Europas führende Dorferneuerungsorte prämiert!

Vier österreichische Gemeinden unter den Sieganwärtern

Wien (OTS) - Koudum in Holland gewinnt Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 - Rund 900 Dorferneuerungsakteure wohnen stimmungsvoller Preisverleihung in Sachsen-Anhalt bei - die sieben österreichischen Teilnehmer von beeindruckender Qualität

"Seit 1990 ruft die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung alle zwei Jahre zum Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Heuer geht diese begehrte Auszeichnung erstmals nach Holland, und zwar an den 2.750 EinwohnerInnen zählenden Ort Koudum, wo es auf Basis ausgeprägter Eigeninitiative, Bürgerengagement und unternehmerischem Risiko auf überzeugende Weise gelungen ist, das Wettbewerbsmotto 'Wandel als Chance' in die Tat umzusetzen und eine nachhaltige Dorfentwicklung auf den Weg zu bringen", betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Erwin Pröll, aus Anlass der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt, Deutschland, der Siegergemeinde des Jahres 2004. Dem Festakt wohnten neben einer Reihe hochrangiger Persönlichkeiten und rund 900 Dorferneuerungsaktivisten aus zahlreichen europäischen Staaten auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer und Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke, beide Magdeburg, bei. Workshops, Exkursionen und ein Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm der von der Europäischen Union geförderten und von der ARGE in Kooperation mit der Gemeinde Ummendorf und dem Land Sachsen-Anhalt durchgeführten Veranstaltung ab.

Koudum: mutige und zukunftsorientierte Entwicklung

Das zur Gemeinde Nijefurd gehörende Koudum, jahrzehntelang ein Zentrumsort mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung, verlor 1984 durch eine Gemeindegebietsreform schlagartig seine Funktion als Amtszentrum, was binnen Kurzem das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben lahm legte. Doch die Opferhaltung währte nicht lange und bald regten sich vielfältige Bürgerinitiativen, die darauf abzielten, Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. "Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung eines Neubaugebietes, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch eine Stiftung - auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der dadurch induzierte Wohnimpuls bewirkte einen deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahlen und der Wirtschaftskraft", erklärte der Vorsitzende der 17-köpfigen, internationalen Wettbewerbsjury, Univ.-Prof. Matthias Reichenbach-Klinke, Technische Universität München.

Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Projekten -getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen, PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von nachhaltiger Orientierung - seien exemplarisch angeführt:

  • Unterstützung für Existenzgründer, der örtlichen Mühle und der Gartenbau¬betriebe
  • Erhalt der Schule durch räumliche und inhaltliche Verschränkung mit lokaler Radio- und Fernsehstation, Bibliothek, Jugendtreff und Musikschule
  • Neuansiedlung wichtiger Dienstleistungseinrichtungen im sozialen, kulturellen und touristischen Bereich
  • Verbesserung der Siedlungsentwicklung und des Ortsbilds sowie Umnutzung zahlreicher leer gefallener Gebäude, etwa zu einem Bildhauerzentrum und einer Pflegediensteinrichtung
  • Bedürfnis gerechtes Wohnen und Arbeiten für Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps sowie qualitätvolle Infrastrukturen für Senioren- und Kinderbetreuung
  • Abgeschlossene Planung zur Errichtung einer Biogasanlage durch eine Bauerngemeinschaft
  • Nutzung von Naturschutzprogrammen als Entwicklungspotenzial
  • Entwicklungshilfepartnerschaft mit Tansania zum Know-how- Transfer und zur Errichtung einer Molkerei.

Österreichische Teilnehmer absolut "top" im europäischen Vergleich

Der 9. Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis zeichnete sich durch eine große Teilnehmerzahl (30 Orte bzw. Gemeinden bzw. Mikroregionen aus ebenso vielen europäischen Regionen) sowie ein außerordentlich hohes Niveau aus. Besonders erfreulich aus rot-weiß-roter Sicht ist, dass mit Gurk (Kärnten), Impulsregion 21 (Salzburg), Schwarzach (Vorarlberg) und Ybbsitz (Niederösterreich) vier der elf Sieganwärter, die mit einem "Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität" ausgezeichnet wurden, aus Österreich kommen. 14 Teilnehmer, darunter Almenland (Steiermark) und Neutal (Burgenland), erhielten einen "Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung", Schwendau (Tirol) wurde gemeinsam mit drei anderen Gemeinden eine "Lobende Anerkennung besonderer Leistungen" ausgesprochen.

Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik.

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Theres Friewald-Hofbauer, Projektleiterin
Europäische ARGE, Landentwicklung und Dorferneuerung
Tel.: ++43/1/533 84 01, Fax: ++43/1/533 84 01-20
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