• 07.09.2006, 21:28:18
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zumindest den Anfang vom Ende hat Blair eingeläutet" (von Erhard M. Hutter)

Ausgabe vom 08.09.2006

Graz (OTS) - Nach den stürmischen Tagen bitteren Bruderzwistes im
Hause Labour hat sich Tony Blair doch eine Erklärung über seine
Zukunft als britischer Premierminister abringen lassen. Die
Jahreskonferenz der Partei in drei Wochen werde die letzte in seiner
Ägide sein. Ein Jahr wird er noch im Amte bleiben, doch den vielfach
geforderten Zeitplan für die Machtübergabe an Schatzkanzler Gordon
Brown behält er sich für später vor.

Mit dieser Erklärung hofft Blair, dass sich seine Genossen nach dem
traurigen Schauspiel interner Zerwürfnisse um seinen Rücktritt
beruhigen und angesichts drohender Wahlniederlagen wenigstens
halbherzig auf ihn einigen werden. Wenn es nach Blairs Plan geht,
wird er noch Anfang Mai 2007 im Kommando sein, also eine Dekade in
der Downing Street vollenden können.

Tatsächlich hat Blair jetzt das getan, was er seit 2004 mit allen
Mitteln zu vermeiden suchte, als er erklärte, keinen vierten
Wahlkampf mehr zu fechten. Die Opposition, die sich über die
bösartigen Streitereien bei Labour die Hände reibt, stempelt ihn
deshalb zu dem, was die Briten eine "lahme Ente" nennen: einen
Premier und Parteichef nur dem Namen nach, während sich das Volk nach
der eigentlichen Macht des prospektiven Nachfolgers umsieht. Seine
zahlreichen innenpolitischen Initiativen und die Säulen seiner
Außenpolitik stehen fortan auf schwachem Fundament. Und seine loyalen
Parteifreunde laufen ihm jetzt schon davon.

Weil er den Termin im Dunkeln lässt, bringt Blair seine Kritiker in
Rage, die schon revoltierten, als der treue Blair-Mann und
Umweltminister David Miliband vor wenigen Tagen dasselbe sagte: 12
Monate. Miliband brach bereits eine Stange für Gordon Brown als den
"alleinigen" Anwärter auf Nr. 10. Der Schatzkanzler wiederum stellte
sich hinter Blair, ihm allein komme die Entscheidung zu, den
Zeitpunkt für seinen Abgang zu wählen. Was aber ist mit der Thronrede
der Königin im November, wenn das nächste Regierungsprogramm
dargelegt wird? Wird es die Handschrift von Blair oder von Brown
tragen oder überhaupt irrelevant sein?

Browns Anhänger - und nicht nur sie - wollen ein Datum für Blairs
Abtritt, um der Partei die lang vermisste Sicherheit zu geben. Sie
können es kaum erwarten, dass ihr Mann an die Macht kommt, um die in
Umfragen führenden Torys unter David Cameron in die Schranken zu
weisen und nächstes Jahr die Kampagne für regionale und lokale Wahlen
zu führen. Einer turbulenten Jahreskonferenz muss Blair mit
Sicherheit entgegensehen. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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