ÖAMTC-Winterreifen-Test 2006: 35 Pneus auf dem Prüfstand (+Grafik, +Foto)

"Geiz ist gefährlich" - Billigprodukte landen einen glatten Ausrutscher

Wien (OTS) - Tests rund um den Erdball, bei jeder Tages- und Nachtzeit - die unabhängigen Experten des ÖAMTC scheuten keinen Aufwand für den bislang umfangreichsten und aufwändigsten Winterreifentest 2006. Insgesamt 35 Pneus lieferten sich eine Rutschpartie. Und 'Ausrutscher' gab es einige. "Nur viermal gab es ein 'sehr empfehlenswert', zwölf 'empfehlenswert', sieben 'bedingt empfehlenswert' und sieben 'nicht empfehlenswert'", erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel. Geprüft wurden heuer drei Größen: Die Dimension 185/60 R 14 T (für Kleinwagen- und Kompaktklasse wie Fiat Punto, VW Polo oder Skoda Fabia), die Größe 195/65 R 15 T und die Dimension 205/55 R 16 H (beide für die Mittelklasse wie etwa BMW 3er, Peugeot 307 oder Golf V).

"Ausgerutscht" - Billigreifen sorgen für endlos lange Bremswege bei Nässe

In der meisterverkauften Dimension 195/65 R 15 T kamen gängige Billigreifen auf den Prüfstand - mit einem eindeutigen Ergebnis:
"Geiz ist nicht 'geil', sondern gefährlich", so Eppel. In dieser Testreihe mussten sich Billigprodukte dem Vergleich mit einem Sieger aus dem Vorjahr stellen. Bis auf ein Modell hatten alle "Probanden" mit Schwierigkeiten zu kämpfen. "Besonders auf nasser Fahrbahn zeigen sich gravierende Schwächen mit endlos langen Bremswegen", urteilt der ÖAMTC-Experte. Löbliche Ausnahme ist der Sava Eskimo S3 aus dem Hause Goodyear. In neuester Ausführung überzeugt er zwar nicht auf nasser Fahrbahn, wurde aber insgesamt mit "empfehlenswert" beurteilt. "Bei Winterreifen im unteren Preissegment zeigte der Test ganz klar: Wer spart, setzt die eigene Sicherheit aufs Spiel", so Eppel.

ÖAMTC testet die neuesten Produkte am österreichischen Markt

Überraschende Ergebnisse lieferte der Club-Spezialtest in der Dimension 205/55 R 16 H. In dieser Reifengröße gibt es die neuesten Innovationen am Markt. Die Experten des ÖAMTC wollten wissen, ob sich Vorserienreifen - damit werden oft anderswo Tests absolviert - von denen unterscheiden, die der Kunde schlussendlich zu kaufen bekommt. Die Antwort lautet ja. "Wir stellten fest, dass der Umstieg auf die Serienproduktion nicht immer 'spurlos' vor sich geht", erklärt Eppel. "So gab es etwa für den Semperit Speed-Grip im Vergleich zu den Vortests leichte Abzüge im Schnee und bei Nässe. Auch der Goodyear Excellence kommt im Schnee nicht an das Niveau des Vorserienreifens heran." Trotzdem beweist der alpenerprobte Semperit Speed-Grip bei diesem Test seine Fähigkeiten als bester Winterkraxler. Lediglich auf trockener Fahrbahn zeigt er Schwächen. Der ebenfalls brandneue Goodyear UltraGrip Performance schlägt sich bei den Wintereigenschaften nur durchschnittlich, ist dafür aber auf trockener Fahrbahn stabiler. Auch der bewährte Pirelli Sottozero kann mit den neuen Produkten gut mithalten. Der als vollwertiger Winterreifen angepriesene Nokian All Weather Plus mag dies im Flachland zwar sein, kann dieses Versprechen auf alpinen Bergstraßen allerdings nicht halten. Dem Bridgestone LM-25 rollen die neuesten Produkte davon, der oftmalige Testsieger wird sich aber sicher nicht so schnell geschlagen geben.

Dichtes Gedränge an der Spitze bei den "Kleinen"

Der Vorjahressieger UltraGrip 7 von Goodyear verpasste einen Spitzenplatz nur knapp. "Er zeigte im Aquaplaning Schwächen", erklärt der ÖAMTC-Reifenexperte. Vier Modelle wurden in der kleineren Dimension 185/60 R 14 T mit "sehr empfehlenswert" beurteilt und gleich acht weitere mit "empfehlenswert". Neben sehr guten Einzelleistungen überzeugt der neue Alpin A3 von Michelin wieder einmal beim Verschleiß und im Rollwiderstand. Schneekönig in dieser Klasse ist aber eindeutig der Pirelli Snowcontrol mit dem meisten Vortrieb im Schnee. Die bewährten Produkte Bridgestone LM-20 und Continental TS 800 brachten ebenfalls erneut Spitzenleistungen.

In dieser Dimension wurden auch fünf Ganzjahresreifen getestet. Ganzjahresreifen sind besonders bei Wenigfahrern und im SUV-Bereich beliebt. "Sie können aber immer nur ein Kompromiss sein", erklärt Eppel. Die Beurteilung in diesem Test erfolgte nach den Maßstäben und Gesichtspunkten von Winterreifen. Drei Produkte schnitten daher mit "empfehlenswert" ab. Nach den Maßstäben von Sommerreifen beurteilt, würden alle fünf getesteten Produkte auf Grund ihrer schlechteren Nass- und Trockengriffeigenschaften aber nur ein "bedingt empfehlenswert" bekommen. "Werden diese Reifen zudem noch im Sommer gefahren, so verlieren die Kanten schnell ihre Schärfe, der Schnee-und Eisgriff lässt nach", erläutert der Experte. "Zudem haben Ganzjahresreifen im Sommer ein deutlich geringeres Sicherheitspotenzial auf trockener Straße."

Eine ausführliche Übersicht aller getesteten Reifen findet man auf der ÖAMTC-Homepage im Internet unter www.oeamtc.at/reifentests. Hier sind auch die Ergebnisse aller anderen bisher durchgeführten Reifentests abrufbar.

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Fotos und eine Grafik zu dieser Meldung sind im Download auf der Homepage des Clubs unter www.oeamtc.at/presse verfügbar.

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