• 27.08.2006, 18:29:17
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Bush-Regierung hat aus Katrina wenig gelernt" (Von Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 28.08.2006

Graz (OTS) - Ein Jahr nach der Katastrophe des Hurrikans "Katrina"
am Golf von Mexiko zieht die amerikanische Nation Bilanz. Sie ist
erschreckend und einer reichen Nation wie den Vereinigten Staaten
unwürdig. Ernüchterte Amerikaner malen sich lieber erst gar nicht
aus, wie die staatliche Katastrophenbewältigung nach einem nuklearen
Terroranschlag aus sehen würde, auf den die Washingtoner Regierung
einzig nach Aussage ihres Präsidenten "voll vorbereitet" ist.

New Orleans ist immer noch ein Trauerfall: Das von Wasser- und
Sturmschäden weitgehend
verschont gebliebene historische Viertel mit seinen Restaurants und
Kneipen vibriert wieder, aber die "Schwarzenviertel" bieten weiterhin
ein Bild der Verwüstung. Amtlichen Angaben zufolge wurden 100
Millionen Kubikmeter Schutt weggeräumt, aber nur ein paar hundert
Häuser wieder aufgebaut. Eine Viertelmillion Bewohner harrt noch in
Notunterkünften in anderen Bundesstaaten aus. Das Parlament
bewilligte eine "Katrina-Nothilfe" in Höhe von 110 Milliarden Dollar,
von denen 77 Milliarden ausgegeben wurden: Für die Reparatur der
Deiche und des Hafens sowie der Öl- und Gas-Bohrinseln, Pipelines und
Raffinerien. "Dass die Leute überall im Land genug Sprit tanken
können, ist ja auch wichtiger als der Wiederaufbau der Stadt und die
Linderung unserer Not", klagen Bewohner.

Parlamentarische Untersuchungsausschüsse forschten nach den Ursachen
des offenkundigen Versagens bei der Katastrophenvorsorge und der
Katastrophenbewältigung. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die
zuständigen staatlichen Stellen konnten nicht helfen, weil sie sich
erst einmal selbst organisieren mussten.

Welche Lehren hat die Regierung Bush aus ihrem Versagen gezogen und
was ist zum Jahrestag der "Katrina-Katastrophe geändert und besser
geworden" Nicht viel: Die Deiche in New Orleans sind repariert, aber
nicht widerstandsfähiger als zuvor. Sollte wieder einmal ein Hurrikan
der Katrina-Stärke kommen, würde ihm die Stadt genauso hilflos
ausgeliefert sein wie vor einem Jahr.

Die Strukturen und Zuständigkeiten wurden
kaum verändert. Das Budget der für die Bewältigung von
Naturkatastrophen zuständigen FEMA-Behörde wurde nur geringfügig
aufgestockt, aber gleichzeitig gab es weitere Milliarden für die
"Terrorabwehr" des Ministeriums für Heimatschutz. "Der Präsident hat
eben seine eigenen Prioritäten", klagt der Bürgermeister von New
Orleans. Naja, und die meisten Bewohner der geschundenen Stadt sind
immer noch schwarz.****

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