• 05.10.2006, 10:00:00
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Psychotherapie entstigmatisieren, zugänglich und leistbar machen

Wiener Landesverband für Psychotherapie präsentiert Programm der 7. Psychotherapie-Messe gemeinsam mit der WGKK

Wien (OTS) - Nach den Erfolgen der Vorjahre veranstaltet der
Wiener Landesverband für Psychotherapie (WLP) heuer zum siebten Mal
die Publikumsmesse über Psychotherapie "Seeliges Wien" im Wiener
Rathaus, wo sich am 14. Oktober 2006 alles um das Generalthema "Love
in the City" dreht. In zahlreichen Publikumsvorträgen soll "die Liebe
jenseits von Kitsch und Klischees durchleuchtet werden", erklärt Hans
Mauder, Vorstand des Wiener Landesverbandes für Psychotherapie,
anlässlich der Programmpräsentation. Der Themenbogen bei "Love in the
City" reicht von der ersten Liebe bis zu Lust und Leidenschaft im
Alter, von der virtuellen Liebe im Internet bis zur sehr realen
Situation in Patchworkfamilien. Darüber hinaus bietet "Seeliges Wien"
die Möglichkeit, sich in einem lockeren Rahmen bei Expertinnen und
Experten über verschiedene Formen der Psychotherapie zu informieren.

Küchenmesser-OP oder Profi-Behandlung?

"Wir möchten den Menschen ein wenig die Scheu vor Psychotherapie
nehmen und ihnen zeigen, dass es sinnvoll und auch leistbar ist, bei
seelischen Problemen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen", so
Mauder. Obgleich laut WHO jeder Vierte mindestens einmal im Leben mit
einer behandlungswürdigen psychischen Störung konfrontiert ist, etwa
Depression, Magersucht, Ängste etc., werden "psychische Probleme
leider immer noch oft bagatellisiert oder belächelt", berichtet
Mauder. Sie würden selten so ernst wie ein körperliches Gebrechen
genommen. "Kein Mensch käme je auf die Idee, sich einen entzündeten
Blinddarm selbst mit dem Küchenmesser herauszuschneiden. Bei
seelischen Schmerzen glauben hingegen viele, es sei eine Peinlichkeit
und Schwäche, einen Experten zu Rate zu ziehen", so Mauder. "Wir
hoffen, mit 'Seeliges Wien' den Bewusstseinsbildungsprozess in der
Bevölkerung vorantreiben und der Stigmatisierung psychisch Kranker
entgegenwirken zu können", so Mauder.

Armut macht krank: Psychotherapie auch für Nicht-Begüterte

Dass Psychotherapie kein Privileg für Begüterte ist, sei ein
wesentliches gesundheitspolitisches Ziel der Wiener
Gebietskrankenkasse (WGKK), betonte WGKK-Obmann Franz Bittner. "Unser
Anliegen ist es, besonders jenen Menschen einen Zugang zu
psychotherapeutischen Leistungen zu ermöglichen, für die hohe
Selbstbeteiligungen oder eine völlig private Finanzierung einer
Therapie undenkbar wären", so Bittner. Gerade für diesen
Personenkreis sei dies von besonderer Bedeutung, denn: "Armut kränkt
die Seele: Von allen Beziehern von Antidepressiva gehören laut
Armutskonferenz Erwerbslose zur größten Gruppe. Überproportional
betroffen sind zudem Menschen, die von der Sozialhilfe leben müssen,
und Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen", erläutert Bittner.

"Psychotherapie auf Krankenschein" - Wien auf Platz 1

Was die Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen
betrifft, ist Wien im Bundesvergleich die unangefochtene Nummer eins.
Die WGKK liegt sowohl beim Therapiestundenangebot "auf Krankenschein"
als auch beim Aufwand für Psychotherapie deutlich über dem
Österreich-Durchschnitt. Im Jahr 2004 wurden pro 1000 Einwohner knapp
140 Psychotherapiestunden auf Krankenschein geboten. Im
Österreichschnitt waren es weniger als 49 Stunden. Pro Versichertem
lag der Aufwand für Psychotherapie bei knapp zwölf Euro, bundesweit
war es nur etwa die Hälfte.

