• 24.08.2006, 18:07:39
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die große Ratlosigkeit

Es ist noch nicht allzu lange her: Da hat man hierzulande hochmütig
auf Belgien und Frankreich herabgeblickt und altklug begründet, wieso
es gerade dort zu spektakulären Fällen von Entführungen und
Kindesmissbrauch kommen musste. Heute stehen wir erschüttert vor
einem besonders grauslichen Fall bei uns in Österreich.

Wir haben keine wirklichen Erklärungen dafür, wie so etwas
passieren konnte - und ob es künftig wieder geschehen wird. Gewiss
wird jetzt leichtfertig da oder dort hingehackt: auf die unfähige
Polizei, auf zerstrittene Eltern, auf desinteressierte Nachbarn oder
Supermarkt-Einkäufer. In Wahrheit greift das alles viel zu kurz. Wir
müssen offenbar damit leben, dass das Böse unausrottbar ist. Und dass
die besonders widerlichen Verbrechen nicht verhindert werden, wenn
wir unsere Gesellschaft noch so eng mit Rauch-Verboten,
Alkohol-Limits und Gleichbehandlungs-Regeln überziehen.

Jetzt bleibt dem armen Mädchen nur zu wünschen, dass es sich bald
in einem stabilen wie liebevollen familiären Ambiente wiederfindet.
Denn auch dieses kann weder durch Polizei noch durch
Psychotherapeuten geschaffen werden.

*

Die neue buntgescheckte Mehrheit bekommt wie weiland Goethes
Zauberlehrling den Besen nicht mehr unter Kontrolle, mit dem sie
basisdemokratisch die zwei bürgerlichen Machthaber aus dem ORF
gekehrt hat. Seit die Stiftungsrats-Mehrheit einmal brav dem Zuruf
rebellierender Angestellter gefolgt ist, die gegen die
Geschäftsführung intrigiert haben (statt sich wie in jedem anderen
Unternehmen der Welt hinter die Geschäftsführung zu stellen), lecken
nun auch viele andere Gruppen Blut. Munter werden derzeit in alle
möglichen Richtungen und vor allem gegen jeden irgendwo genannten
Kandidaten für einen Direktorsposten Offene Briefe und Polemiken
geschrieben.

Wenn er uns nicht allmonatlich so viel Geld kosten würde, müsste
einem der ORF jetzt schon fast leid tun. Nicht, dass die zur Debatte
stehenden Kandidaten so toll wären - aber im Stile des 68er Jahres
lässt sich nun mal kein Unternehmen führen. Solange aber politische
Intriganten die Rolle eines echten Eigentümers simulieren dürfen,
besteht wenig Hoffnung auf Besserung.

http://www.wienerzeitung.at

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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