Sophiensäle: Neubeginn und Rückblick

Wien (OTS) - Vor fünf Jahren, am Donnerstag, 16. August 2001, wurden die historischen Sophiensäle durch einen Großbrand zerstört. Die Feuerwehr war damals von 13 Uhr bis am nächsten Tag im Einsatz, und versuchten den Brand unter Kontrolle zu bekommen, um das Schlimmste zu verhindern.

Vorerst wurde Alarmstufe 2 ausgerufen, doch aufgrund der schwierigen Bedingungen beim Löschen, musste Alarmstufe 4 ausgelöst werden. Die Feuerwehr war mit 40 Einsatzfahrzeugen vor Ort, auch die Wiener Rettung war mit zwölf Einsatzfahrzeugen bei diesem tragischen Anlass vertreten. Vier Feuerwehrmänner erlitten leichte Verletzungen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung mussten angrenzende Häuser evakuiert werden. Bewohner dieser Häuser fanden in, von den Wiener Linien zur Verfügung gestellten, Bussen Unterkunft.

Am nächsten Tag fand man nur einen traurigen Anblick der Sophiensäle vor. Lange Zeit war nicht geklärt, ob bei den Flämmarbeiten, die am Dach vorgenommen worden waren, nicht genügend auf Sicherheit geachtet wurde und vielleicht so der Brand verursacht wurde.

Der Prozess wegen "fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst" endete mit einem Schuldspruch für den 42-jährigen Dachdeckermeister(3 Monate bedingt) und einem Freispruch. Das Gericht sah eine sorgfaltswidrige Vorgangsweise gegeben.

Geschichte der Sophiensäle

Die Idee zur Errichtung der Sophiensäle geht 180 Jahre zurück. Der Tuchscherergehilfe Franz Morawetz aus Böhmen wollte vorerst eine Tuchschererei eröffnen, die aber nicht viel Gewinn brauchte. In weiterer Folge wurde ein russisches Dampfbad in Wien errichtet, das schlussendlich im Jänner 1838 eröffnete. Das Bad wurde nach der Erzherzogin Sophie, der Mutter von Kaiser Franz Joseph, benannt. In den Jahren 1846/47 folgte der Um- und Neubau des Sophienbades, nach Plänen von Siccardsburg und van der Nüll.

Um ausreichend mit Wasser versorgt zu werden, wurde das Bad mit dem Donaukanal verbunden, das mit Hilfe von Röhren geleitet, gefiltert, gepumpt und erwärmt ins Sophienbad gelangen konnte. Schon damals wurden im Winter dort Tanz- und Musikveranstaltungen abgehalten. 520 Quadratmeter groß war der heute Denkmalgeschützte Saal, und somit das größte öffentliche Lokal Wiens. Der Mehrzwecksaal, sowohl Schwimm- als auch Veranstaltungshalle, bot 2.700 Menschen Platz.

Johann Strauß Vater dirigierte im Jänner 1848 den Eröffnungsfestball, auch die Wiener Philharmoniker haben in den Sophiensälen Schallplatten aufgenommen.

Die Sophiensäle haben aber auch eine traurige Bedeutung in der österreichischen Zeitgeschichte. Am 4.Mai 1926 begründete der Mittelschullehrer Richard Suchenwirth in den Sophiensälen die österreichische NSDAP. Nach der "Reichskristallnacht"( November 1938) wurde das Gebäude von den Nationalsozialisten ab 10. November 1938 als "Sammelstelle" von zur Deportation bestimmten jüdischen Mitbürgern verwendet.

Im Jahre 1948 wurden die Sophiensäle, durch Carl Appel, einer groß Renovierung unterzogen.

Am 21.August 1986 wurden die Wiener Sophiensäle unter Denkmalschutz gestellt, da aus der Gründerzeit kein einziges Vergnügungsetablissement dieser Art mehr erhalten ist.

Neue Besitzer- Aktuelle Vorhaben

Nachdem nun die Sophiensäle schon 5 Jahre eine Ruine sind, gibt es endlich grünes Licht für einen Neubeginn. Problematisch war es immer, da- wie oben schon erwähnt- die Innenwände des Saals, die Logen und das Foyer denkmalgeschützt sind. Im November 2002 beantragte die Sophiensäle AG die Abtragung der Ruine, dies wurde jedoch abgelehnt. So war man nun bemüht einen neuen Eigentümer für die Sophinsäle AG zu finden. Anfang Jänner 2006 wurde man fündig, die ARWAG übernahm von Julius Eberhardt das etwa 5.200 Quadratmeter große Areal.

Zurzeit gibt es noch kein konkretes Nutzungskonzept. Im Moment ist wichtiger zu wissen, wie man das Gebäude wintergerecht schützen kann. Die Hauptfront in der Marxergasse und der große Festsaal werden renoviert. Die Baugenehmigung erhofft man im Herbst 2007 zu erhalten. Jedoch kann man mit den Sanierungsarbeiten der denkmalgeschützten Bereiche schon früher beginnen. Das einstig so beliebte Schwimmbecken kann leider nicht erhalten bleiben, da die Wände durch die starke Chlorbelastung kontaminiert und nicht mehr reparabel sind.

In den nächsten Wochen wird der Saal statisch auf seine Belastbarkeit untersucht. Erst dann wird die ARWAG die künftige Nutzung im Detail festlegen. Wohn- und Arbeitsräume könne man sich vorstellen, meint Franz Hauberl, Generaldirektor der ARWAG Holding-AG, aber die einst so beliebte Party Location werde es nicht mehr geben. Seit Jahren fanden dort unter anderem diverse Veranstaltungen und Events statt.

Geplant ist auch eine Tiefgarage, die man aber nicht, wie zuvor geglaubt, unter dem großen Saal bauen wird können. Man muss wahrscheinlich unter der umliegenden Fläche bauen.

o Weitere Informationen: ARWAG Holding - Aktiengesellschaft 3., Würtzlerstraße 15 Tel.: +431 797 00-0 Fax: +431 799 37 85 Internet: http://www.arwag.at/

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