• 16.09.2006, 20:47:49
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Neue "Kärntner Tageszeitung" - KOMMENTAR von Manfred Posch: Blau/oranges Hetztheater

Klagenfurt (OTS) - Bis 1796 bestand in Wien das "k.k.
privilegierte Hetztheater", eine hölzerne Arena, in der Wölfe, Hunde,
Bären gegeneinandergehetzt wurden. Die Hauptdarsteller dieser
armseligen Show zerfleischten einander; zum Gaudium des Publikums
ließ man gelegentlich auch Löwen auf Ochsen los. Die Hetzgasse (III.
Bezirk) erinnert an dieses Theater, und wer heute meint, "eine Hetz"
gehabt zu haben, wandelt unbewusst auf den Spuren des abscheulichen
Geschehens. Der Begriff gehe auf besagte viehische Quälerei zurück,
lehrt uns Gerhard Roth in seinem bedeutenden Zyklus "Die Archive des
Schweigens".

Andere Zeiten, andere Hetze: In einem zeitgenössischen Hetztheater,
nämlich der ORF-Arena, verbreiteten Freitagnacht FPÖ-Obmann
Heinz-Christian Strache und BZÖ-Chef Peter Westenthaler üble Gerüche.
Da floss (virtuelles) Blut in Strömen, da wurde unbekümmert
drauflosgehetzt (z. B. gegen Ausländer), da wurde kein noch so
niveauloser, mieser Untergriff ausgelassen, um den Gegner schlechter
ausschauen zu lassen, als er es ohnedies ist.

Um Gottes willen: Die Vorstellung, jene Chefs zweier sonderbar
ineinander verkrallter Mini-Parteien könnten nach der
Nationalratswahl Kompetenzzuwachs erfahren, lässt einem die Haare zu
Berge stehen. Besagte Vorstellung spiegelt denn auch die fatale
Situation, in der sich ein Bundeskanzler Schüssel, ein
Landeshauptmann Haider befinden. Wer Leute vom Schlage der
Straches/Westenthalers, deren billige Aggressivität und plumpe
Rosstäuschermethodik akzeptiert, dessen sowohl politische wie
menschliche Zukunft hebt sich nicht gerade strahlend vom
Hoffnungshorizont ab.

Für wie blöd die beiden Hetz-Diskutanten ihre Klientel halten, ist
allein aus den makabren Versuchen abzulesen, sich jeweils mit
nationalen Standpunkten und Law and Order als wahrer Freiheitlicher
zu positionieren und den anderen als unfähigen Rechtsaußen
abzuqualifizieren (Zitat Politologe Filzmaier/APA).

Und so schossen die einstigen Freunde, nunmehrigen Feinde und
vielleicht bald wieder guten Freunde einen plump geschnitzten
Giftpfeil nach dem anderen ab. Geschosse der Marke Billigstdorfer.
Das moderne Österreich hat Volksvertreter solchen Kalibers wahrlich
nicht verdient! Ein Trost bleibt uns: Das untergriffige Match, diese
letztklassige Schlammschlacht sah keinen Sieger. Meinungsforscher
Bachmayer hat recht mit seinem Befund: "Bei diesem Grad von
Destruktion kann es nur Verlierer geben."

Rückfragehinweis:

Neue Kärntner Tageszeitung
   Viktringer Ring 28
   9020 Klagenfurt
   
   Chefredakteur
   Manfred Posch
   Tel.: 0463/5866-501
   E-Mail: [email protected]

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