Offener Brief der ORF.at-Mitarbeitervertreter an Dr. Wrabetz

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Dr. Wrabetz, mit an Empörung reichender Verblüffung haben wir Ihre Aussage gegenüber der APA gelesen, der zufolge Sie Helmut Brandstätter "gerne ins Haus zurückholen wollen". Herr Brandstätter hat in seiner schriftlichen Bewerbung und im Rahmen der Hearings alle ORF-Online-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter aufs Gröbste und Fahrlässigste verleumdet. Dieser Herr hat das Kunststück vollbracht, nicht eine einzige zutreffende Anmerkung zu diesem für den ORF so wesentlichen Bereich zu machen. Wir könnten jede einzelne seiner kontrafaktischen Behauptungen im Detail widerlegen, was wir bei Gelegenheit gerne tun werden. Im Moment wollen wir nur folgende Fakten festhalten:

Auf der einzigen der Internet-Branche zur Verfügung stehenden Weltrangliste, dem von Amazon.com betriebenen Alexa.com-Ranking, sieht es mit Stand heute so aus:

ORF.at Platz 1.410 ARD.de Platz 2.051 ZDF.de Platz 2.883 RAI.it Platz 2.563

Wenn das Webangebot, dem ein Acht-Millionen-Markt zur Verfügung steht, in absoluten Zahlen größer ist als Webangebote aller anderen öffentlich-rechtlichen Broadcaster in Kontinentaleuropa, denen 55-oder 80-Millionen-Märkte zur Verfügung stehen, dann müssen sich die, die dieses Angebot täglich erarbeiten, von keinem "Berater" - dieser Ganzjahresgelsenplage fast aller ORF-Mitarbeiter - "Ratschläge" bieten lassen, die aus einer Web-2.0-"Spiegel"-Geschichte und schlecht verdauten "Wired"-Storys kompiliert sind. Wir haben, stets auf ORF-Sparkurs, unser 1996 bestelltes "Wired"-Abo schon vor Jahren storniert, spätestens als es von dem Fashion- und Modeverlag Conde-Nast gekauft wurde.

Wir pflegen selbstverständlich auch die bei weitem größte Web-Community des Landes. Von den 2,959.294 Usern, die die ÖWA-Analyse ORF ON derzeit bescheinigt (im Winter sind es immer mehr), sind wenige über 50. Wir werden dennoch, um der Realitätsabgehobenheit à la Brandstätter vorzubeugen, auch weiterhin dessen Hearing-Forderung ("man muss den Jungen etwas anbieten, zum Beispiel Online-Communitys") nachstreben. Wir bitten bloß um Verständnis, dass wir bei einer tendenziell überalterten Acht-Millionen-Bevölkerung an Grenzen stoßen müssen.

Im Übrigen wünschen wir unseren sympathischen Kollegen von puls-TV auch weiterhin das Überleben einer mehrmonatigen Brandstätter-Geschäftsführung. Auch n-tv ist das, dank eines finanzstarken Sanierers, gelungen. Und dem österreichischen Fernsehpublikum einen "neuen Portisch", der es mit den Fakten so genau nimmt, wie es Portisch stets tat und Brandstätter nachweislich nicht.

Für den Redakteursrat
Peter Bauer, Redakteurssprecher ORF.at
Robert Holzhammer, Redakteurssprecher ORF.at
Bernhard Frank, Redakteurssprecher ORF Direktion Online und
Neue Medien

Für den Betriebsrat
Hartmut Schöbitz, Betriebsratsvorsitzender ORF Online und
Teletext GmbH
Georg Kurzbauer, Betriebsrat ORF Online und Teletext GmbH
Wolfgang Rieder, Betriebsrat ORF Online und Teletext GmbH
Konstanze Wagenhofer, Betriebsratsvorsitzende ORF Direktion Online und Neue Medien

Rückfragen & Kontakt:

Armin Sattler, Tel.: 01/ 50277 - 21316
Mag. Peter Bauer, Tel.: 01/ 50277 - 21315

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