- 06.10.2006, 17:34:33
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar
Wien (OTS) - Wie lange brennt Napalm?
Napalm war die schrecklichste Waffe im Vietnam-Krieges: Menschen, die
von den Napalm-Bomben getroffen worden sind, verbrannten - und nichts
konnte die Flammen löschen. Diese Bilder prägen bis heute die
Erinnerung an den grausamen Krieg.
Auch der letzte Wahlkampf hat Brände gelegt, die bis heute nicht
gelöscht werden konnten. Was umso bedrückender ist, da doch der
Werbechef der sozialdemokratischen Kampagne schon an deren Beginn
ganz ungeniert Napalm-Einsatz angekündigt hat. Bis heute ist er
übrigens dafür nicht zur Rechenschaft gezogen oder gekündigt worden.
Es wäre übrigens intensiven Nachdenkens wert, warum Formulierungen,
die - oft ganz unbeabsichtigt - an die NS-Zeit erinnern, zur totalen
Verfemung mancher Menschen führen, solches unmenschliches
Napalm-Gerede aber überhaupt nicht.
Jedenfalls ist es ziemlich absurd, wenn nun die SPÖ und ihre
Vorfeldmedien so tun, als ob es ganz normal wäre, wenn auch die
Familien von Gegenkandidaten attackiert werden; wenn ständig
Ausdrücke wie "Lügner" verwendet werden, die im Parlament
Ordnungsrufe nach sich ziehen würden; wenn in einem Wahlkampf
mehrfach denunzierende Fälschungen auftauchen, die dann einfach als
"Kulturaktion" vertuscht werden. Es wäre für das geistige Klima in
diesem Land überaus förderlich, würde sich die SPÖ-Spitze einmal für
all das - überzeugend - entschuldigen.
Dem könnte der Bundeskanzler für seinen überflüssigen Hinweis auf
Gusenbauers Schweiß folgen. Und dem sollten sich auch BZÖ und FPÖ für
zahllose Verunglimpfungen anschließen. Die beiden könnten lediglich
den mildernden Umstand geltend machen, dass sie zum Unterschied von
der SPÖ keinen von in- und ausländischen Ratgebern vorsätzlich
inszenierten Aggressions-Wahlkampf geführt haben, - sondern von Natur
aus so sind.
Und wie dann weiter? Es gibt schlechte und weniger schlechte
Lösungen, doch nur eine einzige halbwegs gute: nämlich eine
kurzfristige Zweckallianz von SPÖ und ÖVP zwecks einer
Verfassungsreform und Einführung des Mehrheitswahlrechts. Nachher
mögen die beiden abwechselnd regieren. Was uns unter anderem das
lächerliche Vertuschen der Doppelpack-Kandidaturen ersparen würde,
die da hießen: Rot-Grün versus Schwarz-Orange.
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