Neue "Kärntner Tageszeitung" - KOMMENTAR von Bertram Karl Steiner: Feixen über die deutsche Lyrik

Klagenfurt (OTS) - Georg Trakl aber ist ein Heiligtum, vor dem ein Mensch, dem die deutsche Sprache, die deutsche Dichtung heilig sind, nur in Demut verstummen kann: "Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. / Gottes Schweigen / Trank ich aus dem Brunnen des Hains ..." Bis gestern wäre es undenkbar gewesen, dass sich einer, schief feixend, über den Dichter lustig macht, der als Sanitäter im Ersten Weltkrieg am 3. November 1914 am Entsetzen über das Grauen in den Lazaretten zugrunde gegangen ist.

Zu dieser Bassesse gab sich gestern Kärntens LH her. Er spricht von einem "weinerlichen und in melancholischem Selbstmitleid verfassten Georg-Trakl-Brief", den Österreichs Botschafter in Slowenien, Valentin Inzko, an ihn gerichtet habe. Warum Trakl? Warum dieses Ressentiment des LH gerade gegen die deutsche Lyrik, das immer wieder aus ihm herausbricht (wir erinnern uns an die feixende Verhöhnung des damals schon auf den Tod kranken H. C. Artmann)?

Vom Verhalten eines Menschen gegenüber geistiger Größe lässt sich stets ablesen, wie es um seine eigene Statur bestellt ist. Der eine verneigt sich in Demut und beweist damit selbst Größe; ein anderer erträgt es nicht, dass irgendwer, irgendetwas über das Unterholz, über das ihm gemäße geistige und menschliche Biotop hinausgewachsen sein könnte. Der LH hat gewählt. Und feixt.

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