• 15.09.2006, 09:26:15
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Schulische Tagesbetreuung à la Cortolezis-Schlager eine Drohung

Wien (OTS) - Zentralverein der Wiener LehrerInnen: ÖVP will
Betreuungsbatterien statt Betreuungsqualität

"Wenn es nach Frau Mag. Cortolezis-Schlager ginge, fände die
schulische Nachmittagsbetreuung in Klassenzimmern und Wirtshäusern
statt." So kommentierte Martin Kirchmayer, geschäftsführender
Vorsitzender des Zentralvereins der Wiener LehrerInnen, die jüngsten
"dubiosen Briefaktionen" der ÖVP an Wiener Pflichtschulen. Dabei
betonte er, dass Wirtshäuser zwar eine willkommene Einrichtung seien,
ob sie jedoch für 6-jährige der richtige Freizeitort wären, stellte
er in Frage. ****

Nachdem sich die ÖVP scheinbar an keinerlei Spielregeln halten
müsse, landete ein weiteres ÖVP-Wahlschreiben in den Direktionen der
Wiener Pflichtschulen. Thema "Tagesbetreuung". In diesem Schreiben
legt Cortolezis den Schulen nahe, dass ab der Anzahl von 15
interessierten Eltern eine Tagesbetreuung einzurichten wäre. "Diese
Information ist vollkommen falsch! Das Bundesgesetz regelt ganz klar,
dass auf andere Betreuungseinrichtungen, z.B. Horte, und die
räumlichen Vorraussetzungen (Küche, Freizeitbereiche,…) zu achten
sei", erklärt Martin Kirchmayer und geht dementsprechend davon aus,
dass die "ÖVP-Brieffreundin" die eigenen Gesetze nicht kenne.

Wien ist bundesweiter Spitzenreiter bei Nachmittagsbetreuung

Statt den Kindern und Eltern eine unzumutbare Nachmittagsaufsicht
anzudrohen, solle Cortolezis zu folgenden Zahlen Stellung nehmen: "Im
Schuljahr 2005/06 wurden an Österreichs Pflichtschulen in Summe
43.831 SchülerInnen am Nachmittag betreut. Davon gingen 24.742 in
eine Wiener Pflichtschule. Das ist mehr als die Hälfte", unterstrich
Martin Kirchmayer. Betrachte man die Schülerzahlen jedes einzelnen
Bundeslandes, so könne gesagt werden, dass 26,6% der Wiener
PflichtschülerInnen die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nahmen. Auf
Platz 2 rangierte Burgenland mit 9,3%, Schlusslicht sei Tirol mit 1,5
%. Der Österreich-Schnitt lag im Schuljahr 2005/06 bei 7,2%.

LehrerInnen für die Tagesbetreuung

Für wenig bekannt hält Kirchmayer die Tatsache, dass die so
genannten Zuschläge für die Tagesbetreuung - nämlich zusätzliche
LehrerInnen -, nicht nach dem tatsächlichen Betreuungsangebot
berechnet würden, sondern nach der Bevölkerungszahl. "Diese
Verteilung ist die größte Verhöhnung von Innovation und Engagement.
Wien ist seit jeher bundesweiter Spitzenreiter in Fragen der
Tagesbetreuung - sowohl qualitativ als auch quantitativ. Zur
Belohnung bekommt die Stadt jedoch die wenigsten Zuschläge", so
Kirchmayer, der folgende Zahlen präsentierte: Im Schuljahr 2005/06
wurden in Vorarlberg 1.394 SchülerInnen am Nachmittag betreut, in
Wien waren es 24.742. Vorarlberg bekam 11, Wien 32 LehrerInnen als
Zuschlag. Setze man diese Zahlen ins Verhältnis, so bekam Vorarlberg
6-mal mehr LehrerInnen für eine 17-mal geringere Leistung. Dass sich
die ÖVP - mit diesen Zahlen im Hintergrund - berufen fühle, Wien die
Tagesbetreuung zu erklären, rufe bei den Schulen und Eltern höchstens
ein mitleidiges Lächeln hervor und "den einzigen Effekt, den die
Cortolezis-Brieferln haben, ist, dass das Altpapier immer mehr wird",
so Kirchmayer abschließend. (Schluss)

Rückfragehinweis:

Patrick Wolf
   Zentralverein der Wiener LehrerInnen
   Rauhensteingasse 5
   1010 Wien
   
   Tel.: 0664/4307066
   Mail: [email protected]

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