• 04.10.2006, 09:30:06
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ÖAMTC: Negativ-Rekord - Bereits 80 Fahrzeugrückrufe im ersten Halbjahr 2006

Club fordert mehr Transparenz - schwere Mängel werden schöngefärbt

Wien (OTS) - "Während es im Jahr 2000 noch 40 Rückrufe im Jahr
gegeben hat, waren es heuer allein im ersten Halbjahr bereits 80. Bis
Jahresende könnten wir erstmals die 100er Marke überschreiten, was
ein neuerlicher Negativ-Rekord wäre", erklärt ÖAMTC-Techniker Erwin
Dobias. Das Ansteigen der Defekte bei Neufahrzeugen sieht er als
besorgniserregend. "Wenn man bedenkt, dass bei Rückrufaktionen nur
sicherheitsgefährdende Bauteile betroffen sind, ist die große Zahl
der Rückrufaktionen besonders alarmierend."

Waren im Vorjahr Elektronikpannen noch für jede zweite
Fahrzeug-Rückrufaktion verantwortlich, nehmen nun mechanische Defekte
zu. "Im ersten Halbjahr 2006 entfielen 27 Prozent auf
Elektronik/Elektrik-Mängel und 73 Prozent auf mechanische Defekte",
weiß der ÖAMTC-Experte.

Fahrzeugbesitzer müssen Rückrufaktionen unbedingt ernst nehmen.
Defekte, die zunächst harmlos klingen, können fatale Folgen haben. So
kann ein Fahrzeug, das während der Fahrt plötzlich abstirbt, in einem
Tunnel oder auf der Autobahn verheerende Auffahrunfälle verursachen.
Auch mechanische Defekte, wie das Wegbrechen eines Rades oder der
Ausfall der Lenkung oder der Bremsen können lebensgefährlich für alle
Insassen sein.

Der Club kritisiert vor allem die Informationspolitik der
Fahrzeughersteller. "Gibt ein Defekt Anlass für einen Rückruf,
handelt es sich um einen schweren Mangel, der sicherheitsgefährdend
ist. Allzu oft werden solche Mängel aber bagatellisiert", so Dobias.
So behaupten einige Hersteller, dass etwa der Ausfall einer
Servounterstützung für Lenkung oder Bremse die Funktionalität nicht
beeinträchtige, sondern lediglich die Brems- und Lenkkräfte etwas
höher werden. "Tatsache ist aber, dass z.B. ein zwei Tonnen schwerer
Geländewagen auf einer kurvenreichen Passstraße bei Ausfall einer der
genannten Unterstützungen vom Fahrer kaum mehr kontrolliert werden
kann. So etwas kann lebensgefährlich werden", warnt der
ÖAMTC-Experte.

Stille Rückrufe sollen negatives Image verhindern

Ob eine Rückrufaktion durchgeführt wird oder nicht, entscheidet
der Fahrzeughersteller selbst. Viele Hersteller begnügen sich mit
Rückrufen, die im "stillen Kämmerlein" durchgeführt werden und
starten statt eines Rückrufes lieber eine sogenannte
"Werkstättenaktion". Mit einem wesentlichen Unterschied: Bei einer
Rückrufaktion müssen Verkehrs- und Konsumentenschutzministerium sowie
der Versicherungsverband, wo alle Zulassungsdaten gespeichert sind,
verständigt werden. So ist gewährleistet, dass auch Zweit- und
Drittbesitzer von Fahrzeugen erreicht werden. Mit einer
Werkstättenaktion werden nur in der Kundenkartei registrierte
Fahrzeughalter informiert.

Da Importeure oder Hersteller nicht immer ausreichend transparent
über sicherheitsrelevante Mängel informieren, fordert der ÖAMTC eine
Expertenrunde. Diese könnte aus Vertretern des Verkehrs- und
Konsumentenschutzministeriums, des Fachverbandes der
Automobilimporteure, des VKI sowie den Autofahrerclubs bestehen. Die
Forderung: Die Fachleute entscheiden, wie mit einem gemeldeten Mangel
verfahren wird. Das kann entweder eine Service- oder eine
Rückrufaktion sein. "Der Expertenbeschluss sollte rechtsverbindlich
sein und darf weder vom Fahrzeughersteller noch vom Importeur
beeinsprucht werden", sagt Dobias abschließend.

(Schluss)

Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Margret Handler
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
mailto:[email protected]
http://www.oeamtc.at

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