WGKK kooperiert mit mehr als 500 PsychotherapeutInnen

Seit 2001 können die Versicherten der WGKK ein erweitertes Angebot
an Psychotherapie "auf Krankenschein" in Anspruch nehmen, also ohne
Vorfinanzierung oder Zuzahlung. Wer sich beim Psychotherapeuten
seiner Wahl behandeln lassen will, hat die Möglichkeit, um eine
Kostenerstattung oder einen Kostenzuschuss anzusuchen. Insgesamt hat
die WGKK im Jahr 2005 knapp 16,6 Millionen Euro für Psychotherapie
ausgegeben. "Wir kooperieren mit mehr als 500 Psychotherapeutinnen
und -therapeuten. Wir haben Verträge mit der Wiener Gesellschaft für
Psychotherapeutische Versorgung (WGPV) und dem Verein für ambulante
Psychotherapie, weiters mit spezialisierten Instituten, die sich z.B.
Kindern, Menschen mit Essstörungen oder MS-Kranken annehmen. Darüber
hinaus bietet die WGKK psychotherapeutische Betreuung in den eigenen
Ambulanzen an sowie über Vertragsärztinnen und -ärzte mit
psychotherapeutischer Berufsberechtigung", so Bittner. Die WGKK hat
für 2006 ein Jahreskontingent von 75.000 Stunden mit der WGPV
paktiert. Weitere 45.000 Stunden wurden mit dem Verein für ambulante
Psychotherapie (VAP) vereinbart.

Stark steigender Bedarf in manchen Bereichen

Obgleich Wien im Bundesvergleich Vorreiter ist, ist der
psychotherapeutische Bedarf längst nicht gedeckt. "Wir versuchen, das
Angebot laufend zu erweitern. So wurde das Kontingent für Kinder und
Jugendliche aufgestockt. Zusätzliche Störungsbilder, etwa
Drogenabhängigkeit, sollen ebenfalls als behandlungswürdig anerkannt
werden. Zudem soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass in
manchen Bereichen der Bedarf massiv ansteigt, zum Beispiel beim
Problemfeld Essstörungen, wie etwa die Beratungsstelle 'So what'
berichtet", so Bittner.

Mehr Psychotherapie - humanitäres und volkswirtschaftliches Gebot

Dass noch viel für die Ausweitung des psychotherapeutischen
Angebotes getan werden muss, sei laut Bittner nicht nur humanitäres
Gebot; es rechne sich auch volkswirtschaftlich: Die WHO schätzt, dass
sich die Kosten für psychische Störungen in entwickelten
Industriestaaten auf drei bis vier Prozent des Bruttoinlandprodukts
summieren. Allein für Antidepressiva geben die sozialen
Krankenversicherungen in Österreich 57 Millionen Euro pro Jahr aus.
"Die WGKK hat 2005 12,4 Mill. Euro für 650.000 Packungen
Antidepressiva aufgewandt. Mehr Akzeptanz für seelische Nöte und ein
größerer finanzieller Aufwand für Psychotherapie könnten vermutlich
nachhaltigere und auch kostengünstigere Lösungen erzielen als Pillen
im fortgeschrittenen Stadium einer psychischen Störung", schließt
Bittner.

Rückfragehinweis:

Mag. Eva Teufelhart
   Wiener Landesverband für Psychotherapie 
   Tel.: 0699 19433510
   E-Mail: [email protected]
   http://www.psychotherapie.wien.at
      
   Mag. Gabriele Pflug
   Wiener Gebietskrankenkasse
   Öffentlichkeitsarbeit
   Tel.: 01 60 122 - 2685 
   Mobil: 0676 8770 2119
   E-Mail: [email protected]
   http://www.wgkk.at

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