Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Wie lange brennt Napalm?

Napalm war die schrecklichste Waffe im Vietnam-Krieges: Menschen, die von den Napalm-Bomben getroffen worden sind, verbrannten - und nichts konnte die Flammen löschen. Diese Bilder prägen bis heute die Erinnerung an den grausamen Krieg.

Auch der letzte Wahlkampf hat Brände gelegt, die bis heute nicht gelöscht werden konnten. Was umso bedrückender ist, da doch der Werbechef der sozialdemokratischen Kampagne schon an deren Beginn ganz ungeniert Napalm-Einsatz angekündigt hat. Bis heute ist er übrigens dafür nicht zur Rechenschaft gezogen oder gekündigt worden. Es wäre übrigens intensiven Nachdenkens wert, warum Formulierungen, die - oft ganz unbeabsichtigt - an die NS-Zeit erinnern, zur totalen Verfemung mancher Menschen führen, solches unmenschliches Napalm-Gerede aber überhaupt nicht.

Jedenfalls ist es ziemlich absurd, wenn nun die SPÖ und ihre Vorfeldmedien so tun, als ob es ganz normal wäre, wenn auch die Familien von Gegenkandidaten attackiert werden; wenn ständig Ausdrücke wie "Lügner" verwendet werden, die im Parlament Ordnungsrufe nach sich ziehen würden; wenn in einem Wahlkampf mehrfach denunzierende Fälschungen auftauchen, die dann einfach als "Kulturaktion" vertuscht werden. Es wäre für das geistige Klima in diesem Land überaus förderlich, würde sich die SPÖ-Spitze einmal für all das - überzeugend - entschuldigen.

Dem könnte der Bundeskanzler für seinen überflüssigen Hinweis auf Gusenbauers Schweiß folgen. Und dem sollten sich auch BZÖ und FPÖ für zahllose Verunglimpfungen anschließen. Die beiden könnten lediglich den mildernden Umstand geltend machen, dass sie zum Unterschied von der SPÖ keinen von in- und ausländischen Ratgebern vorsätzlich inszenierten Aggressions-Wahlkampf geführt haben, - sondern von Natur aus so sind.

Und wie dann weiter? Es gibt schlechte und weniger schlechte Lösungen, doch nur eine einzige halbwegs gute: nämlich eine kurzfristige Zweckallianz von SPÖ und ÖVP zwecks einer Verfassungsreform und Einführung des Mehrheitswahlrechts. Nachher mögen die beiden abwechselnd regieren. Was uns unter anderem das lächerliche Vertuschen der Doppelpack-Kandidaturen ersparen würde, die da hießen: Rot-Grün versus Schwarz-Orange.

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