Pflegebedürftige sind therapeutisch unterversorgt

In der "Pflege-Diskussion" fehlt die Qualität

Wien (OTS) - Mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen braucht eine therapeutische Betreuung, aber nur ein Bruchteil der Betroffenen erhält sie auch. "In der aktuellen Pflege-Diskussion werden die Bedürfnisse der zu Pflegenden und die Qualität der Betreuung völlig ignoriert", kritisiert die Präsidentin des Dachverbandes der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD), Anna-Elisabeth Trauttenberg.

Derzeit wird der Eindruck erweckt, als ginge es bei der Betreuung Pflegebedürftiger lediglich um die Bereitstellung von ausreichendem Pflegepersonal und um dessen arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen. Die Pflege in den eigenen vier Wänden ist aber nur ein Teil einer adäquaten Betreuung. Die meisten Pflegebedürftigen brauchen auch eine therapeutische Versorgung - etwa durch LogopädInnen, Ergo-, oder PhysiotherapeutInnen, DiätologInnen, OrthoptistInnen, etc.

Ziel jeder therapeutischen Betreuung - von der Bewegungstherapie und Atemschulung bis zum Sprech- und Schlucktraining, Verhinderung von Mangelernährung, aber auch die adäquate Versorgung mit angepassten Hilfsmitteln - ist die Erhaltung einer größtmöglichen Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen. Für eine optimale Betreuung ist das Zusammenspiel von TherapeutInnen und Pflege entscheidend: Das mit den TherapeutInnen Erlernte wird im Rahmen der Pflege umgesetzt.

Solange Pflegebedürftige stationär versorgt werden (etwa in Krankenhäusern oder Pflegeheimen) erhalten sie auch ein mehr oder weniger entsprechendes therapeutisches Angebot. Sobald sie zu Hause versorgt werden, ist damit meistens Schluss. Zum Einen mangelt es den Betroffenen und deren Angehörigen an Information über therapeutische Angebote, zum Anderen können sich viele eine therapeutische Betreuung zu Hause nicht leisten. Denn im Gegensatz zum stationären Bereich muss für physiotherapeutische, ergotherapeutische und logopädische Betreuung zu Hause meist ein Selbstbehalt von bis zu 40,- Euro pro Stunde berappt werden, da es nur wenige TherapeutInnen gibt, die vertraglich mit den Krankenkassen direkt verrechnen können. Leistungen von DiätologInnen und OrthoptistInnen müssen von den Betroffenen voll bezahlt werden.

Anders als im Pflegebereich liegt die Versorgungslücke daher nicht an akut fehlendem Personal oder arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Vielmehr blockiert die Sozialversicherung eine bessere Betreuung der Pflegebedürftigen. Qualifiziertes Fachpersonal aus dem Bereich der gehobenen MTD wäre in Österreich vorerst ausreichend vorhanden. Erst bei einer Vollversorgung und durch die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen würden sich in einigen MTD-Berufen wie DiätologInnen, ErgotherapeutInnen oder OrthoptistInnen personelle Engpässe ergeben.

Allerdings besteht die Gefahr, so MTD-Dachverbandspräsidentin Trauttenberg, dass mit einem unkontrollierten Zuzug von billigen Pflegekräften auch mehr therapeutisch herumgepfuscht wird - nach dem Motto: Ein bisserl Bewegungs- und Ernährungstherapie wird die Pflegekraft schon zustande bringen. Solche Fleißaufgaben können sich allerdings leicht als Bumerang erweisen, wenn falsche "therapeutische" Maßnahmen zu (weiteren) Gesundheitsschäden führen.

"Eine bedürfnisgerechte Betreuung zu Hause ist nur unter Einbeziehung des therapeutischen Bereiches möglich", so Trauttenberg. Sie schlägt daher vor, Modelle für Pflegeversicherungen zu entwerfen, die nicht nur eine Aufbesserung des staatlichen Pflegegeldes bringen, sondern auch ein Mindestmaß an therapeutischer Betreuung abdecken.

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