- 17.08.2006, 21:40:49
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "ORF-Wahl: Wer solche Förderer hat, braucht keine Feinde" (von Frido Hütter)
Ausgabe vom 18.08.2006
Graz (OTS) - Es hatte etwas von einem Shakespeare'schen
Königsdrama: Machtfantasien, List, Verrat, Untergang - die Wahl des
ORF-Generaldirektors hatte von allem etwas.
Da ist eine ÖVP, die über Wochen hinweg in einer Art Allmachtstrance
versäumte, sich um verlässliche Partner für den Wahltag zu kümmern.
15 zurechenbare Stimmen sind viel, aber zu wenig, wenn man mindestens
18 für seine Wunschkandidaten benötigt.
Dabei fehlte es nicht an Vorwarnungen: Als nach der markanten Rede
des ZiB 2-Anchors Armin Wolf einige Stiftungsräte eine Sondersitzung
wegen des umstrittenen Chefredakteurs Werner Mück verlangten, mauerte
die VP-Fraktion ab. Erst so konnten die Strategen Karl Krammer (SP)
und Pius Strobl (Grüne) die erste Regenbogenkoalition schmieden, die
der ÖVP deutlich die Grenzen ihrer ORF-Macht zeigte.
Eine ähnliche Umnachtung muss es gewesen sein, die das Dream-Team
Monika Lindner/Werner Mück als alleinige Option festschweißte. Ohne
diese Zwangskonstellation hätte Lindner vermutlich locker überlebt.
Dann der erste Verrat, an ihr: Die VP signalisierte auch Lorenz als
möglichen Kandidaten, wenn dieser Mück akzeptieren würde.
Der erwünschte Erfolg blieb aus, im Gegenteil: Der BZÖ-Gambler Peter
Westenthaler schwenkt mit mindestens vier Stimmen auf einen neuen
Helden ein, der plötzlich sein Haupt gegen die alte Herrschaft
erhebt: Alexander Wrabetz, bis dahin treuer Schatzmeister am Hofe
Lindners.
Der VP-Freundeskreis geht in den Panic-Room und kommt mit einem
Verrat an Lorenz und Mück heraus: Gestern noch wurde einigen
Stiftungsräten ein Team ohne Werner Mück geboten, stimmten sie nur
für Lindner.
Mitten drinnen in dem Getümmel Peter Westenthaler, der aus dem
Fußball zurückgekehrte Chef einer Partei, die zumindest in Umfragen
unter der Marginalitätsgrenze liegt, der aber durch Taktieren auf dem
Stimmenbazar jede Menge Öffentlichkeit (und ein paar ORF-Direktoren)
bekommt.
Man sollte ja ORF-Wahlen nicht überschätzen, aber der Graben zwischen
Kanzler Wolfgang Schüssel und dem muskulösen Duo Erwin Pröll und
Raiffeisenchef Christian Konrad ist damit sicher tiefer geworden. Ob
das in einem Nationalratswahlkampf von zwingendem Vorteil ist, wird
sich zeigen.
Dem tragischen Duo Monika Lindner und Werner Mück ins Stammbuch: Wer
solche Förderer zur Seite hat, braucht nicht einmal Feinde im Rücken.
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