- 14.09.2006, 20:20:42
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Neue "Kärntner Tageszeitung" - KOMMENTAR von Bertram Karl Steiner: Feixen über die deutsche Lyrik
Klagenfurt (OTS) - Georg Trakl aber ist ein Heiligtum, vor dem ein
Mensch, dem die deutsche Sprache, die deutsche Dichtung heilig sind,
nur in Demut verstummen kann: "Ein Schatten bin ich ferne finsteren
Dörfern. / Gottes Schweigen / Trank ich aus dem Brunnen des Hains
..." Bis gestern wäre es undenkbar gewesen, dass sich einer, schief
feixend, über den Dichter lustig macht, der als Sanitäter im Ersten
Weltkrieg am 3. November 1914 am Entsetzen über das Grauen in den
Lazaretten zugrunde gegangen ist.
Zu dieser Bassesse gab sich gestern Kärntens LH her. Er spricht von
einem "weinerlichen und in melancholischem Selbstmitleid verfassten
Georg-Trakl-Brief", den Österreichs Botschafter in Slowenien,
Valentin Inzko, an ihn gerichtet habe. Warum Trakl? Warum dieses
Ressentiment des LH gerade gegen die deutsche Lyrik, das immer wieder
aus ihm herausbricht (wir erinnern uns an die feixende Verhöhnung des
damals schon auf den Tod kranken H. C. Artmann)?
Vom Verhalten eines Menschen gegenüber geistiger Größe lässt sich
stets ablesen, wie es um seine eigene Statur bestellt ist. Der eine
verneigt sich in Demut und beweist damit selbst Größe; ein anderer
erträgt es nicht, dass irgendwer, irgendetwas über das Unterholz,
über das ihm gemäße geistige und menschliche Biotop hinausgewachsen
sein könnte. Der LH hat gewählt. Und feixt.
Rückfragehinweis:
Neue "Kärntner Tageszeitung" Viktringer Ring 28 9020 Klagenfurt Bertram Karl Steiner Tel.: 0463/5866-512 E-Mail: [email protected]
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