AK Umfrage: Geldmangel bremst Ausbau ganztägiger Schulen

Nur 33 von insgesamt 78 Bezirkshauptstädten haben das Angebot ausgeweitet

Wien (OTS) - Der Geldmangel der Gemeinden bremst den Ausbau der ganztägigen Schulen, wie er seit Schulbeginn vorgesehen ist. Das ergibt eine aktuelle AK Umfrage unter den BürgermeisterInnen aller Bezirkshauptstädte außerhalb Wiens. Nur 33 von insgesamt 78 Bezirkshauptstädten haben das ganztägige Betreuungsangebot an ihren Volksschulen ausgeweitet - und nur zwei BürgermeisterInnen sagen, die Unterstützung, die dafür vom Bund kommt, ist ausreichend. "Damit ist Bildungsministerin Gehrers Gesetz für so genannte Schulen mit Nachmittagsbetreuung absolut unzureichend", kritisiert die stellvertretende AK Direktorin Johanna Ettl: "Wir haben nach einer ersten Umfrage unter den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Frühsommer 2005 davor gewarnt, dass ausreichend ganztägige Schulangebote an mangelnder Unterstützung durch den Bund scheitern. Jetzt ist genau das passiert." Die Arbeiterkammer verlangt einen Sonderfinanzierungsplan des Bundes für zusätzlich 100.000 ganztägige Schulplätze in einem ersten Schritt.

Das Gesetz der Bildungsministerin für neue "Schulen mit Nachmittagsbetreuung" ist ohnehin bescheiden, kritisiert Johanna Ettl: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Familien, die noch Kinder im Kindergarten haben, brauchen ab Schuleintritt ganztägige Schulbetreuung für ihre Kinder - das entspricht einem Bedarf an über 40.000 Nachmittagsbetreuungsplätzen pro Jahrgang. Aber laut den Erläuterungen zum neuen Gesetz rechnet die Ministerin nur mit 14.700 neuen ganztägigen Plätzen, die für alle Jahrgänge bis zum Alter von 14 Jahren eingerichtet werden. Und selbst dafür werden nur 5 Lehrerstunden pro Gruppe und Woche bezahlt - für den nötigen Umbau der Schulen und zusätzliches Personal müssen die Gemeinden als Schulerhalter aufkommen. Ettl: "Da ist es kein Wunder, dass bei den ganztägigen Schulen wenig weitergeht."

59 aller 78 BürgermeisterInnen der Bezirkshauptstädte halten den Ausbau ganztägiger Volksschulen für sinnvoll (das sind 76 Prozent), doch schon im Frühsommer 2005 sagten bei einer ersten AK Umfrage 70 Prozent der Befragten, ihre Gemeinde könne den Ausbau ganztägiger Betreuung an den Volksschulen unmöglich zahlen. Zu Schulbeginn haben jetzt tatsächlich nur 33 der Bezirkshauptstädte (das sind 42 Prozent) das ganztägige Betreuungsangebot an ihren Volksschulen ausgeweitet oder haben es zumindest vor - wobei nur zwei der 33 BürgermeisterInnen die Unterstützung vom Bund reicht.

Ganztägige Volkschule ausgebaut: Reichen die Bundesmittel? Antworten der 33 Bürgermeister, wo ausgebaut wurde: reichen nicht 24 Bürgermeister (73 Prozent) nicht abzuschätzen 7 Bürgermeister (21 Prozent) reichen 2 Bürgermeister (6 Prozent)

"Die Entwicklung ist absolut unbefriedigend für die Eltern und ihre Kinder", sagt Ettl: "Wir wissen, dass immer mehr Eltern zu Hause mit den Kindern lernen oder teure Nachhilfe zahlen müssen, weil die Schule zu wenig Verantwortung für den Lernerfolg ihrer Kinder übernimmt. Das benachteiligt gerade jene Kinder, deren Eltern selber wenig lernen konnten und auch nicht das Geld für Nachhilfe haben." Eine Lösung sei der rasche Ausbau ganztägiger Schulen. Ettl verlangt einen Sonderfinanzierungsplan des Bundes für zunächst zusätzlich 100.000 ganztägige Schulplätze in einem ersten Schritt: Der Bund und die Länder müssen finanzschwache Gemeinden bei der Einrichtung und beim Ausbau ganztägiger Schulen unterstützen. In den nächsten zehn Jahren sollen pro Jahr zusätzlich 10.000 ganztägige Plätze an den Volksschulen eingerichtet werden. Mittelfristig will die Arbeiterkammer den generellen Umstieg auf ganztägige Schulen.

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