- 28.09.2006, 10:19:24
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Tag des Alters ist auch Tag des Diabetes
Wien (OTS) - Es ist ruhig geworden um "die Alten", die
Pflegedebatte scheint vorerst ausdebattiert. Grund zur Diskussion
gäbe es freilich weiterhin: In den kommenden Jahrzehnten wird die
Zahl der über 74-jährigen Diabetespatienten in Österreich um mehr als
50 Prozent steigen. Und mit ihr die Zahl der Pflegebedürftigen. Die
Österreichische Diabetesgesellschaft (ÖDG) erinnert anlässlich des
Internationalen Tags der älteren Menschen am 1. Oktober an die
gesellschaftliche und gesundheitspolitische Bedeutung der
heimtückischen Stoffwechselkrankheit.
Weltweit steigt die Zahl der Diabetiker. Knapp 200 Millionen
Menschen leben derzeit mit dem Typ II der Stoffwechselkrankheit, dem
so genannten Altersdiabetes. Bis 2030 werden es laut
Weltgesundheitsorganisation 366 Millionen sein - zwei Drittel davon
älter als 64 Jahre. "Die Zahl der 60- bis 74-jährigen
Diabetespatienten in Österreich wird bis zum Jahr 2030 von 54.000 auf
88.000 steigen, bei den über 74-Jährigen von 36.000 auf 66.000",
zitiert Prim. Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner Hochrechnungen
des Österreichischen Diabetesberichtes auf Basis des Mikrozensus
1999. Die Dunkelziffer liege aber weit höher, so die Präsidentin der
ÖDG. "Wir gehen heute laut europäischer Studien davon aus, dass jeder
zweite Betroffene nichts von seiner Erkrankung weiß", sagt Prim.
Univ.-Doz. Dr. Peter Fasching, vom Geriatriezentrum Baumgarten. Eine
Tatsache, die sich leicht ändern ließe: Durch einfache Blut- und
Harntests beim Hausarzt für alle Über-70-Jährigen und durch
Prävention bzw. Behandlung mit Hilfe altersgerechter Bewegungs- und
Ernährungsprogramme.
Schwerwiegende Folgen für Patient und Gesundheitssystem
"Diabetiker über 60 haben im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen
eine um das Zweifache erhöhte Sterblichkeit, ein doppelt so hohes
Risiko für körperliche Beeinträchtigungen und werden zwei Mal
häufiger stationär im Spital aufgenommen", sagt Peter Fasching. "Für
das Gesundheitssystem bedeutet Diabetes bei Senioren zwischen 60 und
74 Jahren zwei bis drei Mal höhere Kosten als bei gleichaltrigen
Nichtdiabetikern." Ein Großteil dieses Geldes fließt in die
Behandlung von diabetischen Folgeerkrankungen wie dem Diabetischen
Fuß oder der Nierenersatztherapie.
Und: Diabetes im Alter erhöht die Wahrscheinlichkeit für
Erkrankungen, die nicht per se mit "dem Zucker" einhergehen: "Betagte
Menschen mit Diabetes mellitus leiden häufiger als gleichaltrige
Nichtdiabetiker an geriatrischen Syndromen: an Demenz und Inkontinenz
beispielsweise, an Depression oder chronischen Schmerzen", weiß
Monika Lechleitner. Die Selbstständigkeit geht verloren, die Menschen
werden unnötig früh pflegebedürftig.
Kein Schema F bei HbA1c-Wert
Werden die Patienten dagegen rechtzeitig diagnostziert und optimal
eingestellt, lassen sich Folgeerkrankungen vermeiden oder
hinauszögern. Dabei sei es wichtig, so Peter Fasching, ältere
Diabetiker spezifisch zu behandeln. "Neben den für alle Altersgruppen
obligaten modernen, sicheren Medikamenten und Insulinen braucht es
für Diabetiker ab 60 unbedingt alterstaugliche Hilfsmittel - etwa zur
Insulinapplikation und Blutzuckerselbstmessung - sowie altersgerechte
Schulungsprogramme." Nicht nur die Diabetologie stehe in dieser
Hinsicht vor neuen Herausforderungen: Kollegen aller betroffenen
Disziplinen säßen im selben Boot - der Allgemeinmediziner ebenso wie
der Nephrologe, der Neurologe und der Geriater. "Vor allem müssen
Angehörige und alle weiteren Betreuungspersonen eng in die
Therapiekonzepte eingebunden werden", so Fasching.
Differenziert betrachtet werden müsse auch der
Langzeit-Blutzuckerwert, der HbA1c-Wert, so Fasching. Er soll
generell für Diabetiker bis 70 Jahre unter 7 Prozent liegen
(Normalwert: unter 6%). "Bei Älteren gilt dieser Wert nicht mehr als
zwingend", sagt Fasching. "Den modernen internationalen Leitlinien
entsprechend werden die Zielwerte für die Stoffwechselkontrolle
gemeinsam mit dem Patienten definiert, abhängig von Wohlbefinden,
Zusatzerkrankungen, Funktionsstatus und Lebenserwartung. In der Regel
liegt dieser individuell mit dem Arzt vereinbarte HbA1c-Ziel-Wert
zwischen 6,5% und 8,5%. Bei der Behandlung betagter Patienten sollen
dabei nicht Laborwerte im Vordergrund stehen, sondern der Mensch in
seiner Gesamtheit und darum, wie er und sein Umfeld mit der
Erkrankung zurechtkommen."
Anlässlich der kommenden Jahrestagung in Innsbruck von 16. bis 18.
November 2006 wird daher die Österreichische Diabetesgesellschaft
nationale Empfehlungen zur spezifischen Behandlung des älteren
Diabetikers in Ergänzung der seit 2004 bestehenden ÖDG-Leitlinien
präsentieren, um die Gesundheitsanbieter in der Praxis zu
unterstützten und damit die Betreuung dieser wichtigen
Patientengruppe zu optimieren.
Rückfragehinweis:
Michael Leitner
Trimedia Communications Austria
Tel: 01/524 43 00
Fax: 01/524 43 00/20
mailto:[email protected]
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