- 18.09.2006, 20:32:06
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Benedikt und Johannes Paul: Nur der Stil unterscheidet sie" (von Stefan Winkler)
Ausgabe vom 19.09.2006
Graz (OTS) - Man kann es gar nicht oft genug sagen: In der
Regensburger Rede von Benedikt XVI. war nichts Unangebrachtes, das
den Sturm der Entrüstung, der jetzt über die islamische Welt
hinwegfegt, oder gar den feigen Mord an einer Ordensfrau in Ostafrika
rechtfertigen würde.
Weder hat der Papst den Islam pauschal herabgewürdigt, noch hat er
dessen Propheten Mohammed beleidigt. Ohne damit zu rechnen, dass ein
mittelalterliches Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. aus dem
Zusammenhang gerissen und entstellt würde, hat Benedikt über die
Perversion von Religion gesprochen und darüber, dass
Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig sei.
Nicht dieses klare Nein zum heiligen Krieg als "lebensgefährliche
Erkrankung von Religion" ist also der Skandal, sondern die
unverhältnismäßige Antwort darauf.
Will der Westen verhindern, dass das Prinzip der freien
Meinungsäußerung auf kurz oder lang von einer Kultur der Unfreiheit
unterhöhlt wird, die bereits das korrekte Verwenden historischer
Zitate als Gotteslästerung auffasst und mit Gewaltexzessen und
Mordaufrufen ahndet, darf er sich der Erpressung durch fanatisierte
Islamisten nicht beugen.
Doch wie schon im Karikaturenstreit melden sich auch diesmal die
üblichen Besorgten zu Wort, die sich ängstlich ducken und Verständnis
für die Verletzung religiöser Gefühle vorgeben. Johannes Paul II.
wäre ein so kapitaler Fehler nie unterlaufen, greinen sie.
Das mag im Ansatz sogar stimmen: Als intuitiver Charakter hätte Karol
Wojtyla die Gefahr der bösartigen Manipulation von Zitaten und deren
suggestive Wirkung auf den Mob vielleicht eher vorausgeahnt als
Joseph Ratzinger, der Mann des rationalen Disputs.
Das heißt allerdings nicht, dass Johannes Paul der nette und
unverbindliche Opa war, zu dem ihn manche nun in Abgrenzung zu seinem
Nachfolger posthum stilisieren wollen.
In der Sache selbst war Johannes Paul um nichts unnachgiebiger als
Benedikt: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001, bei denen
tausende Unschuldige starben, hat er kategorisch jede Gewalt unter
dem Deckmantel der Religion aufs Schärfste verurteilt. Fanatismus und
Terrorismus würden den Namen Gottes entweihen und das echte Bild des
Menschen entstellen, riss er den feigen Bombenlegern von New York,
Washington, London und Madrid die Maske vom Gesicht.
Nichts anderes hat Benedikt XVI. getan. Stilistisch mag er sich zwar
stark von seinem Vorgänger unterscheiden. Inhaltlich passt zwischen
die beiden kein Blatt. ****
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