels ÖV bestritten, vergleichsweise beträgt der Spitzenwert in der BRD mit München 25 Prozent. Zurück zu Wien: 75 Prozent mittels Auto, davon die Hälfte per PKW. Was den Fahrradverkehr betrifft, legen im Umland 7 Prozent dergestalt ihre Wege zurück, mit (leider) sinkender Tendenz; atypisch hier Wien, wo der Fahrradanteil deutlich im Steigen begriffen ist (derzeit 6 Prozent). Im Wiener Umland sind - Fahrt von/zu der Arbeit - 20 Prozent aller zurückgelegten Distanzen Arbeitwege, davon werden in Prozenten zurückgelegt per: PKW 70, ÖV 12, zu Fuß 8. Beim ÖV-Anteil an den Wegen generell, ist dieser beim Einkaufen und in der Freizeit derzeit rückläufig. Die Änderungen in der Arbeitswelt finden auch ihren Niederschlag, es zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Arbeitstagen und Wochenenden mehr. Die Statistik kann nicht mehr den "durchschnittlichen Wochentag" ausweisen, es zeichnet sich ein relativ hoher Anteil an Arbeitswegen auch an den Wochenenden ab.

Erklärtes Ziel ist es, den Umweltverbund zu stärken, also die Benützung von ÖV, Fahrrad und das Zufußgehen. Hier ist auch die Distanz bei den zurückgelegten Wegen ein Kriterium, denn es liegen jeweils unter Kilometern: 1 ein Viertel, 3 die Hälfte, 5 zwei Drittel, 10 drei Viertel; also Fernfahrten sind nur ein Viertel. Benützt wird bei allen zu 73 Prozent das Auto, zum Vergleich im Münchner Bereich 52 Prozent, wobei in beiden Fällen 70 Prozent Alleinfahrer registriert werden. Hier setzt Novy auf verstärkte Information, auch gilt es, vor allem schon die Jugend anzusprechen und damit auch im Sinne der Nachhaltigkeit bereits hier anzusetzen.

Einmal mehr ist Wien auch bei der Nachhaltigkeit beispielgebend, denn - anlässlich des jüngsten Expertenforums 2006 der Wiener Stadtwerke dargelegt - wird bereits an einem eigenen "Nachhaltigkeitsplan" für alle Bereiche der Wiener Stadtwerke gearbeitet, der 2008 präsentiert werden soll. Die Wiener Umweltanwältin Dr. Andrea Schnattinger verweist in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen Aktivitäten der Stadt, in vielen Fällen im Zusammenwirken mit den Wiener Stadtwerken bzw. den Wiener Linien. Denn trotz des dichten Netzes der Wiener Linen werden in Wien bei der Parkplatzsuche pro Jahr rund 4 Millionen Kilometer verfahren. Im Gegensatz zu Wien zeigen sich etwa bei den deutschen Städten erst eher zaghafte Ansätze, denn eigene "Nachhaltigkeitsbeauftragte" weisen derzeit Düsseldorf und Hannover auf, in Mannheim und in Berlin zumindest Ansätze in den Verkehrsbereichen. (Schluss) red

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