- 24.08.2006, 09:18:57
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Sophiensäle: Neubeginn und Rückblick
Wien (OTS) - Vor fünf Jahren, am Donnerstag, 16. August 2001,
wurden die historischen Sophiensäle durch einen Großbrand zerstört.
Die Feuerwehr war damals von 13 Uhr bis am nächsten Tag im Einsatz,
und versuchten den Brand unter Kontrolle zu bekommen, um das
Schlimmste zu verhindern.
Vorerst wurde Alarmstufe 2 ausgerufen, doch aufgrund der
schwierigen Bedingungen beim Löschen, musste Alarmstufe 4 ausgelöst
werden. Die Feuerwehr war mit 40 Einsatzfahrzeugen vor Ort, auch die
Wiener Rettung war mit zwölf Einsatzfahrzeugen bei diesem tragischen
Anlass vertreten. Vier Feuerwehrmänner erlitten leichte Verletzungen.
Aufgrund der starken Rauchentwicklung mussten angrenzende Häuser
evakuiert werden. Bewohner dieser Häuser fanden in, von den Wiener
Linien zur Verfügung gestellten, Bussen Unterkunft.
Am nächsten Tag fand man nur einen traurigen Anblick der
Sophiensäle vor. Lange Zeit war nicht geklärt, ob bei den
Flämmarbeiten, die am Dach vorgenommen worden waren, nicht genügend
auf Sicherheit geachtet wurde und vielleicht so der Brand verursacht
wurde.
Der Prozess wegen "fahrlässiger Herbeiführung einer
Feuersbrunst" endete mit einem Schuldspruch für den 42-jährigen
Dachdeckermeister(3 Monate bedingt) und einem Freispruch. Das Gericht
sah eine sorgfaltswidrige Vorgangsweise gegeben.
Geschichte der Sophiensäle
Die Idee zur Errichtung der Sophiensäle geht 180 Jahre zurück.
Der Tuchscherergehilfe Franz Morawetz aus Böhmen wollte vorerst eine
Tuchschererei eröffnen, die aber nicht viel Gewinn brauchte. In
weiterer Folge wurde ein russisches Dampfbad in Wien errichtet, das
schlussendlich im Jänner 1838 eröffnete. Das Bad wurde nach der
Erzherzogin Sophie, der Mutter von Kaiser Franz Joseph, benannt. In
den Jahren 1846/47 folgte der Um- und Neubau des Sophienbades, nach
Plänen von Siccardsburg und van der Nüll.
Um ausreichend mit Wasser versorgt zu werden, wurde das Bad mit
dem Donaukanal verbunden, das mit Hilfe von Röhren geleitet,
gefiltert, gepumpt und erwärmt ins Sophienbad gelangen konnte. Schon
damals wurden im Winter dort Tanz- und Musikveranstaltungen
abgehalten. 520 Quadratmeter groß war der heute Denkmalgeschützte
Saal, und somit das größte öffentliche Lokal Wiens. Der
Mehrzwecksaal, sowohl Schwimm- als auch Veranstaltungshalle, bot
2.700 Menschen Platz.
Johann Strauß Vater dirigierte im Jänner 1848 den
Eröffnungsfestball, auch die Wiener Philharmoniker haben in den
Sophiensälen Schallplatten aufgenommen.
Die Sophiensäle haben aber auch eine traurige Bedeutung in der
österreichischen Zeitgeschichte. Am 4.Mai 1926 begründete der
Mittelschullehrer Richard Suchenwirth in den Sophiensälen die
österreichische NSDAP. Nach der "Reichskristallnacht"( November 1938)
wurde das Gebäude von den Nationalsozialisten ab 10. November 1938
als "Sammelstelle" von zur Deportation bestimmten jüdischen
Mitbürgern verwendet.
Im Jahre 1948 wurden die Sophiensäle, durch Carl Appel, einer
groß Renovierung unterzogen.
Am 21.August 1986 wurden die Wiener Sophiensäle unter
Denkmalschutz gestellt, da aus der Gründerzeit kein einziges
Vergnügungsetablissement dieser Art mehr erhalten ist.
Neue Besitzer- Aktuelle Vorhaben
Nachdem nun die Sophiensäle schon 5 Jahre eine Ruine sind, gibt
es endlich grünes Licht für einen Neubeginn. Problematisch war es
immer, da- wie oben schon erwähnt- die Innenwände des Saals, die
Logen und das Foyer denkmalgeschützt sind. Im November 2002
beantragte die Sophiensäle AG die Abtragung der Ruine, dies wurde
jedoch abgelehnt. So war man nun bemüht einen neuen Eigentümer für
die Sophinsäle AG zu finden. Anfang Jänner 2006 wurde man fündig, die
ARWAG übernahm von Julius Eberhardt das etwa 5.200 Quadratmeter große
Areal.
Zurzeit gibt es noch kein konkretes Nutzungskonzept. Im Moment
ist wichtiger zu wissen, wie man das Gebäude wintergerecht schützen
kann. Die Hauptfront in der Marxergasse und der große Festsaal werden
renoviert. Die Baugenehmigung erhofft man im Herbst 2007 zu erhalten.
Jedoch kann man mit den Sanierungsarbeiten der denkmalgeschützten
Bereiche schon früher beginnen. Das einstig so beliebte Schwimmbecken
kann leider nicht erhalten bleiben, da die Wände durch die starke
Chlorbelastung kontaminiert und nicht mehr reparabel sind.
In den nächsten Wochen wird der Saal statisch auf seine
Belastbarkeit untersucht. Erst dann wird die ARWAG die künftige
Nutzung im Detail festlegen. Wohn- und Arbeitsräume könne man sich
vorstellen, meint Franz Hauberl, Generaldirektor der ARWAG Holding-
AG, aber die einst so beliebte Party Location werde es nicht mehr
geben. Seit Jahren fanden dort unter anderem diverse Veranstaltungen
und Events statt.
Geplant ist auch eine Tiefgarage, die man aber nicht, wie zuvor
geglaubt, unter dem großen Saal bauen wird können. Man muss
wahrscheinlich unter der umliegenden Fläche bauen.
o Weitere Informationen: ARWAG Holding - Aktiengesellschaft 3., Würtzlerstraße 15 Tel.: +431 797 00-0 Fax: +431 799 37 85 Internet: http://www.arwag.at/
(Schluss) ch
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Fritz Kucirek
Tel.: 4000/81 081
mailto:[email protected]
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